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Wie aus dem Werbeprospekt: Zur Eröffnung machte die neue „innovative Wartewelt“ einen edlen Eindruck. 

Nach nur sechs Monaten

Neue Lounge am Hauptbahnhof: Vom Juwel zur Schmuddelecke

München - Die neue DB-Lounge am Hauptbahnhof ist nach fünf Monaten bereits heruntergekommen. 

An der Wand ein grüner Teppich aus echtem Moos, eine Kinderspielecke mit Büchern und einem ICE aus Holz, dazwischen eine Theke, wo lächelnde Menschen frischen Kaffee und Brezn verkaufen. Im August präsentierte die Bahn mit großem Tamtam ihre neue Lounge in der Schalterhalle des Hauptbahnhofs. Die so genannte „innovative Wartewelt“ sei einzigartig in Deutschland, schwärmten die Bahn-Manager. Fünf Monate später ist vom modernen Ambiente der Lounge wenig übrig.

Ein halbes Jahr später wurde der Verkauf von Speisen und Getränken eingestellt.

Den Verkauf von Snacks und Getränken hat die Bahn eingestellt, Kindertisch und Holzzug wurden weggeräumt. Statt Geschäftsleuten und Familien fläzen in den Sofas vor allem abends Gestalten, die man eher der Steherszene unter dem Schwammerl zuordnen würde. Die schmucke Wartewelt hat sich zur Schmuddelecke verwandelt. Die Bahn sieht dies freilich ganz anders. Es sei von vornherein geplant gewesen, den Essens- und Getränkeverkauf einzustellen. Warum dann extra eine teure Theke angefertigt wurde? Zu Kosten gebe man keine Auskunft, so eine Bahn-Sprecherin. Auch die Kinderecke habe man nur temporär aufgestellt. Im Kinderbereich steht jetzt eine speckige Couch neben einem Klavier – Musikecke nennt dies das Bahn-Marketing. „Das Klavier ist noch in Ordnung, es gab keinen Vandalismus“, so die Erfolgsbilanz der Bahn.

Die Wartelounge am Hauptbahnhof ist ein Pilotprojekt. Bewährt es sich, soll es in 21 Bahnhofswartebereichen bundesweit umgesetzt werden. Die Bahn führte in den vergangenen Monaten Befragungen der Gäste durch, zudem steht am Eingang ein Automat, an dem man per Knopfdruck seine Meinung hinterlassen kann. Eine erste Auswertung ergab, dass die Kunden dem neuen Wartebereich die Schulnote zwei geben. Besonders gut kommen die Mooswand und die Steckdosen an. Das Pilotprojekt endet im März. Die Bahn will die Lounge weiter betreiben. Des großen Erfolges wegen.

ul

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