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Bis zu 1200 Plätze gibt es vor der Leinwand im Viehhofkino. Doch Ende August muss sich Hartmut Senkel wohl endgültig von dem Areal verabschieden – es soll bebaut werden.

Zukunft ungewiss

Fällt der letzte Vorhang? Viehhofkino vor dem Aus 

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Hartmut Senkel organisiert im Viehhofkino seit Jahren besondere Veranstaltungen für Cineasten – jetzt sucht er eine neue Heimat.

Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt - Legenden-Filme wie ‚Split‘, ‚Ozeanpianist‘ oder die ‚Feuerzangenbowle‘ faszinieren Hartmut Senkel. Er sitzt aber nicht nur davor, sondern er zeigt diese Filme in seinen Open-Air-Kinos. Bevor es ihn nach München, in die große weite Welt zog, wuchs der kreative Macher seit Mitte der 60er Jahre in Nürnberg auf. Bei uns angekommen wurde der studierte Maschinenbauer und Journalist bald ein in Cineastenkreisen bekannter Filmaufführer. Er bespielt große Open-Air-Theater wie die Berliner Waldbühne und viele kleinere, lauschige Plätze, etwa im Fränkischen.

Doch seit Jahren schon ist der ehemalige Viehhof im Herzen Münchens nun sein Sommerkino. Hier zeigt Hartmut Senkel Biografie-Filme, wie vom Skispringer ‚Eddie the Eagle‘ oder die Doku über die britische Sängerin Amy Winehouse. Das kiesige Areal wirkt wie der Isarstrand, nur echtes Grün und Wasser fehlen auf der 10 000 Quadratmeter großen, eckigen Fläche. Senkel und sein Team bauen hier jeden Sommer die gesamte Biergarten- und Kultur-Infrastruktur auf: Garnituren mit fast zweitausend Plätzen, Sonnenliegen an einer Kunstpalme, ein kleines Musik- und Kino-Zelt für 200 Besucher, Kinderplantsche und -Eisenbahn und das große Open-Air-Kino mit mehr als 1200 Plätzen. Dazu die für Senkel lebensnotwendigen Gastrostände.

Ein beliebter Treffpunkt: das Viehhofkino

Reich wird er damit trotzdem nicht, sagt Senkel. „Kinoaufführung ist in Zeiten von Netflix und anderen Streaminganbietern eine Leidenschaft. Die Preise der Verleiher sind hoch geblieben, neue Filme kommen immer schneller als DVD raus“, erklärt er. „Außerdem werden neue Filme nur an ausgewählte Kinohäuser verliehen, ich dagegen mache Programmkino für die Münchner.“ 

Ein Minusgeschäft in den Jahren 2011 und 2012

2011 und 12 war das Viehhof-Sommerkino sogar ein Minusgeschäft. Schon etwas bitter, wenn man von Juni bis September jeden Tag, auch sonntags, über zwölf Stunden arbeitet. Im Winter gleicht Senkel das mit anderen Projekten aus, wie der Feuerzangenbowle am Isartor. Seine Expertise ist die Außergewöhnliche Umsetzung Großartiger Ereignisse. Die Anfangsbuchstaben ergeben auch den Namen seiner Agentur an der Dreimühlenstraße 3. Nach einer finanziellen Nullrunde 2013 brachte erst das vierte Jahr auf dem Viehhofgelände erstmals Gewinn.

Hartmut Senkel

Obwohl Senkel Übergangsnutzungen kennt und liebt ist ihm die Kiesbrache in den nun sieben Jahren seiner Zeit dort sehr ans Herz gewachsen. Sicher auch, weil seine heute achtjährige Tochter dort aufgewachsen ist. Wurzeln und Historie sind dem dynamischen und risikofreudigen Unternehmer wichtig. Er liebt die alten Geschichten aus dem Schlachthofviertel. Wegen des Viehhofsgeländes ist er, der auch die Münchner Blade Night ins Leben gerufen hatte, aus dem Hintergrund getreten. 2015 hat Hartmut Senkel eine Petition zum Erhalt dieses Münchner Sommerwohnzimmers eingebracht. „Mit der Stadt und dem Kulturreferat kommuniziere ich auf Augenhöhe, entspannt und politisch neutral“, sagt der Kämpfer Hartmut Senkel. „Subkulturplätze und nicht völlig durchgeplante Freiflächen sind gerade für München sehr wichtig.“

Viehhofkino schließt zum 20. August – es ist wohl für immer

Ginge es nach Senkel, bliebe die Zwischennutzung auf dem Viehhof unter Erhalt der alten Graffitimauern einfach bestehen. Im Sommer das Kino, dazwischen ein Sammelplatz für den Wiesn-Umzug, Laster und Brezlbäcker. Im Winter dann Märchenweihnachtsmarkt, der Zug-Club Bahnwärter Thiel und im Frühjahr Wannda Circus oder neue Künstler. Doch es geht wohl nicht nach Senkel – die Stadt will das Gelände nun doch bebauen, es sollen Wohnungen und Gewerbe kommen, Pläne und Ideen gibt es schon viele. Zuerst wird dem Volkstheater, das aus der Brienner Straße weg muss, genau hier eine neue Bühne errichtet. Das hat Priorität, so der Stadtratsbeschluss.

Was auch immer noch kommen wird, für Senkel ist die Viehhof-Zeit in wenigen Wochen wohl Vergangenheit: „Vor der Wiesn räume ich meine Sachen ins Lager nach Eching, und nächstes Jahr... schauen wir mal.“ Er selbst möchte, wenn er denn muss, am liebsten in die Großmarkthalle umziehen. Er schaut aber immerzu auch nach anderen Flächen (Tipps dazu an info@viehhof-kino.de). Kiesel kann die neue Kinofläche gerne haben. Ob es für Hartmut Senkel selbst immer München sein muss, ist wahrscheinlich – aber vielleicht auch nicht, sagt er. Das Viehhof-Kino läuft heuer auf jeden Fall noch bis zum 20. August.

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