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Das Hotel Monaco ist ihr Reich: Christine Sevdas begrüßt Gäste in der Schillerstraße.

Übernachten in der Häuserschlucht

Kampf gegen Airbnb: Münchner Hotel setzt auf ungewöhnliches Konzept

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Christine Sevdas kämpft mit ihrem Hotel Monaco gegen Airbnb und Co. – im Internet und mit individuellen Mitteln. Ein Besuch.

München - Die Schillerstraße im Münchner Bahnhofsviertel – außer dem Namen ist hier wenig poetisch: ein Sexshop, Tabledance-Bars, zwielichtige Gestalten in dunklen Straßenecken und Spielhallen. Die grellen Neonlichter der Reklamen lassen die Straße auch in den Abendstunden taghell erscheinen. Auch zehn Hotels und Pensionen liegen hier dicht an dicht. Über einem der zahlreichen Gold An- und Verkaufsläden prangt in 70er-Jahre-gelben Lettern „Hotel Monaco“. Doch welcher Tourist möchte in dieser wuseligen Häuserschlucht übernachten?

Von außen wirkt das „Hotel Monaco“ nicht sonderlich heimelig.

Die Touristen buchen sich heute lieber über Sharing-Portale wie Airbnb in verlockendere Räume ein – wie dieses schicke Schwabinger Penthouse: große Dachterrasse, Whirlpool und Blick auf den Englischen Garten. Der Kunde kann allein in München zwischen 9000 Inseraten wählen. Kann ein Hotel wie das „Monaco“ bei dieser digitalen Konkurrenz noch mithalten?

Der Weg ins Hotel führt durch einen kahlen, grauen Flur, der nicht gerade einladend wirkt. Niemand hier. Keine anderen Gäste und kein Portier. Der klapprige Aufzug hievt die Gäste in den fünften Stock. Die erwarten nun ein Hotel, das zum Rest passt: etwas altbacken, ungemütlich.

Sevdas´Welt: Jedes der 20 Zimmer ist liebevoll dekoriert

Doch kaum öffnen sich die Türen, steht man in einer völlig anderen Welt. In der Welt von Christine Sevdas, der Hotelchefin. Einer Welt aus Engeln, Spitzendeckchen und frischen Blumen auf dem Tisch. Jedes der 20 Zimmer ist liebevoll dekoriert. Sevdas, mit Herzchen-Kette und roter Lockenmähne, wirkt nicht wie eine strenge Hotel-Managerin, sondern eher wie eine herzliche Mama, die ihre Gäste selbst empfängt und versorgt.

Gleich beim Check-in gibt es Tee und ein Stück Schokoladenkuchen. Er ist noch warm und erfüllt den Eingangsbereich mit seinem Duft. Sevdas ist Hotel-Mutti mit Leib und Seele. „Das alles ist für mich nicht nur Beruf, das ist mein Leben“, sagt die 53-Jährige strahlend und reicht Tee in einer Blümchen-Tasse.

Freilich reichen Plüsch und Blümchen alleine nicht aus, um sich auf dem Markt zu behaupten, das ist Sevdas bewusst. Als sie das Hotel vor 21 Jahren übernahm, gab es noch keine Online-Buchungen. Die Reservierungen kamen per Post aus dem Tourismusamt. Heute ist das anders: Das Hotel Monaco ist auf Facebook, Instagram, Twitter, Booking und anderen Seiten zu finden. „Wir waren übrigens in München eines der ersten Hotels, die online vertreten waren“, sagt sie stolz und rückt ihre Lesebrille in den Haaren zurecht. Sie ist überzeugt: Die Hotels, die heute kämpfen, haben es verpasst, im Internet mitzumischen.

Die individuelle Note ist gewiss das Alleinstellungsmerkmal des Hotels.

Experte: „Viele Häuser sind noch hinterher“

Experten geben ihr da Recht: Wenn sich ein neuer Kunde an den Hotelberater Gustav Burckschat wendet, ist der Grund dafür oft die Digitalisierung. „Viele Häuser sind da noch hinterher“, erklärt der ehemalige Hoteldirektor, der seit 2014 Hoteliers berät. Als Verlierer der Branche sieht er ganz klar Hotels, die die Online-Arbeit vernachlässigen. „Gerade in kleinen Hotels wird da leider oft gekürzt.“ Doch wie soll man sich gegen Airbnb und andere Vermieter von Privatunterkünften durchsetzten, wenn man online schlicht nicht gefunden wird?

Christine Sevdas und ihre Mitarbeiter verbringen deshalb täglich viele Stunden vor dem PC. Sie posten Bilder, aktualisieren die Homepage und teilen Artikel auf Twitter. „In den letzten Jahren habe ich verdammt viel über SEO, Google Algorithmen und Social-Media gelernt“, sagt Sevdas und lehnt sich in ihrem Stuhl zurück. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch an der Rezeption. Statt Ordnern und Papierstapeln liegen hier ein Social-Media-Handbuch und ihr Laptop. Nach einem Schluck aus der Blümchentasse macht sie sich an den nächsten Facebook-Post.

Wird Airbnb überbewertet?

Frank Ulrich John, Geschäftsführer Kommunikation des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes meint dazu: „Wenn die Hotels online gut aufgestellt sind und ihre Alleinstellungsmerkmale, etwa ein Frühstücksbuffet oder einen Wellness-Bereich, herausstellen, dann ist auch Airbnb keine große Konkurrenz.“ Im Durchschnitt seien Hotels in München sogar 10 Euro günstiger.

Airbnb: Wann darf ich meine Wohnung vermieten?

Wie John ist auch Burckschat überzeugt: Das Schreckgespenst Airbnb wird überbewertet. Laut Zahlen des World Travel Monitors buchen sich in Europa nur drei Prozent der Touristen in Sharing-Unterkünfte ein. Und doch haben diese definitiv einen Wandel in der Hotelbranche eingeleitet. „Ich denke, viele Hoteliers versuchen heute, ihre Häuser individueller und persönlicher einzurichten, dem ganzen einen privaten Touch zu geben“, sagt John.

Im Hotel Monaco ist das schon immer so gewesen. Beim Auschecken gibt es für die Gäste aus Amerika noch ein Stück Kuchen und ein Selfie mit der Hotel-Mama. Sie bedanken sich überschwänglich: „So eine familiäre Atmosphäre. Ein wohliges Zuhause für diese Woche“, sagt der Papa bei der Umarmung. „Diese Familie kommt wieder“, ist sich Sevdas sicher. Eine Pause für die Chefin gibt es jetzt aber nicht: Sie muss gleich frische Blümchentassen für die Neuen vorbereiten. Es kommen wieder Gäste, die bei ihr, und nicht bei Airbnb gebucht haben.

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