Ein Screenshot aus dem Video.

Polizei rekonstruiert den Abend

Gegrapsche und ein 2. Einsatz: Neue Details zum U-Bahn-Video

  • Vanessa Fonth
    VonVanessa Fonth
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    Jasmin Menrad
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München - Seit dem Wochenende sorgt im Netz ein Video von einer Prügelei in der U-Bahn für Aufsehen. Nach einigen Gerüchten und Unklarheiten hat die Polizei nun den Abend rekonstruiert, an dem es aufgenommen wurde.

Nach dem ausführlichen Bericht am Dienstag über das Handyvideo, das eine handgreifliche Auseinandersetzung in der Münchner U-Bahn zeigt, gibt es nun neue Erkenntnisse. Die Münchner Polizei hat durch die Ermittlungen den ganzen Abend detailliert rekonstruieren können.

Bislang war bekannt, dass es zwischen einer Gruppe von drei Afghanen, 19, 20 und 25 Jahre alt, und Fahrgästen der U1 am Samstagabend gegen 18.30 Uhr zu einer Auseinandersetzung gekommen ist. Zu den Hintergründen war am Dienstag noch nichts bekannt.

Polizei rekonstruiert Vorfall: Älterer Frau vor Füße gespuckt, Dame an Po gefasst

Nun hat die Polizei den Vorfall rekonstruiert: Bevor das Handyvideo aufgenommen wurde, sei die Gruppe in der U1 nach Polizeiangaben durch Pöbeleien und aggressives Verhalten aufgefallen. Einer der jungen Männer habe einer älteren Dame, die mit ihrem Ehemann unterwegs war, ohne erkennbaren Grund vor die Füße gespuckt. Als diese sich auf einen anderen Platz setzen wollte, habe der Mann ihr nach bisherigem Ermittlungsstand an den Hintern gefasst und versucht, ihr ein Bein zu stellen. Das Ehepaar setzte sich in ein anderes Abteil und erstattete am nächsten Tag bei der Grünwalder Polizei Anzeige.

Nach diesem Vorfall hat sich laut Polizei der selbe junge Mann aus Afghanistan  einer anderen Frau im Abteil zugewandt. Offensichtlich wütend darüber, dass sie seine Annäherungsversuche - er strich ihr durch die Haare - nicht erwiderte, schlug er gegen die Scheibe. Andere Fahrgäste mischten sich in das Geschehen ein. Daraufhin sprang ein anderer Mann aus der Gruppe auf die Sitzbank und ging auf einen Fahrgast los. Diese handgreifliche Auseinandersetzung ist auf dem Handyvideo zu sehen, das einer der Zeugen noch am Samstagabend (30. Januar, 19.55 Uhr) bei Facebook hochgeladen hat und das um die Welt ging.

Die Polizei korrigiert ihre Aussage vom Dienstag, der Zeuge habe sich nicht bei ihnen gemeldet wegen des Vorfalls. Der Urheber des Videos habe am gleichen Abend bei der Polizei angerufen und sei am nächsten Tag zur Aussage auf der Wache vorbeigekommen.

Die Gruppe sorgte anscheinend am Samstag auch in der U5 für Ärger

Die Ereignisse am Samstagabend gehen allerdings noch weiter: Am Hauptbahnhof hat besagte Gruppe laut Polizei die U1 verlassen und ist in die U5 Richtung Neuperlach umgestiegen. Nun vermeldet die Polizei im aktuellen Polizeibericht für München, dass die Gruppe von Afghanen in der U5 ebenfalls durch "lautes Schreien und Pöbeln" aufgefallen sei.

Die Fahrgäste der U5 alarmierten schließlich eine Streife der U-Bahnwache im benachbarten Waggon. Als die sich nicht gegen die Gruppe durchsetzen konnte, wurden die drei Männer unter vehementer Gegenwehr an der Haltestelle "Lehel" zum Aussteigen gezwungen.

Drei alarmierte Polizeistreifen wurde als Verstärkung angefordert. Nach der Feststellung der Identitäten wurden die drei Männer wieder entlassen. Bis dato hatte die Polizei, nach eigener Aussage, noch keinen Hinweis darauf erhalten, dass es in der U1 zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Wie am Dienstag bereits berichtet, hatte keiner der dort Anwesenden den Notruf gedrückt oder gewählt.

Wären es nicht Afghanen, wäre der Fall nicht einmal im Polizeibericht

Mittlerweile sind auch Details zu den drei jungen Männern bekannt: Wie tz-Reporterin Jasmin Menrad von einem Treffen mit dem stellvertretenden Münchner Polizei-Sprecher Thomas Baumann berichtet, sind die drei Männer tatsächlich Asylbewerber. Die beiden Jüngeren, 19 und 20 Jahre, wurden bereits abgelehnt. Bei dem ältesten Mann läuft das Verfahren noch. Sie stammen aus verschiedenen Asylunterkünften in München und dem Münchner Umland.

Die Polizei ermittelt nun in alle Richtungen: wegen eventuellem Hausfriedensbruch, der Erschleichung von Leistungen, Beleidigung auf sexueller Basis, Nötigung und Körperverletzung. Der stellvertretende Polizei-Sprecher Baumann meint allerdings - egal ob Deutscher oder Afghane: Für diese Vergehen würde keine Freiheitsstrafe verhängt werden.

Baumann weist daraufhin: Wären nicht drei Afghanen an dem Fall beteiligt gewesen, dieser "Low-Budget-Fall" hätte es wohl nicht einmal in den Polizeibericht geschafft. Die Verbreitung des Videos im Internet dürfte einen großen Teil dazu beigetragen haben.

Solche und ähnliche Auseinandersetzungen ereignen sich tatsächlich immer wieder in München, besonders an den Wochenenden und wenn Alkohol im Spiel ist.

Notfallknopf, Handy & Schrillalarm: So verhalten Sie sich richtig

„Je eher man reagiert, desto eher kommt man aus einer brenzligen Situation heraus“, sagt der Präventionsexperte der Münchner Polizei, Arno Helfrich. Er rät, in einer solchen Situation den Platz zu verlassen und sich neben eine Tür oder den Notfallknopf zu stellen. An jeder U-Bahntür gibt es einen Notfallknopf, über den man Kontakt mit dem Fahrer aufnehmen kann. Der informiert über die Leitstelle Polizei und U-Bahnwachen. In der U-Bahn gibt’s auch Handy-Empfang, so dass auch direkt die Notfallnummer 110 angerufen werden kann.

„Machen Sie laut auf sich aufmerksam, sprechen sie andere Menschen direkt an und bitten Sie um Hilfe.“ Der Sicherheitsexperte empfiehlt einen Schrillalarm für die Hosentasche. Der kostet rund 15 Euro und macht 100 Dezibel Lärm. Das sorgt für Aufmerksamkeit und verschreckt Pöbler.

Hier können Sie den ersten Stand der Ereignisse nachlesen:

Virales Video von Bahn-Prügelei in München: Das sagt die Polizei

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