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Der geschwungene Schriftzug über dem Eingang prägte acht Jahre lang die Ecke Müller- und Pestalozzistraße. Jetzt schließt das „Glockenbach“, in dem die Münchner den ganzen Tag über eine gastronomische Anlaufstelle hatten.

Schweren Herzens

Nach acht Jahren: Kult-Laden im Glockenbach-Viertel schließt für immer

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Das „Glockenbach“ an der Müllerstraße sagt nach acht Jahren servus – aber nicht leise. Das Team will sich Mitte November mit einem rauschenden Fest verabschieden. Die Gründe für das Aus sind privater Natur. Einen neuen Pächter gibt es schon.

Valentina Schunk (42) wird schwer ums Herz, wenn sie an den ersten Spaziergang durch die Müllerstraße nach dem 10. November denkt. An der Ecke zur Pestalozzistraße wird die Münchnerin dann ein leeres Lokal vorfinden. Das „Glockenbach“ wird zu diesem Zeitpunkt Geschichte sein – das Café-Restaurant, in das sie acht Jahre lang all ihre Energie gesteckt hat, „ihr Baby“, wie sie es nennt.

Doch es war ihre eigene Entscheidung, den Laden zu schließen. Anfang des Jahres suchte die Wirtin das Gespräch mit ihren Geschäftspartnern. „Ich war ausgelaugt und mir ging die Kraft aus“, sagt die Mutter eines Schulkindes. „Ich muss einfach mal wieder durchatmen.“ Die Leitung des Restaurants in fremde Hände zu geben, kam für Schunk nicht infrage. Also entschied sie sich für den harten Schnitt. Arbeitslos wird die Münchnerin danach noch lange nicht sein: Sie ist Teilhaberin in den Schwabinger Restaurants „Trumpf oder Kritisch“ und „Hutong Club“.

Das „Glockenbach“ eröffnete Schunk 2009 im damals frisch fertiggestellten Neubau. Der im Stil der 50er-Jahre gehaltene Schriftzug über dem Eingang des orangefarbenen Eckgebäudes prägt fortan das Erscheinungsbild der Straße. Auch innen lebt das Design der Nachkriegsära wieder auf. Nierenförmige Tische und verspielte Stoffe empfangen den Gast im Erdgeschoss, eine breite Holztreppe mit filigranem weißem Geländer führt zur Galerie im ersten Stock.

Bald stehen vermutlich einige Veränderungen an, denn es gibt bereits einen Nachfolger, der wohl ab Januar mit einem neuen Konzept an den Start gehen will. Schunk wurde zu Stillschweigen verpflichtet, doch sie sagt: „Es ist etwas Gutes, so viel kann ich verraten.“

Bevor es so weit ist, steht am Freitag, 10. November, erst mal noch eine große Abschiedsfeier an. Um 18 Uhr geht es los, ein DJ legt auf, es gibt Snacks für Freunde des Hauses. „Wir wollen uns mit Pauken und Trompeten verabschieden“, sagt Valentina Schunk. Der letzte Cocktail im „Glockenbach“ rückt immer näher.

Auch das Café Kuger an der Ludwigstraße musste sich schweren Herzens von den Gästen verabschieden - die Eigentümer gaben aus wirtschaftlichen Gründen auf.

Die wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Isarvorstadt – mein Viertel“.

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