Wirt Josef Bachmaier vor seinem Gasthaus auf dem rot markierten Radweg in der Frauenhoferstraße in München.
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Auf dem „heiligen Radweg“, wie er ihn sarkastisch nennt, steht Wirt Josef Bachmaier vor seinem Gasthaus.

Nicht nur Tische auf Parkplätzen

Radlweg als Freischankfläche! Wirt von Münchner Kult-Gaststätte fordert „gleiches Recht für alle“

  • Klaus Vick
    vonKlaus Vick
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Die Corona-Krise hat die Wirte in München sauber erwischt. Jetzt gibt es Freischankflächen und Tische auf Parkplätzen. Doch wenn vor der Tür nur ein Radlweg ist? Ein Münchner Wirt geht jetzt auf die Barrikaden.

  • In München stellen viele Restaurants und Gaststätten Tische auf Parkplätze.
  • Auch Wirte in der Fraunhoferstraße im Münchner Gärtnerplatzviertel hätte gerne Sitzpätze im Freien, aber dort gibt es ein Problem, nämlich keine Parkplätze, sondern nur einen Radlweg.
  • Jetzt möchte ein Wirt gegen den „heiligen Radweg“ vorgehen.

München - Der Begriff „Schanigarten“ kommt eigentlich aus dem Wienerischen – mittlerweile ist er aber auch in den Münchner Alltag eingezogen. Gemeint sind kleine Gastgärten in Parkbuchten vor Restaurants oder Cafés, die wie die Schwammerl aus dem Boden schießen. Als neue Einnahmequelle sollen sie den von der Corona-Krise gebeutelten Wirten aus der Patsche helfen. Vor allem in den Seitenstraßen des Glockenbach- und Gärtnerplatzviertels reiht sich eine Freiluftoase an die andere. Im ganzen Glockenbachviertel? Nein, eine Straße bleibt außen vor: die Fraunhoferstraße.

 „Wir sind wieder die Gelackmeierten“ - Wirt Josef Bachmaier

Das soll sich ändern. Josef „Beppi“ Bachmaier, Chef des Wirtshauses Fraunhofer, fordert nun: „gleiches Recht für alle!“ Das Problem: An der Fraunhoferstraße gibt es keine Parkplätze mehr, die umgewandelt werden könnten. Die Stadt hat diese nämlich vor einem Jahr für einen Radschnellweg geopfert. Bachmaier: „Wir sind wieder die Gelackmeierten.“ Der Gastronom will für sein Lokal auch einen „Schanigarten“ beantragen: „Das wäre bei mir eine ordentliche Strecke von 30 bis 40 Plätzen.“ Die Radfahrer müssten dann drumherum kurven. Laut Bachmaier wollen mehrere an der Fraunhoferstraße beheimatete Wirtsleute seinem Beispiel folgen. Er fragt: „Was wäre, wenn wir gemeinsam auf das Prinzip ,gleiches Recht für alle‘ pochen?“ – wenn also auch hier Schanigärten aus dem Boden sprießen. „Also von Goldene Rakete, Kleiner Chinese, Soul Kitchen, Bravo Bar, Pasta e Basta, Pescharia und Yuyumi bis Wirtshaus Fraunhofer, L’Assaggino und Sen“, so Bachmaier.

Tische und Sitzplätze statt Radlweg

Politische Unterstützung hat der Gastwirt schon bekommen. Die CSU-Stadtratsfraktion fordert in einem Antrag, im Sinne der Gleichbehandlung auch hier Freischankflächen zu ermöglichen. Auf den beidseitigen Radweg solle verzichtet werden. Die CSU hatte ohnehin schon im Stadtrat heftigen Widerstand gegen die Umwandlung der Parkplätze in einen Radlweg geleistet. Bachmaier kritisiert, dass aktuell nicht einmal Lieferfahrzeuge zum Be- und Entladen stehen bleiben dürften. „Ansonsten riskieren sie eine satte Strafe.“ Wie in der Fußgängerzone sollte der Lieferverkehr zu festen Zeiten legalisiert werden, schlägt der Wirt vor.

Das Wirtshaus Fraunhofer öffnet am 1. August wieder, das Theater bleibt aber noch geschlossen.

Bachmaier sperrt sein Lokal im Übrigen erst am 1. August wieder auf, das Theater bleibt weiter geschlossen. Er habe 160 Plätze drin, aber nur wenige draußen. „Für mich wird das sowieso ein Verlustgeschäft. Wer setzt sich bei schönem Wetter rein?“

Der Radl-Streifen an der Fraunhoferstraße sorgt für Dauer-Zoff. Die Verkehrssituation hat sich für einige Münchner, laut tz.de* nämlich nicht verbessert, sondern sorgt für Stress pur. Vor kurzem echauffierte sich ein Fußgänger an der Fraunhoferstraße in München über einen Mountainbiker. Der Vorfall nahm ein böses Ende. Nun ermittelt die Polizei. 

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