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Techniken und Materialien

Unsere Elser-Wand: So entsteht ein Graffito

Sie sind Stars der internationalen Streetart-Szene: Jetzt gestalten Loomit und Won ABC im Hof des Pressehauses von „Münchner Merkur“ und „tz“ gemeinsam ein Wandgemälde, das an NS-Widerstandskämpfer Georg Elser erinnert. heute erklären wir, wie so ein Kunstwerk entsteht. 

München - Das Geheimnis liegt in der Größe der verwendeten Rolle. Wenn man – wie Loomit beim Georg-Elser-Graffito – eine vier Meter lange Stange verwendet, sollte am Ende keine Riesenrolle mit fünf Litern aufgesaugter Farbe hängen. Sonst kann man keinen geraden Strich ziehen und saut sich ohnehin nur ein. Die Arbeit des Graffiti-Künstlers ist nämlich nicht – wie die meisten denken – auf das Sprühen mit Dosen beschränkt. Wer eine ganze Wand gestalten will, muss ohnehin vorher alles gezeichnet haben und die Skizze mit einem Raster versehen,das auf die Wand übertragen wird, um nicht die Orientierung zu verlieren. Zum Einsatz kommen dann verschiedene Materialien– von der Wandfarbe bis zum Acryllack aus der Dose. Inzwischen kann man die Grundausrüstung des Sprayers in Internetläden zusammenkaufen – vom Sprühkopf bis zum stylischen Sicherheitsschuh.Die ersten Künstler in den Siebzigern und Achtzigern mussten sich alles noch selbst erbasteln. Wir fragten bei unseren Graffitologen im Hof, WonABC und Loomit, nach, was auf keinen Fall fehlen darf bei der Arbeit an einer Fassade.

Lesen Sie hier: Loomit im Interview: „Wir haben in München schon immer Meilensteine gesetzt“

Atemschutzmaske

Auch wenn die inzwischen verwendeten Lacke um einiges weniger giftig sind als noch vor zehn Jahren, sind sie immer noch ungesund genug. Eine Atemschutzmaske ist Pflicht beim Sprühen. Die verwendeten Masken verfügen über zwei Systeme. Das eine ist ein Kohlestaubfilter, das andere ist ein Hightech-Papier das Staub und Pigmente auffängt

Sprühkopf 

Mindestens so wichtig wie die Sprühdose – mit dem Sprühkopf reguliert man die Art und Weise, wie die Farbe auf die Wand aufgetragen wird. Da gibt es etwa 15 bis 20 unterschiedliche sogenannte Caps, von viel Druck und wenig Farbe, bis viel Farbe und wenig Druck. Die Caps kann man inzwischen gesondert kaufen. Früher mussten sich die Sprayer freilich die unterschiedlichen Köpfe aus Deosprays et cetera zusammenklauen.

Die Sprühdose 

Das bekannteste Utensil des Graffiti-Künstlers. Letztendlich sind es nach wie vor Autolacke, aber diese haben sich weiterentwickelt. Die weniger gesunden Nitrolacke weichen den wasserlöslichen. „Die Acryllacke“, so Loomit, „sind inzwischen von der Farbe den Kunstharzlacken ebenbürtig.“ Und die deutschen Lacke sind weltweit führend. „Die halten bis zu 20 Jahre an einer Südwand“, spricht Loomit aus eigener Erfahrung. Als erste Farben leiden Gelb und Rot dann unter der UV-Strahlung. Qualitativ schlechtere Lacke beginnen bereits nach zwei Jahren auszubleichen. Man könnte sogar die Farben verschiedener Dosen mischen. Bei rund 800 verfügbaren Farbtönen wird das aber fast nie gemacht.

Farbrolle 

Das sind ganz klassische Farbrollen, wie sie jeder Malermeister auch verwendet, von dicken wolligen bis zu schmalen aus Schaumstoff je nachdem, wie die Flächenstruktur ist und wie das Ergebnis gewünscht ist.

Stange 

Die Wände sind hoch, und wer nicht immer die Leiter hoch- und runterklettern will, sollte mit Verlängerungen arbeiten, um mit der Rolle an den gewünschten Ort zu kommen. Das kann auch ein Zehn-Meter-Pfosten sein. Da sind dann Muskeln gefragt, um nicht über alle wichtigen Ränder hinwegzumalern.

Sicherheitsschuhe und Handschuhe

Nicht zuletzt ist das Schuhwerk wichtig. Stahlkappen sind empfehlenswert, falls doch mal etwas Schweres herabfällt. Und auch die Sohle sollte Nägel sowie sonstige scharfe und spitze Gegenstände abwehren können. Die Arbeitsplätze der Sprayer sind nicht immer besenreine Höfe wie der des Verlagshauses. #

Auch die Haut freut sich nicht über die Lacke. Das Gift kann über die Haut letztendlich den Weg bis zur Leber finden. Deshalb sollten zunächst einmal die Hände geschützt werden. Robuste, dichte Handschuhe sind wichtig. Ebenso aber sollte man, auch wenn es heiß ist, langärmelige Jacken tragen sowie einen Kopfschutz und eine feste Arbeitshose. Sollte man etwa eine Decke gestalten, braucht es auch eine Schutzbrille, damit die Lacke nicht in die Augen tropfen.

SAS

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