Sebastian (l.) und Hubert sahen die Schüsse.

Augenzeugen berichten

Polizei erschießt Kuh: "Das war echt krass"

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München - Die Polizei hat am Dienstag an der Festwiese nahe der Bavaria eine wild gewordene Kuh erschossen. Das Tier war am Schlachthof ausgebüxt und ging auf Menschen los. Augenzeugen erzählen von der unglaublichen Situation.

„Ich hatte echt Schiss“. Hubert K. schüttelt immer noch fassungslos den Kopf, wenn er an das denkt, was er am Dienstag früh morgens erlebt hat. „Es hat nur noch geknallt, mindestens 15 Schüsse“, erzählt der 48-Jährige. Er war gerade auf dem Weg zum Schützenfestzelt, das der Arbeiter aus dem Landkreis Landsberg am Lech zurzeit auf der Theresienwiese mit aufbaut. „Ich habe gesehen, wie Polizisten aus dem Auto heraus schießen!“ Erst dann sieht Hubert K. eine Kuh vor dem Zelt liegen. Sie ist tot. Erschossen von Polizisten, die sich gezwungen sahen, das flüchtende Tier zu erlegen.

Vom Schlachthof zur Wiesn: Die Grafik zeigt den Fluchtweg der Kuh. Zum Vergrößern hier klicken.

Die Flucht der Kuh begann am Dienstag gegen 6.50 Uhr. Ein 49-Jähriger hatte Kühe im Münchner Schlachthof angeliefert. Beim Abladen vergaß der Fahrer, ein Vorgatter zu schließen. Der Kuh gelang es, aus dem Gatter durch den Haupteingang auf die Zenettistraße zu fliehen. Von dort lief das Rind in Panik zum Kapuzinerplatz, zurück über die Tumblingerstraße in die Ruppertstraße, wo sich die Kuh in einem abgegrenzten Areal der Darul Quran-Moschee wiederfand. „Dort war sie dann eingekesselt und sprang über eine Mauer“, sagte eine Polizeisprecherin.

Weiter lief das Tier über die Poccistraße auf den Bavariaring. Als die Kuh den Ring einmal umrundet hatte, traf sie auf eine Gruppe Jogger, die auf dem Gehweg entlangliefen. Vermutlich um sich freie Bahn zu verschaffen, raste das wildgewordene Tier mit den Hörnern voran auf eine 28-Jährige zu und spießte sie von hinten auf. Die Frau stürzte schwer verletzt auf den Boden. Als sie auf dem Boden lag, trampelte das 550 Kilogramm schwere Tier noch auf der Joggerin herum. Sie liegt derzeit mit offenen Wunden am Rücken, Prellungen, Abschürfungen und einem riesigen Schock in einer Münchner Klinik.

In Panik versuchte die Kuh kurze Zeit später, noch einen Fußgänger anzugreifen. Eine Streife stellte sich mit ihrem Wagen dem Tier in den Weg. Die Kuh rannte in das Fahrzeug, ließ sich aber auch davon nicht stoppen. Zwei Mal umrundete die Kuh das Wiesngelände. „Da das aggressive Tier nicht beruhigt werden konnte und die Gefahr bestand, dass es weitere Menschen gefährdet, mussten die Polizeibeamten von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen“, sagte ein Polizeisprecher. Denn auch die Idee des Besitzers, das ausgebüxte Tier mit Hilfe von anderen Kühen, die zum Festgelände gebracht worden waren, in einen Laster zu locken, misslang. Vor dem Schützenfestzelt schossen die Beamten mit ihren Dienstwaffen auf die Kuh. Da sie immer noch weiterlief, gaben Polizisten zwei Schüsse aus einem Gewehr ab. Tödlich getroffen brach das Tier vor dem Zaun des Zeltes zusammen. Dort wurde es mit einer Seilwinde in einen Laster geladen und zum Schlachthof gebracht.

„Das war echt krass, wie die rund 40 Polizisten auf das Tier geschossen haben“, sagt der 20-jährige Sebastian, der zusammen mit Hubert K. die tödlichen Schüsse gesehen hat. „Vielleicht hätten es ein paar weniger gezielte Schüsse auch getan“, meint er. Laut Polizei ist dieser Fall „extrem außergewöhnlich“. So etwas habe bisher noch niemand erlebt.

Mittlerweile gibt es auch ein Mahnmal an der Stelle, wo die Kuh erschossen wurde. Unbekannte haben es für "Bavaria" errichtet.

Stefanie Wegele

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