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Um das Mehrfamilienhaus in der Fraunhoferstraße 10 ist ein erbitterter Streit entbrannt, weil der Eigentümer nach Sanierungen drastische Mieterhöhungen angekündigt hat.

 Luxussanierung, Mieterhöhung, Baulärm

Horror-Haus an der Fraunhofer: Jetzt wehren sich die Bewohner 

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  • Martina Williams
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Die Masche ist stets dieselbe: In der Stadt kaufen Geschäftsleute ältere Gebäude, lassen sie aufwendig sanieren und erhöhen dann die Miete – zermürbend für die Bewohner. An der Fraunhoferstraße setzen sie sich nur zur Wehr, wie zwei aktuelle Fälle zeigen.

München - Rainer Beck hat nicht mehr viele Freunde. Zumindest in der Fraunhoferstraße 10 nicht. Das Mehrfamilienhaus kaufte der Immobilienunternehmer vor einigen Jahren, es ist alt und sanierungsbedürftig – und heute hat es nur noch wenige Bewohner. Am Rand des Glockenbachviertels liegt es an der Kreuzung zur Jahnstraße, die Fassade ist vergilbt, aber innen ist die Heimat von Danica P. (65) und Evelyn B. (71). Seit 44 beziehungsweise 60 Jahren wohnen die Frauen in dem Haus. Doch seit langem müssen sie um ihr Zuhause fürchten.

Nachdem Beck das Haus gekauft hatte, ließ er zunächst die Pension im Erdgeschoss sanieren. „Es wird laut und dreckig“, hörten die Bewohner. Jahrelange Bauarbeiten folgten. Frei werdende Wohnungen wurden oft in Studenten-Wohngemeinschaften umgewandelt, bevor sie endgültig saniert werden. Die Masche kennt der Mieterverein: „Herr Beck macht den Mietern seiner Häuser das Leben schwer, um sie zu vertreiben“, sagt eine Sprecherin. Er setze auf eine Zermürbungstaktik.

„Wo soll ich denn sonst hin?“

Danica P. kann sich die Miete nicht mehr leisten und will deshalb ausziehen.

Bei Danica P. (65) leider mit Erfolg: Sie wird Ende des Jahres ausziehen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen kann. Mit ihrer Familie lebt die Kroatin im vierten Stock. Für die Drei-Zimmer-Wohnung zahlte sie bislang 595 Euro plus Nebenkosten. Nun sollen es angeblich 1380 Euro werden, das sei ihr in einem Schreiben mitgeteilt worden. Zu viel für die frühere Krankenpflegehelferin, die auch 44 Jahre lang in einer Münchner Klinik angestellt war.

Die vergangenen Jahre waren hart für sie und ihren Mann (73), der mittlerweile schwer krank ist. Zweimal hatten Bauarbeiter bei der Sanierung der Nachbarwohnung die Wand ihres Badezimmers durchbrochen. Aus Versehen. „Es klaffte ein großes Loch“, sagt Danica P. „Drei Monate hat es gedauert, bis das Bad wieder gerichtet war. Wir waren fassungslos.“

1271,66 Euro Miete statt 517,66 Euro

So geht es auch Evelyn B. (71). „Es ist mein Zuhause, ich liebe das Viertel. Wo soll ich denn sonst hin?“, sagt sie – und will sich die Forderungen von Rainer Beck nicht gefallen lassen. Heizung, Stromleitung und Bad müssen bei ihr renoviert werden, das sieht die Mieterin aus dem dritten Stock ein. Aber nicht, was sie dafür zahlen soll: 754 Euro mehr Miete pro Monat und damit insgesamt 1271,66 Euro statt wie bisher 517,66 Euro. Mit Nebenkosten käme Evelyn B. sogar auf über als 1500 Euro, das ist mehr als ihre Rente. „Das ist nicht fair.“

Rechtsanwalt Martin Klimesch. 

Rechtsanwalt Martin Klimesch (44) vertritt Evelyn B. nun vor dem Landgericht: „So eine Mieterhöhung um 145 Prozent ist nicht zumutbar, zumal wenn sie das Einkommen der Mieterin übersteigt.“ Auch das Gericht war gestern der Auffassung, dass die Mieterin die Erhöhung „nicht hinnehmen muss“.

Denn ihre Geschichte gilt rechtlich als Härtefall. Ein großer Erfolg für Evelyn B., die den ersten Prozess gegen Rainer Beck verloren hatte. Der wollte ihr die Renovierungsarbeiten gerichtlich aufzwingen und kam damit sogar durch. Die Berufung verlor die Mieterin, sie muss die Bauarbeiten dulden – und zur Not sogar zehn Tage lang ausziehen, entschieden die Richter. Die Kosten muss aber der Eigentümer zahlen.

Für September 2015 waren die ersten Arbeiten vorgesehen, Beck hatte sie zuvor schriftlich angekündigt. Wegen gesundheitlicher Probleme versuchte die Mieterin zu widersprechen – ohne Erfolg. „Er hätte mit seinen Bau-Maßnahmen sofort nach dem ersten Prozess beginnen können“, sagt Evelyn B. „Aber er ist vielmehr interessiert an einer Mietaufhebungsvereinbarung.“ Um Profit zu machen? Auf Nachfrage hat Rainer Beck unserer Zeitung keine Stellungnahme gegeben.

Schon mehrmals haben wir über Rainer Beck und seine Vorgehensweise berichtet. Lesen Sie hier: Mieterverein verklagt Immobilien-Mogul. Außerdem: 1000 Euro mehr Miete - „Hilfe wir werden raussaniert!“

Die Richter versuchten die Rentnerin zu beruhigen: Die Modernisierung führe nicht zum Wohnungsverlust. „Sie müssen das Angebot zum Auszug nicht annehmen.“ Dennoch fürchtet Evelyn B., dass es ihr letztlich so ergeht wie Danica P. Das Vertrauen in den Eigentümer habe sie verloren. „Die Beispiele anderer Häuser zeigen, dass die Sanierung nicht nur Tage dauert – sondern viele Jahre.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Isarvorstadt – mein Viertel“.

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