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Am Kapuzinerplatz kam es zu den Schüssen. Das Archiv-Foto vom 19. Mai zeigt Polizisten, die den Tatort sichern.

"Komplex und vielschichtig"

Schüsse am Arbeitsamt: Das ist der Stand der Ermittlungen

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München - Vor sieben Wochen schoss die Polizei am Kapuzinerplatz auf einen verwirrten Mann. Er war mit der Schere auf einen Polizisten losgegangen. Die Ermittlungen zu dem Einsatz dauern an.  

Sieben Wochen nachdem Polizisten in der Isarvorstadt einen Mann angeschossen haben, ist nach Angaben von Landeskriminalamt (LKA) und Staatsanwaltschaft der „Prüfvorgang“ zu dem Vorfall immer noch nicht abgeschlossen. „Wir können auch keine Einzelergebnisse mitteilen, bevor nicht alles ganz sauber ausermittelt ist“, sagte ein LKA-Sprecher auf Nachfrage des Münchner Merkur. Die Fragen, ob die Polizisten sich korrekt verhalten und wie viele Schüsse den 26-jährigen Italiener getroffen haben, bleiben damit weiterhin unbeantwortet.

„Die Ermittlungen sind komplex und vielschichtig“, erklärte der Sprecher des Landeskriminalamts. Die Staatsanwaltschaft hat das Sachgebiet „Interne Ermittlungen Südbayern“ mit der Durchführung der Prüfungen beauftragt. Das LKA erstellt nicht nur ein ballistisches Gutachten, sondern vernimmt unter anderem Zeugen und wertet Bild- und Videomaterial aus. Dies geschieht routinemäßig immer dann, wenn es bei einem Einsatz zu einem polizeilichen Schusswaffengebrauch kommt. „Wir ermitteln wirklich mit Hochdruck und mit mehreren Mitarbeitern wegen dieser Schussabgaben“, betonte der Sprecher des LKA.

Wie berichtet, hatte am 19. Mai ein verwirrt wirkender 26-Jähriger zunächst mit einer Schere einen Passanten bedroht und anschließend am Kapuzinerplatz nahe des Arbeitsamtes Polizisten angegriffen. Durch Pfefferspray und einen Warnschuss ließ sich der Italiener nicht stoppen. Drei Beamte gaben schließlich zehn Schüsse auf den Mann ab. „Drei bis fünf Mal“ wurde der Lackierer nach ersten Angaben der Polizei in Beine und Bauch getroffen. Der 26-Jährige musste notoperiert werden. Mittlerweile sitzt der Italiener, der zuletzt in einer betreuten Wohngemeinschaft im Westend lebte, in der Psychiatrie. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Angriffe des 26-Jährigen auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen ist.

Isarvorstadt: Polizei schießt auf Scheren-Mann

Der Italiener soll bereits seit einem knappen halben Jahr zur Szene der in München aktiven Salafisten gehört haben. Dabei soll es sich um eine fundamentalistische Gruppe von Muslimen handeln, die eine radikale Auslegung des Islam propagieren und angeworbene Anhänger auch bereits als Kämpfer nach Syrien geschickt haben sollen. Die Gruppierung steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. In einem im Februar veröffentlichten Youtube-Video ist der 26-Jährige in München geborene Italiener zu sehen, wie er mit anderen Menschen Korane an der Theatinerstraße verteilt. Das Video wurde vom salafistischen Netzwerk „Die wahre Religion“ des Predigers Ibrahim Abou Nagie veröffentlicht. Diese Koran-Verteilungen werden von der sogenannten „Lies!“-Bewegung organisiert. Sie dienen dem Anwerben neuer Mitglieder.

Die Tat hatte jedoch nach bisherigen Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft wohl keine religiösen Hintergründe.

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