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In roten Westen sorgen die Mitarbeiter der Stadt, dafür dass das Feiern entspannt bleibt - und nicht zu laut wird. 

Immer wieder Anwohner-Beschwerden

Leben und feiern lassen: Unterwegs mit den Lärm-Kontrolleuren am Gärtnerplatz

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    Klaus Vick
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Die Isar, die Müllerstraße oder der Gärtnerplatz: Im Sommer spielt sich das Münchner Nachtleben auch im Freien ab. Selten zur Freude der Anwohner. Am Gärtnerplatz sind seit 2014 nachts Mitarbeiter des Sozialreferats unterwegs. Seitdem ist dort das Lärm- und Müllproblem nicht mehr so gravierend.

München - Es ist Freitagabend kurz vor Mitternacht. Nach einer kalten Regenwoche ist das Wetter wieder besser. Am Gärtnerplatz sitzen viele junge Menschen zusammen. Zwar weniger als an richtig heißen Tagen. Aber das Rondell vor dem Theater ist gut gefüllt.

Mia feiert heute mit ihren Arbeitskolleginnen und Busenfreundinnen Anna, Steffi und Caro Geburtstag. Sie waren Pizza essen im nahe gelegenen „Hungrigen Herz“. Nun lassen die Mädels den Abend auf dem Gärtnerplatz ausklingen. „Hier kommt man schnell ins Gespräch, es ist nie aggressiv, aber oft lustig“, erzählt Steffi. „Unseren Müll nehmen wir immer wieder mit, laut grölen wollen wir sowieso nicht.“

Die Atmosphäre am Gärtnerplatz ist meist entspannt. Wird es zu laut, versuchen die Leute von AKIM (Allparteiliches Konfliktmanagement in München) beschwichtigend auf die Feiernden einzuwirken. Seit 2014 gehen die Mitarbeiter des Sozialreferats in den Sommermonaten (bis Mitte September) jeweils am Wochenende in Zweierteams auf Streife. Ihre Schicht dauert von 23 bis 4 Uhr. Sie sind an den roten Westen mit dem Logo der Landeshauptstadt erkennbar. Die Strategie des Sozialreferats lautet: Deeskalation und ein gutes Miteinander. Oder auch: Leben und feiern lassen.

Die Müllerstraße ist nicht so leicht zu befrieden

Die AKIM-Leute verteilen Lollis und Visitenkarten. An diesem Abend sind auch die Chefin des Sozialreferats, Dorothee Schiwy, und die in ihrer Behörde zuständige Konfliktmanagerin Eva Jüsten vor Ort. Sie machen sich ein Bild von der Szenerie am Gärtnerplatz. Später setzen sie ihren nächtlichen Rundgang fort und ziehen weiter Richtung Müllerstraße – ein weiterer Brennpunkt des Nachtlebens, wo das Problem Ruhestörung nicht so leicht in den Griff zu bekommen ist. An der Müllerstraße im Glockenbachviertel sucht die Stadt seit geraumer Zeit das Gespräch mit Wirten und Anwohnern.

Die Profi-Schlichter: Sozialreferentin Dorothee Schiwy (M.), Eva Jüsten, Traudl Baumgartner. 

Am Gärtnerplatz hat an diesem Wochenende Krzysztof Witek Dienst. Der 40-jährige Pole spricht Deutsch und Französisch. „Man hört viele Sprachen am Gärtnerplatz. Die Abendkulisse und die harmonische Stimmung hier sind bei Touristen sehr beliebt“, erzählt er. Wenn Gruppen die Musik zu laut aufdrehen und der Bass in den Boxen wummert, ermahnt Witek das Feiervolk. Meist hilft es. Sergey Borzakov ist der zweite Mann dieser AKIM-Nachtschicht. Der 47-Jährige kommt aus Bulgarien, ist eher schweigsam und kämpft noch mit der deutschen Sprache. Doch er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Borzakov freut sich, dass er als Mediator bei der Stadt arbeiten kann – auch wenn es oft kein Zuckerschlecken ist.

