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Jerker Kluge in seinem neuen Club, dem Jazzkombinat.

Live-Musik im Schlachthofviertel

Ein neuer Jazz-Club für München: Im Keller spielt jetzt die Musik

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Reich gesegnet ist die Stadt nicht gerade mit Jazzclubs – findet auch der Kontrabassist Jerker Kluge (43). Er wird am 5. Oktober in der Tumblingerstraße 36 im Schlachthofviertel – im wunderschönen Keller des Restaurants Chois – Abhilfe schaffen. Dann eröffnet er sein „Jazzkombinat“.

München - „Das war einfach Zufall“, sagt der Musiker lachend. „Ich sah aus dem Büro und bekam mit, dass drüben ein neues Restaurant aufmacht. Also bin ich über die Straße und habe einfach gefragt, ob ich den Keller für einen Jazzclub haben könne. Und: Es hat ohne Probleme geklappt.“

Sein Büro auf der anderen Straßenseite ist sein Hauptjob: Kluge betreibt die „Music Academy“, wo er knapp 400 Schüler hat. Der neue Jazzkeller ist allerdings weit mehr als Hobby – und Kluge würde sich wahnsinnig freuen, wenn die Münchner das wunderschöne Ziegelgewölbe nahe der Agentur für Arbeit annehmen. „Erst einmal habe ich es für vier Monate gemietet, und wenn es läuft, dann ist nach oben keine Grenze gesetzt.“

Enge Grenzen gibt es zum Glück beim Eintrittspreis: zehn Euro. Wer übrigens im chinesischen Feuertopf-Restaurant Chois – das auch erst seit ein paar Monaten geöffnet hat – schlemmt, der zahlt fürs anschließende Konzert im Keller nur die Hälfte des Konzertpreises.

Im Keller des Restaurant Chois an der Tumblinger Straße befindet sich der Jazzclub. 

Und wie finanziert Kluge das Projekt und seine Wohnung in Sendling? Immerhin hat er Frau und zwei Kinder (7 und 9). Die Rechnung geht so, erklärt er: „Das Geld für die Getränke, die während der Konzerte verkauft werden, gehen ans Restaurant. Dafür zahle ich keine Miete. Und die Künstler werden am Eintrittspreis beteiligt.“

Reich wird der Jazzer also nicht mit dem Projekt. Aber das ist auch nicht der Sinn: „Ich will einfach jungen Jazzmusikern aus der Stadt, von denen es wahnsinnig viele und gute gibt, ein Forum geben. Ohne sie auszubeuten“, fügt er lachend hinzu. Im großen Bruder Unterfahrt schauen sich die Interessenten das Programmheft durch und suchen gezielt ihre Stars raus. „Bei uns gibt es natürlich auch ein Programm, aber ich will einen Laden, wo man hingeht, zehn Euro zahlt und weiß: Hier gibt es einfach gute Live-Musik, egal, wer gerade spielt.“ Die Atmosphäre ist wunderbar, der verwinkelte Raum ist gemütlich, und die Akustik „ist toll – trocken und klar“, formuliert’s der frischgebackene Jazzclub-Besitzer. Aus Prinzip und historischer Verantwortung will er so wenig wie möglich verstärken. „Meine Musik ist vor allem der Jazz der 50er- und 60er-Jahre, und das wird auch die Tendenz der Konzerte sein. Klassischer Jazz. Auch mal was anderes, aber ein Freejazz-Schuppen werden wir sicher nicht.“

Gespielt wird erst einmal donnerstags bis sonntags – aber auch das ist ausbaufähig, falls der Keller vom Publikum angenommen wird. Beginn ist immer um 21 Uhr, eine halbe Stunde vorher ist Einlass. „Ein Konzert wird so bis halb zwölf dauern, aber es kann auch länger gehen“, kündigt der Mann mit dem etwas eigenwilligen Vornamen an. Der sei schwedisch, klärt uns der Künstler auf, und stamme aus Astrid Lindgrens Kinderbuch „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“. Der kleine Bruder der Titelheldin heißt Jerker.

Das ist das einzig Kleine an dem Zwei-Meter-Mann mit den großen Ideen. Dass er mit seinem Sextett „Mingus in Wonderland“ jeden zweiten Donnerstag selbst spielt, ist selbstverständlich. Charles Mingus ist für ihn ohnehin ein Hausgott, „der so unglaublich vielseitig war“.

Entspannt, betont Kluge immer wieder, soll es zugehen in den Konzerten. „Man kann auch während eines Gigs hinten an der Bar Getränke holen, kein Problem.“ Umso weniger, als ja jedes Helle für eine helle Miene sorgt. Bei Jerker Kluge und seinen Vermietern aus dem Land des Lächelns im Erdgeschoss.

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