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Starker Anstieg in der Nacht zum Dienstag

Isar zeigt, welche Urgewalt in ihren reißenden Fluten stecken kann

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Der Sylvensteinspeicher hat München vor Schlimmerem bewahrt. Doch obwohl der Stausee der Hochwasserwelle die Spitze genommen hat, zeigt die Isar in diesen Tagen, welche Urgewalt in ihren reißenden Fluten stecken kann.

München - Der Anstieg kam angesichts der ergiebigen Regenfälle nicht überraschend, aber heftig: Bis zum Montag dümpelte der Wasserstand der Isar am Pegel München noch unter einem Meter. In der Nacht zum Dienstag stieg er an der amtlichen Messstelle südlich der Max-Joseph-Brücke auf 1,5 Meter, und am Dienstagnachmittag erreichte die Hauptwelle München: Binnen weniger Stunden überschritt der Pegel die Meldestufe 1 und kletterte immer weiter – bis knapp unter die Drei-Meter-Marke. Meldestufe 2, der Wert, bei dem es laut Andreas Scholz vom Wasserwirtschaftsamt München „kleinere Überschwemmungen“ geben kann, wurde nicht erreicht. 

Die Isar blieb in ihrem Hochwasserbett, war aber kaum wiederzuerkennen: Waren am Montagmorgen noch 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Stadt geflossen, so schossen heute um 10 Uhr 436 Kubikmeter pro Sekunde gen Norden – eine spektakuläre schmutzig braune Flut, die viele Schaulustige auf die Brücken lockte. „Mich faszinieren starke Naturereignisse“, sagte Rentner Klaus Eberlein (78), der von der Wittelsbacherbrücke auf die Fluten blickte. Auch Lokführer Ulrich Pietsch, der regelmäßig zum Schwimmen hierher kommt, war beeindruckt. „Baden geht monmentan natürlich nicht“, sagte der 58-Jährige. „Aber ich komme aus Dresden und habe 2002 das große Hochwasser miterlebt – dagegen ist die Isar harmlos.“

Von Naturereignissen fasziniert: Rentner Klaus Eberlein (78).

Der Scheitelpunkt der Flutwelle war mit 298 Zentimetern am Dienstag um 10 Uhr erreicht. Danach sank der Pegel langsam wieder. „Er wird aber noch einige Zeit erhöht bleiben, weil auch am Sylvensteinsee vermehrt Wasser abgelassen wird“, prognostiziert Scholz. Hochwasser dieser Größenordnung sei für München nicht ungewöhnlich, so der Fachmann. „Allerdings kommt es in diesem Jahr deutlich später. Normalerweise haben wir das eher im Juni.“ Schäden seien bei diesem Pegel noch nicht zu erwarten. Zum Vergleich: Beim großen Hochwasser 2005, das mehrere Pfeiler des Flaucherstegs unterspülte und absacken ließ, stieg der Pegel auf 5,36 Meter, die Wassermenge war mehr als doppelt so groß wie jetzt.

Die Grafik des Wasserwirtschaftsamtes (oben) zeigt die beiden Stufen der Hochwasserwelle: Ein Anstieg um gut 50 Zentimeter in der Nacht zum Dienstag. Am Mittwochnachmittag schnellte der Pegel um weitere 150 Zentimeter empor. Seit Donnerstagvormittag sinkt der Wasserstand allmählich wieder.

Sorgen müssen sich allenfalls die Bewohner älterer Häuser in der Au machen: Mit leichter Verzögerung steige auch der Grundwasserspiegel, erläutert Scholz. Der eine oder andere Keller könne feucht werden. Doch das ist man in der Au seit jeher gewohnt. „Am Mittwoch haben wir noch gezittert, ob der Pegel über drei Meter steigt“, erzählten Hans und Hannelore Gayer. Das Rentnerehepaar hat ein Haus in der Au, nicht weit von der Isar entfernt. „Beim Hochwasser 2005 und 2013 ist uns jeweils der Keller vollgelaufen“, berichteten die Eheleute mit Blick auf die Fluten. Dass der Pegel diesmal unter der Meldestufe 2 blieb, hat ihnen viel Arbeit erspart: „So müssen wir unseren Keller nicht schon wieder ausräumen.“

Zitterten um ihren Keller: Hans (84) und Hannelore (77) Gayer.

Auf der Museumsinsel, deren Kiesbänke unter den Fluten verschwanden, blieb man gestern gelassen: „Wir haben rund um unser Ausstellungsgebäude diese wunderbare Hochwasserdichtwand“, sagte der Sprecher des Deutschen Museums, Gerrit Faust. „Die sorgt dafür, dass es bei uns trocken bleibt.“

Land unter vor der Museumsinsel. 

Baureferat im Dauereinsatz

Im Dauereinsatz ist ein etwa 20-köpfiges Team des Baureferats. „Schon am Mittwoch haben wir Müllkörbe geleert und Dixi-Toiletten aus dem Hochwasserbett entfernt und Radwege gesperrt“, berichtete eine Sprecherin. Seither kontrollieren die Flussmeister permanent die Isarbrücken und Wehranlagen. Sie achten besonders auf sogenannte „Verklausungen“, also Treibgutansammlungen, die sich an den Rechen und Pfeilern stauen. 

Ganze Baumstämme wurden von der Flut angeschwemmt. „Dort, wo wir herankommen, werden sie je nach Situation herausgehoben oder so gedreht, dass sie weitertreiben“, so die Sprecherin. „Wichtig ist, dass der Fluss nicht aufgestaut wird.“ Das große Aufräumen wird erst folgen, wenn die Fluten wieder zurückgegangen sind.

Hilferuf von Weideninsel! Zwei Wanderer sitzen tagelang fest

Peter T. Schmidt und Lisa-Marie Birnbeck

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