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Nach der Paris-Linie (Foto) wird im Dezember die nächste Traditions-Verbindung abgeschafft: der Nachtzug von München nach Berlin.

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Nachtzug von München nach Berlin wird eingestellt

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München - Nach der Paris-Linie wird im Dezember die nächste Traditions-Verbindung abgeschafft: der Nachtzug von München nach Berlin.

18.07 Uhr Istanbul, 18.24 Uhr Warschau, 19.29 Uhr Athen, 19.31 Uhr Kopenhagen: Keine 25 Jahre ist es her, da fuhren am Münchner Hauptbahnhof den ganzen Abend Züge ab, die über Nacht Ziele überall in Europa ansteuerten. Noch Anfang der 90er-Jahre war der Nachtzug für Geschäftsleute und Touristen ein attraktives Verkehrsmittel. Es war die Zeit vor den Billigfliegern und – so sehen es Kritiker – eine Zeit, in der die Bahn noch ein Interesse an den Nachtzügen zeigte.

Seit Jahren ist die Sparte auf dem absteigenden Ast. Allein von 2009 bis 2013 sank die Zahl der Fahrgäste pro Jahr von 1,9 auf 1,4 Millionen – dieses Niveau konnte 2014 immerhin gehalten werden. Doch immer mehr Linien werden abgeschafft. Im Dezember musste die Traditions-Verbindung von München nach Paris dran glauben. Und jetzt bestätigt die Bahn auf Nachfrage, dass im Dezember auch die Linie nach Berlin eingestellt wird. Bislang waren die Züge um 22.15 Uhr in München losgefahren. Ankunft am Berliner Hauptbahnhof: 8 Uhr. Normalpreis im Sitzwagen: 152 Euro, im luxuriösesten Schlafwagen-Einzelabteil: 344 Euro für die einfache Fahrt. Teilweise gab es deutlich günstigere Sparpreise. Gelohnt hat sich die Verbindung nach Berlin für die Bahn aber nicht mehr.

Den Münchner Grünen-Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek wundert das nicht. Er hat die Linie häufig genutzt – früher. „Zwei Wochen im Jahr habe ich im Nachtzug verbracht“, sagt er. „Die Idee, schlafend ans Ziel zu kommen, ist ja sehr attraktiv.“ Aber die Bahn habe die Reiseabteile im Schlafwagen verkleinert, schimpft Janecek. Vor allem aber seien die Abfahrtszeiten nicht mehr attraktiv. Der Zug fahre in München einfach zu früh ab. „Wenn abends ein Termin länger als bis 21.30 Uhr geht, erwischt man den Zug ja gar nicht mehr.“ Mit dem Berlin-Nachtzug konnte man traditionell auch sein Auto mitnehmen – vom Münchner Ostbahnhof bis Berlin-Wannsee Diese Möglichkeit fällt jetzt auch weg. Allerdings hatte die Bahn die Autos zuletzt ohnehin mit Lastwagen nach Berlin gefahren – im Idealfall waren sie schon dort, wenn die Fahrgäste morgens aus dem Zug stiegen. 2014 hatte es noch geheißen, der Pilotversuch laufe gut. Jetzt sagt eine Bahn-Sprecherin: „Leider hat sich die Nachfrage nicht so entwickelt, dass das Angebot wirtschaftlich darstellbar ist.“ Es soll noch früher eingestellt werden als der Nachtzug – schon nach der Sommersaison ist Schluss mit dem Autotransport nach Berlin.

Bleibt die letzte klassische Münchner Autozug-Verbindung: der Nachtzug nach Hamburg (Abfahrt Ostbahnhof: 21.46 Uhr, Ankunft Hamburg-Altona: 8.11 Uhr). Ab 2017 wird dieser Nachtzug – sollte es ihn dann noch geben – auch keine Wagen mit Autos mehr führen. Dann will die Bahn ein neues Konzept für die Reisen über Nacht haben. Und die Autozüge – es gibt auch noch einen aus dem badischen Lörrach nach Hamburg – ganz abschaffen. Das Ende dieser Idee aber muss das nicht sein. Der private Betreiber Euro-Express-Sonderzüge aus Münster schickt seit Anfang Juli Nachtzüge von Düsseldorf nach Verona – und das nach eigenen Angaben mit großem Erfolg. „Wir sind voll ausgelastet“, betont Geschäftsführer Stefan David im Gespräch mit unserer Zeitung. Demnächst will er die Routen für die Sommersaison 2016 veröffentlichen. Und das Unternehmen überlegt offenbar auch konkret, in München einzusteigen. Offiziell bestätigen will David das zwar nicht. „Das Münchner Einzugsgebiet ist groß“, schwärmt er aber. „Und wir prüfen alle Standorte, an denen es Terminals gibt.“ Wie am Ostbahnhof.

Grünen-Politiker Janecek hofft, dass private Anbieter auch eine Renaissance des klassischen Nachtzugs einleiten könnten. „Wenn es attraktive Preise und Zeiten gibt, dann wird das auch angenommen“, sagt er. Vorerst aber bleibt den Münchner Nachtzug-Freunden nur das Angebot der Bahn. Ab Dezember fahren noch Nachtzüge nach Hamburg, Amsterdam, Venedig, Rom und Mailand. Zumindest vorerst.

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