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der Campus Garching, auf dem Studenten einen Jubiläums-Schriftzug bilden.

150 Jahre TU München

Hätten Sie es gewusst? Diese weltbekannten Erfindungen kommen aus München

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Vom Kühlschrank bis zum Diesel-Motor: Seit genau 150 Jahren forschen und lehren Wissenschaftler an der Technischen Universität München (TUM) – und so manche Erfindung von dort gehört heute auf der ganzen Welt zumAlltag. 

Die „Technische Hochschule“ zu ihrer Entstehungszeit 1868.

München - Schon König Ludwig II. war ein riesiger Technik-Fan und ließ in seinen Schlössern Speiseaufzüge und batteriebetriebene Klingelanlagen einbauen. 1867 reiste er zur Pariser Weltausstellung und gründete am 12. April 1868 – auf den Tag genau vor 150 Jahren – die „Königlich-Bayerische Polytechnische Schule zu München“, die heutige TU. Das Jubiläum feiert die TU heute mit einem großen Festakt in der Münchner Residenz. 

Mit rund 550 Professoren, 41 000 Studenten und 10 000 Mitarbeitern ist die TU heute eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Hier einige berühmte Forscher der TUM und ihre Erfindungen und Verdienste:

Carl von Linde

Ein kühles Bier gehört im Sommer dazu. Aber: Lange war es gar nicht einfach, Lebensmittel kühl zu halten. Früher behalfen sich die Menschen mit mühsam geschlagenem Eis oder kühlen Kellern. Bis Carl von Linde (1842-1934), Maschinenbau-Professor an der TUM-Vorgängerin, der Polytechnischen Schule, die erste praxistaugliche Kältemaschine entwickelte. 1873 wurde in der Münchner Spaten-Brauerei versuchsweise eine Kältemaschine nach seinen Ideen erbaut. Die sogenannte Kompressionskältemaschine funktionierte wie ein Kühlschrank: Ein flüssig gewordenes, zusammengepresstes Gas wird durch Ausdehnung wieder gasförmig. Dieser Prozess entzieht der Umgebung Energie und lässt das Gas stark abkühlen. Für diese Erfindung bekam der Ingenieur von Prinzregent Luitpold sogar den Adelstitel. Carl von Linde ist auch Begründer der Linde AG, einem weltweit tätigen Technologieunternehmen mit Sitz in München.

Rudolf Diesel

Seinen Motor kennt die ganze Welt – und Deutschland diskutiert über dessen Schadstoff-Ausstoß: Rudolf Diesel (1858-1913) studierte von 1875 bis 1880 Maschinenwesen an der TUM. Bereits währenddessen versuchte er, den schlechten Wirkungsgrad von Dampfmaschinen zu verbessern. Einer seiner Professoren war Carl von Linde. Rudolf Diesel schloss sein Studium 1880 mit dem besten Ergebnis seit Bestehen der Hochschule ab. 13 Jahre später erfand der Ingenieur den Diesel-Motor. Ein Kolben verdichtet ein Luft-Treibstoff-Gemisch so stark, dass es sich von selbst entzündet. Die Energie dieser explosionsartigen Ausdehnung wird durch den Kolben auf eine Kurbelwelle übertragen – neben Autos werden so auch Notstromaggregate und Schiffe angetrieben.

Hans Fischer

Ihm verdanken wir wesentliche Erkenntnisse über Blut und Pflanzen: Chemie-Professor Hans Fischer (1881-1945) entdeckte, wie der Blutfarbstoff Hämin zusammengesetzt ist. 1928 baute er ihn erstmals im Reagenzglas nach – das war vor ihm noch keinem Forscher gelungen. 1930 erhielt er dafür den Nobelpreis für Chemie. Fast den gleichen Bauplan ermittelte er später beim Pflanzenfarbstoff Chlorophyll und beschrieb erstmals den Aufbau des Moleküls, das bei der Photosynthese eine wichtige Rolle spielt. Damit legte Fischer den Grundstein für das TU-Team von Robert Huber: Die Gruppe fand heraus, wie Pflanzen mit Chlorophyll aus Sonne, Luft und Wasser Energie gewinnen, und bekam dafür 1988 den Nobelpreis.

