Massenschlägerei: Wird Flaucher-Schlichter blind?

München - Nachdem er am Flaucher brutal verprügelt wurde, droht ein 52-Jähriger zu erblinden. Der Mann hatte versucht, zwischen zwei schlägernden Gruppen zu schlichten. Einer der Schläger liegt auf der Intensivstation.
Er wollte nur schlichtend eingreifen und muss nun um sein linkes Auge bangen: Der 52-jährige Taki A. ist am Mittwochabend am Flaucher Opfer einer Massenschlägerei geworden. Ein an der Prügelei beteiligter 21-jähriger Iraker liegt mit schweren Kopfverletzungen auf der Intensivstation. Die übrigen der mindestens 15 Beteiligten waren am Donnerstag laut Polizeiangaben noch flüchtig.
Der ehemalige Postarbeiter Taki A. war am Mittwoch wie Hunderte andere Münchner mit seinen bayerischen Freunden zum Grillen am Flaucher. Südlich der Tierparkbrücke ließen sich die Freunde nieder. Um 21.40 Uhr wurden A. und seine Freunde zufällig Zeugen einer heftigen Auseinandersetzung zwischen etwa 15 jungen Leuten: „Sieben oder acht Leute bewarfen die anderen mit Steinen“, sagte er der tz. Dann gingen die jungen Männer mit Stöcken aufeinander los.
Taki A. lief zu ihnen, wollte schlichten und rief: „Hört doch auf!“ Plötzlich rannte ein 21-jähriger Iraker auf ihn zu. An den Rest kann sich Taki A. nicht mehr erinnern. Vor den Augen mehrerer Zeugen hatte der 21-Jährige A. mit voller Kraft einen Stock ins Gesicht geschlagen. Blutüberströmt brach der Türke zusammen. Auch der 21-Jährige sackte nach einem Schlag auf den Hinterkopf von einem Unbekannten leblos zusammen. Die Freunde von Taki A. riefen den Notarzt. Alle anderen Beteiligten flüchteten.
Der frühere Postler erlitt eine schwere offene Augenverletzung, eine sogenannte Bulbusruptur. Zudem zog er sich zwei Platzwunden, eine Augenhöhlenquetschung und einen inneren Augenhöhlenbruch zu. Taki A. kam in ein Krankenhaus, wo er zweieinhalb Stunden notoperiert werden musste. Nach Polizeiangaben ist damit zu rechnen, dass er auf dem linken Auge erblindet.
Der 21-jährige Beschuldigte aus der Nähe von Mühldorf liegt aufgrund seiner massiven Kopfverletzungen auf der Intensivstation und war bisher nicht vernehmungsfähig. Die Polizei (Tel.: 089/ 291 00) sucht nun nach Zeugen der Schlägerei.
Der Vorfall vom Mittwochabend ist für die Polizei Teil einer bedauerlichen Entwicklung am Flaucher. „Die Gewalt dort hat in den letzten Jahren zugenommen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Gerade an heißen Sommertagen feiern Scharen von Münchnern an der Isar, der Alkohol fließt in Strömen. „Das führt oft zu Streitereien“, so Wenger. Die Polizei sei vermehrt auf Streife unterwegs.
Auch am früheren Donnerstagnachmittag ist schon wieder einiges los am Flaucher. Vor allem junge Leute planschen fröhlich im Isarwasser oder räkeln sich in der Sonne, die Stimmung ist gut. Julia, Celina und Murielle sind regelmäßig hier. „Im Sommer fast jeden Tag,“ erzählen die drei Münchner Schülerinnen. Nachmittags sei immer alles recht friedlich „aber gegen Abend geht’s oft ganz schön ab!“ Besonders im Bereich um die Thalkirchner Brücke gebe es öfters Pöbeleien zwischen Jungs. „Alleine trau ich mich abends nicht mehr an den Flaucher“, berichtet die 17-jährige Julia. Ihre Freundin Celina ergänzt: „Die Leute fangen schon nachmittags an zu trinken, auch wenn’s so heiß ist. Abends sind die dann total besoffen. Dann eskaliert es eben manchmal.“
Abends, das heißt ab etwa 20 Uhr, wird es voll am Flaucher. „Wir machen um acht zu. Und wir wissen warum“, sagt eine Angestellte eines kleinen Kiosks am nördlichen Flaucherufer. Zwar habe sich die Situation verbessert, seit am Wochenende und in den Ferien ein Wachdienst am Isarufer patroulliert. Zu späterer Stunde sei die Situation aber immer noch häufig angespannt.
Den externen Wachdienst hatte die Stadt vergangenes Jahr etabliert, nachdem der Abfall der feiernden Isarbesucher zunehmend zum Problem geworden war. Er unterstützt mit bis zu 20 Mitarbeitern die städtische Grünanlagenaufsicht. „Diese sorgt für das Einhalten der Sauberkeit“, so eine Sprecherin des Baureferats. Streit zu schlichten gehöre nicht zu den Aufgaben des Wachdiensts. „Wie jeder pflichtbewusste Bürger informiert er aber die Polizei, wenn ihm Schlägereien auffallen.“ Laut Polizeisprecher Wenger kooperiere man hervorragend mit dem Wachdienst. Nicht jede Eskalation, das zeigt der Fall von Taki A., lässt sich jedoch dadurch eindämmen
Angelo Rychel und Tami Holderried
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