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Die Reichenbachstrasse soll Fußgängerzone werden.

Skandinavische Innovation

München wie Stockholm: Kommen temporäre Sommer-Fußgängerzonen?

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Flanieren statt fahren? Nach Stockholmer Vorbild könnten in München während der Sommermonate temporäre Fußgängerzonen eingeführt werden.

München - Freiraum oder Albtraum? Mancher Anwohner, der an der Feiermeile nahe der Müllerstraße wohnt, wurde jüngst von einem Antrag der FDP-Stadtratsfraktion aufgeschreckt. An der Thalkirchner Straße zwischen Müller- und Fliegenstraße und in der Reichenbachstraße wollen die Liberalen Fußgängerzonen ausprobieren, zumindest temporär in den Sommermonaten. Die Rathaus-Regierung aus SPD und CSU hat eine Überprüfung derartiger Ideen nach Stockholmer Vorbild sogar für die ganze Stadt angeregt.

„Wir werden von Kneipen bedrängt“

Der FDP-Vorschlag würde genau am Wurmfortsatz der Feierbanane Sonnenstraße-Müllerstraße verlaufen. Autos sollten verbannt und so die Aufenthaltsqualität auf einigen Metern verbessert werden. Nur für wen, fragt sich das Ehepaar Raab, das seit 20 Jahren an der Thalkirchner Straße wohnt. „Wir werden von Kneipen bedrängt und verdrängt“, schilderte Siegfried Raab im zuständigen Bezirksausschuss (BA) Ludwigs- und Isarvorstadt. „Eine Fußgängerzone bedeutet zusätzliche Feierflächen und Partyvolk. Also noch mehr Lärm, Müll, Streitereien und Dauerärger.“

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Zum Planungshorizont konnte der BA den Anwohner erst einmal beruhigen. „Das kommt sicher nicht im nächsten Jahr. Es gibt bisher noch keine Beschlussvorlage für den Stadtrat“, erklärte der Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Tatsächlich sei hier nachts oft kein Durchkommen auf den Gehwegen und die Kneipendichte ein Problem. Bickelbacher räumte ein, dass eine Fußgängerzone die Situation in diesem Bereich eher verschlimmern würde.

Radfahren weiter erlaubt

Ganz anders sieht das Thema die Initiative Fußgängerboulevard Reichenbachstraße. Constantin Bös und seine Mitstreiter haben bisher schon 600 Unterschriften für eine autofreie Achse vom Viktualienmarkt über den Gärtnerplatz bis zur Isar gesammelt (gaertnerplatz-fussgaengerzone.com). Zunächst soll das Konzept an Sommerwochenenden ausprobiert und dann stufenweise erweitert werden. Autos würden häufig mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straße fahren, so Bös. „Wir wünschen uns statt Straßenbegleitblech mehr Straßengrün und eine Begegnungszone.“ Radfahren soll aber weiter erlaubt sein.

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Dem BA geht dieser Vorschlag aber zu weit. Eine Fahrradstraße, die Bös als praxisuntauglich ablehnt, könnte hier ein besserer Weg sein. „Wir begrüßen Anwohnerinitiativen. Aber am Gärtnerplatz können wir nichts übers Knie brechen“, erklärte der BA-Vorsitzende Alexander Miklósy (Rosa Liste). Der Weg nach Stockholm ist weit.

Flanieren und Kaffee trinken wie in Stockholm

Vorbild soll Stockholm sein. Die schwedische Hauptstadt hat 2016 das Konzept „Living Stockholm“ eingeführt. Vom 15. Mai bis zum 15. September werden dort auf Teilbereichen zentrumsnaher Straßen beschränkte Fußgängerzonen eingerichtet. Dort können Restaurants, Bars und Cafés dann nicht nur die Bürgersteige, sondern den gesamten Straßenbereich bestuhlen. Ein ähnliches Konzept könnte sich die Rathaus-Regierung aus SPD und CSU in München vorstellen. Bezirksausschuss, Anwohner und Gewerbetreibende sollen bei der Auswahl der Fußgängerzonen eingebunden werden.Die Idee könnte zum Beispiel auf Nebenstraßen ohne Bus- und Tramlinien verwirklicht werden. Die Stadtverwaltung soll nun prüfen, welche Standorte im Stadtgebiet für temporäre Fußgängerzonen infrage kämen.

SPD-Stadtrat Christian Vorländer würden zum Beispiel die Westenriederstraße am Viktualienmarkt, der Wedekindplatz oder Teilabschnitte der Türkenstraße in Schwabing oder auch die Schwanthalerhöhe einfallen. Eine Umsetzung solle aber nur in Absprache mit den zuständigen Bezirksausschüssen erfolgen. Prinzipiell hält Vorländer das Stockholmer Konzept aber für eine „sehr charmante Idee“.

Doch skandinavische Innovation in München ist schwer. Vor einigen Wochen wurde vom Bezirksausschuss Maxvorstadt ein Antrag der Grünen abgelehnt, die Türkenstraße zwischen Schelling- und Adalbertstraße sowie die Augustenstraße zwischen Theresien- und Gabelsbergerstraße zu „Sommerstraßen“ zu erklären. Mehr Lärm, weniger Parkplätze, Probleme für Gewerbetreibende, Verkehrsverdichtung an anderen Stellen und kein Schlafen bei offenem Fenster – so lauteten die Gegenargumente. Grünen-Politiker hielten dagegen, Verkehrsbegrenzung in Vierteln wie der Maxvorstadt gehörten zu einem modernen Stadtkonzept. Mit sommerlichen Fußgängerzonen würde auch die Lebensqualität in der Innenstadt steigen.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der

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Bettina Ulrichs

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