Forscher der Zukunft: Professor Gordon Cheng vom Lehrstuhl für Kognitive Systeme an der TUM entwickelt menschenähnliche Roboter. 

Ernst Otto Fischer

Ernst Otto Fischer (1918-2007), ehemaliger Professor für Anorganische Chemie an der TUM, gilt als Hauptbegründer der Metallorganischen Chemie. Fischer erforschte vor allem die metallorganischen Sandwich-Komplexe, in denen ein Metallatom – wie eine Scheibe Käse zwischen zwei Brotscheiben– in der Mitte zweier „aromatischer Ringe“ eingebettet vorliegt. Für seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse erhielt Fischer 1973 den Nobelpreis für Chemie – zusammen mit Geoffrey Wilkinson vom Imperial College London, der zeitgleich ähnliche Synthesen durchgeführt hatte. Zu Ehren seines 100. Geburtstags gibt die Bundesregierung im Oktober dieses Jahres sogar eine 20-Euro-Sondermünze heraus. Sie zeigt die Struktur der bekanntesten metallorganischen Verbindung, die Fischer synthetisierte: des Dibenzolchroms. Für sein Werk erhielt er 1973 den Nobelpreis.

Ursula Schmidt-Tintemann

Ursula Schmidt-Tintemann (1924-2017) ist Pionierin der Plastischen Chirurgie in Deutschland. 1958 baute die Professorin die bundesweit erste Station für plastisch-chirurgische Eingriffe am TUM-Klinikum rechts der Isar auf – hier behandelten die Ärzte vor allem Brand-, Säure, Kriegs- oder Unfallopfer. Während ihrer Amtszeit wurde das Klinikum zur Schmiede für angehende plastische Chirurgen, viele spätere Leiter entsprechender Abteilungen oder Kliniken lernten hier ihr Handwerk. 2008 gab es am Rechts der Isar eine Weltsensation: Erstmals wurden einem Patienten beide Arme transplantiert. Ein Allgäuer Landwirt war in einen Maishäcksler geraten – Jahre später konnte er ohne fremde Hilfe wieder radeln und einen Traktor steuern.

Rudolf Mößbauer

Physik-Professor Rudolf Mößbauer (1929-2011) erhielt 1961 den Physik-Nobelpreis für den experimentellen Nachweis der rückstoßfreien Kernresonanzabsorption. Die sogenannte Mößbauer-Spektroskopie nutzt Röntgenstrahlung, um Aussagen über die in einer Probe enthaltenen Elemente treffen zu können. Sie wird in vielen Forschungsbereichen eingesetzt, unter anderem werden mit ihrer Hilfe Katalysatoren weiterentwickelt. Auch die vor einigen Jahren auf dem Mars gelandeten Roboter „Spirit“ und „Opportunity“ haben Mößbauer-Spektrometer an Bord. Mit diesen entdeckten die Gefährte Minerale, die nur in Gegenwart von Wasser entstehen, und konnten so beweisen, dass es auf dem Mars einst eine viel sauerstoffreichere Atmosphäre als heute gegeben haben muss.

Geburtstagsfeier mit Prominenz

Fast ein Staatsakt: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen feiert die TU heute ihren Geburtstag in der Residenz. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprechen ab 10 Uhr beim Festakt im Herkulessaal. Und wie immer, wenn ranghohe Regierungsvertreter auf Veranstaltungen sind, hat die Sicherheit oberste Priorität und läuft streng nach Protokoll. Zutritt gibt’s nur mit Ausweis, alle technischen Geräte müssen einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden, Sprengstoffspürhünde durchsuchten bereits das Gelände. Außerdem eröffnet die TUM heute die Ausstellung „Zeitlupe – 150 Jahre Technische Universität München“ im Hauptgebäude an der Arcisstraße 21 (sie läuft bis Ende des Jahres), und in der St.- Markus Kirche (Gabelsbergerstraße 6) gibt es um 17 Uhr einen Festgottesdienst mit den Bischöfen Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx sowie dem Bischöflichen Beauftragten Apostolos Malamoussis.

Lesen Sie auch: Ein ernster Aprilscherz: TU-Studenten heben Baugrube selbst aus

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Maxvorstadt - mein Viertel“.

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