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Hier strömen die S-Bahn-Pendler an die Oberfläche - in diesem "Revier" haben die Ergo-Vertreter neue Mitarbeiter angeworben.

 Auf der Lauer in den frühen Morgenstunden

Verboten! Ergo rekrutiert Mitarbeiter am Hauptbahnhof

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München - Vertreter der Ergo-Versicherung fangen morgens am Münchner Hauptbahnhof vornehmlich junge Pendler ab, um sie als Mitarbeiter anzuwerben. Das ist verboten - und offenbart noch ein größeres Problem. 

Fast kann einem dieser junge Bursche leid tun, wie er Tag für Tag am Münchner Hauptbahnhof versucht, an neues Futter für das Strukturvertriebs-Monster zu kommen. Mit blonden Haaren, einem müden Lächeln und einem Coffee-to-go-Becher in der Hand wartet er nahe des S-Bahn-Aufgangs darauf, dass wieder ein Schwall Pendler ankommt. Dann fischt er sich die heraus, die ins Beuteschema passen. Jung, gerne gutaussehend, auf jeden Fall sympathisch. Perfekte Vertreter eben. So läuft Rekrutieren in freier Wildbahn. 

In diesem Fall ist es allerdings eher Wildern in fremdem Revier. Erlaubt ist das nämlich nicht. Jedenfalls nicht auf dem Grund des Münchner Hauptbahnhofes, der der Deutschen Bahn gehört. "Werbeaktionen müssen angemeldet werden, sonst gibt es ein Hausverbot", sagt Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp. Auch das Anwerben von Mitarbeitern, wie es die Ergo-Vertreter hier machen, fällt darunter. Hierfür braucht es ausdrücklich eine Genehmigung, und die sei nie angefragt worden. Bisher war Honerkamp allerdings auch nicht bekannt, dass es derlei frühmorgendliche Aktivitäten im S-Bahn-Zwischengeschoss gibt. 

Dass es sich bei dem Blonden mit dem Kaffeebecher nicht um ein einzelnes schwarzes Schaf handelt, dafür spricht, dass es Menschen gibt, die bereits mehrfach an dieser Stelle von unterschiedlichen Ergo-Vertretern angesprochen wurden. Immer dasselbe Prinzip: "Wie alt bist du?" "Wohnst du in München?" "Arbeitest du schon und wenn ja, was?" Eine junge Frau hat das schon mehrfach erlebt: "Es nervt", sagt sie. Mittlerweile gibt sie einfach die falsche Handy-Nummer heraus. Dann hat sie schneller ihre Ruhe.

Junge Ergo-Vertreter stehen unter Riesen-Druck

Woher die unkonventionelle Masche kommt, ist ganz logisch. Es gehört zur Unternehmensstrategie der Ergo, neue Mitarbeiter "auf der Straße" anzuwerben. Ob am Marienplatz, in Einkaufszentren oder in der Fußgängerzone, kein Ort ist sicher vor den Rekrutierern. Ein Firmensprecher begründet das so: "Wir haben einfach beste Erfahrung mit Menschen gemacht, die aus den unterschiedlichsten Branchen und Biographien zu uns gestoßen sind." Interessante Menschen würde man überall treffen, auch auf der Straße. Klingt zunächst ziemlich gut. 

Allerdings sollte man nicht außer Acht lassen, dass es sich bei dem Bereich der Ergo, der für das Anwerben neuer Mitarbeiter zuständig ist, um einen - schon oft in die Kritik geratenen - Strukturvertrieb ("Ergo Pro") handelt. Nach eigenen Angaben arbeiten rund 46.000 Menschen weltweit für die Firma. Das System der "Ergo Pro" basiert darauf, dass die "Strukkis", wie Strukturvertriebler im Branchenjargon genannt werden, andere Vertreter anwerben. Häufig sind es fachfremde Menschen.

Es ist eine Pyramide, unten viele, oben wenig, wer viele neue Vertreter anwirbt, steigt auf. Und irgendwann ist der Freundes-, Bekannten- und Familienkreis, der auf Basis des Vertrauens weitaus erfolgsversprechender ist, eben abgeschöpft. Der Druck steigt und steigt. Das führt auf der unteren Ebene wohl auch zu solchen absurden Ideen, wie früh morgens Pendler am Münchner Hauptbahnhof abzufangen. Ohne offizielle Erlaubnis.

Von den Chefs gibt es dafür: Missbilligung. Bei der Aktion am Münchner Hauptbahnhof habe es sich nicht um eine offizielle Ansprache der Ergo gehandelt, heißt es von der Ergo. Man werde dem nachgehen und die Strukkis nachschulen in Sachen "Verhaltensregeln". Der Verhaltenskodex der Ergo müsse auch auf der Straße gewahrt werden. 

Der Münchner Hauptbahnhof ist aber ab sofort sowieso tabu. Die Bahn überlegt nämlich, Sicherheitskräfte auf die Vertreter anzusetzen. 

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