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Rosemarie Meier ärgert sich, dass Wohnungen illegal vermietet werden. Im Hausmüll finden sich Urin-Beutel der Medizin-Touristen.

Folgen des Medizin-Tourismus

Urin-Beutel im Hausmüll: Hier zu wohnen ist widerlich

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München - Urin-Beutel und Schläuche im Hausmüll, Party bis 4 Uhr am Morgen: In einer Wohnanlage nahe der Theresienwiese leiden Anwohner unter Medizin-Touristen.

Rosemarie Meier (Name geändert) ist mit den Nerven am Ende. Eigentlich wohnt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einer wunderschönen Wohnanlage in einem Innenhof nahe der Theresienwiese. Wären da nicht die Gäste aus Nahost, die in München in Kliniken behandelt werden. Diese Familien bewohnen neun der 140 Wohnungen in der Anlage. Sie sind keine Mieter, es sind Medizintouristen. Die Wohnungen werden zweckentfremdet.

Rosemarie Meier ärgert das. Denn benehmen können sich diese Nachbarn offenbar nicht: Lärm, Gestank, Müll! Nicht zum ersten Mal fand Meier jetzt einen Berg voller Urin-gefüllter Katheterbeutel mitsamt den dazugehörigen Schläuchen in der Altpapiertonne. „Die lagen auch schon in der Biotonne.“ Ein Arbeiter der Müllabfuhr habe sich verletzt, als er vom Lkw sprang, weil einer dieser Beutel beim Pressen des Mülls platze und der Urin wegspritzte. „Danach hatten wir mächtigen Ärger mit der Müllabfuhr“, sagt Meier. Der Betrieb drohte mit Bußgeldern und dem Einstellen der Tonnenleerung. Meier: „Wir wandten uns auch an das Gesundheitsamt, doch die verwiesen uns wieder an die Müllabfuhr.“

Doch auch ansonsten gibt es ständig Ärger. „Diese Menschen haben nun mal die Angewohnheit, sich sehr spät laut zu unterhalten und zu feiern. Das geht oft bis um 4 Uhr früh.“ Die Polizei wurde immer wieder gerufen. Außerdem würde oft Weihrauch verbrannt. „Das riecht dann im ganzen Haus danach. Das belästigt uns.“ Auch die Küchengerüche seien unangenehm. „Wir sind nun mal Kreuzkümmel oder Kichererbsen nicht gewöhnt.“

Beschwerden an den Betreiber der Wohnungen, eine arabische Familie, verliefen im Sand. Meier: „Ich finde, man sollte die arabischen Patienten in Hotels oder Apartmenthäusern unterbringen und nicht mitten in einer Wohnanlage.“

„Es wird mit diesen Wohnungen sehr viel Geld umgesetzt“

Marian Offman, CSU-Stadtrat und Wohn- sowie Sozialexperte, erklärt: „Es wird mit diesen Wohnungen sehr viel Geld umgesetzt. Die Gäste zahlen für eine Nacht 100 Euro pro Kopf und denken natürlich, dass das alles ,all inclusive‘ ist.“ Die drohenden Bußgelder, wenn Wohnungen an Touristen vermietet werden, sind für Betreiber der Medizin-Tourismus-Herbergen keine Abschreckung. Das weiß auch die Politik. Nun will die Landtags-CSU reagieren, unter anderem soll es künftig möglich sein, bis zu 500.000 Euro Bußgeld zu verhängen. Derzeit sind es 50.000 Euro.

In einem Zivilprozess haben die Anwohner im Januar dieses Jahres immerhin schon erreicht, dass die Ruhestörungen und Geruchsbelästigungen eingestellt werden müssen. Im Falle eines Verstoßes wurden damals 250.000 Euro Ordnungsgeld festgelegt. Im Januar 2017 kommt es zu einem neuen Gerichtsverfahren. Rosemarie Meier: „Dann werden wir dieses Ordnungsgeld einklagen.“

tz-Stichwort

Juristen sprechen von einer Zweckentfremdung, wenn Wohnraum beruflich oder gewerblich genutzt wird – etwa als Ferienwohnung für Touristen. Jeder Münchner kann natürlich seine Bude untervermieten. Jedoch ist die Frequenz entscheidend: Wenn alle paar Wochen neue „Mieter“ einziehen, liegt der Verdacht nahe, dass es sich etwa um Medizin-Touristen handelt. Das nachzuweisen, ist für die Stadt sehr schwer. Zweckentfremdung liegt übrigens auch vor, wenn eine Wohnung grundlos länger als drei Monate leersteht.

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