Kein Zuckerschlecken für die Anwohner

Auch für die Anwohner nicht. Der Eingang zum Geldautomaten der Sparkasse ist an Wochenendnächten verschlossen, aus Furcht vor Vandalismus. Öffentliche Toiletten gibt es nicht. Ein Versuch mit Dixiklos in den Parkbuchten wurde nicht wiederholt. Kein Anwohner will so ein „Häusl“ vor seiner Eingangstür, auch die Schulen an der Klenzestraße nicht. Wildbiesler will jedoch auch niemand. Das öffentliche Urinieren bleibt ein Problem.

Immerhin – bis zwei Uhr morgens ist die Atmosphäre in dieser Nacht entspannt, friedlich, launig – aber nicht laut. Am Himmel leuchtet der Halbmond. Johanna Brücker, 23, aus Wiesbaden, lebt seit drei Jahren in der Nähe des Gärtnerplatzes. Mit ihren Freunden kommt die Marketing-Managerin gerne abends auf das schöne Rondell. Etwa 20 junge Erwachsenen gehören der Clique an. Sie sitzen zusammen und genießen die Sommernacht. Genau wie Chloé aus Paris. Sie hat Spaß mit ihren Freunden. Es ist ein internationales Publikum. Viele der Feiernden ziehen später weiter – zu Privatpartys oder in die Clubs der Stadt.

Und das sagen die Feiernden: 

Sommernacht unterm Halbmond: Johanna Brücker (23) aus Wiesbaden lebt seit drei Jahren in der Nähe des Gärtnerplatzes. Mit ihren Freunden kommt die Marketing-Kommunikationsmanagerin sehr gerne abends auf das Rondell vor dem Theater. Einer ihrer Freunde ist Nordlicht Moritz (r.). Der 25-jährige Psychologie-Student mag München und besonders den Gärtnerplatz. Etwa 20 junge Erwachsene gehören dieser Clique an. Sie sitzen zusammen unterm Halbmond und genießen die laue Sommernacht.

Internationale Party-Gruppe: „Man hört viele Sprachen am Gärtnerplatz. Die Abendkulisse und die harmonische Stimmung hier sind bei Touristen sehr beliebt“, erzählt der 40-jährige Party-Polizist Witek. Er spricht Deutsch und Französisch – das hilft ihm bei der Gruppe rund um die schicke Chloé (23, Mitte) aus Paris. Die Studentin der Sorbonne trifft sich mit ihren Freunden am Gärtnerplatz. Für sie ist der Platz ein idealer Treffpunkt, um weiterzuziehen zu privaten Partys in der Innenstadt.

Müllfreier Mädels-Geburtstag: Diese vier Madln haben allen Grund zu feiern. Mia (2.v.l.)ist mit ihren Arbeitskolleginnen und Freundinnen Anna, Steffi und Caro zum Gärtnerplatz gekommen, um ihren Geburtstag zu begehen. Sie waren Pizzaessen im Hungrigen Herz. Nun lassen sie den Abend auf dem Gärtnerplatz ausklingen. „Hier kommt man schnell ins Gespräch, es ist nie aggressiv, aber oft lustig“, erklärt Steffi. „Unseren Müll nehmen wir immer wieder mit, laut grölen wollen wir sowieso nicht.“

Der schweigsame Schlichter: Manchmal wird es doch etwas zu laut am Gärtnerplatz – dann schlägt die Stunde der AKIM-Party-Polizisten. Die Feier-Wütigen sind ein Fall für Sergey Borzakov. Der redet nicht zu viel, sondern strahlt Ruhe und gelassene Vernunft aus. Wirklich laut wird die Gruppe dann auch nicht mehr – die Partygänger machen sich über ihren Migrationshintergrund lustig, lieben das bayerische Bier und sind am Gärtnerplatz nicht an Streit, sondern an den Mädels interessiert.

Mehr Aktuelles aus dem Gärtnerplatz-, Glockenbach- und Schlachthofviertel lesen Sie auch auf unserer Facebookseite für den Stadtbezirk: „Meine Isarvorstadt“. 

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