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Elvira G. muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht München verantworten. 

„Es tut mir so leid“

Falsches Medikament: Ärztin wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Weil eine Ärztin nicht in die Akten einer Patientin blickte und ihr daraufhin ein unverträgliches Medikament gab, muss sie sich nun vor dem Amtsgericht verantworten - denn ihre Patientin starb an den Folgen.

München - Wie vielen Menschen sie in ihrem Leben schon geholfen hat? Das weiß Elvira G. (59) gar nicht mehr. Aber auch sie als Ärztin ist nicht frei von Fehlern. Einer Patientin (65) verabreichte Elvira G. ein unverträgliches Medikament, woraufhin die Frau starb. Deshalb muss sich die Ärztin jetzt vor dem Amtsgericht verantworten. Es ist ein besonders trauriger Fall – und der Albtraum jedes Patienten.

Denn Maria F. vertraute ihrer Ärztin blind, als sie sie wegen zu hohen Blutdrucks um Hilfe bat. Ihr Messgerät hatte einen Wert von 220 gezeigt, zudem waren ihre Gelenke geschwollen. Doch Elvira G. schaute vor dem Hausbesuch nicht in die elektronische Patientenakte. Und verschrieb ein Medikament, gegen das die Patientin allergisch war. Fünf Wochen später starb Maria F.

An den Folgen? Ihr Sohn (46) ist empört – und glaubt, dass die Ärztin schuld am Tod seiner Mutter ist. „Hätte die Ärztin in die Akte geschaut, könnte meine Mutter noch leben“, sagte er am Mittwoch vor Gericht. Dort ist Elvira G. wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

„Das ist ein Behandlungsfehler“

„Es tut mir so leid“, erklärte die Ärztin. In der elektronischen Patientenakte war der Hinweis gespeichert, dass Maria F. den Wirkstoff „Metamizol“ nicht verträgt. Eine lebenswichtige Information. Denn ausgerechnet dieser Wirkstoff befand sich in dem verschriebenen Medikament. Das wusste die Ärztin beim Hausbesuch nicht. Aber sie hätte es wissen müssen. Ein kurzer Blick in die Akte hätte genügt. Dass sie es unterließ, war laut Anklage fahrlässig. Und für die Patientin tödlich.

„Das ist ein Behandlungsfehler“, lautete die Einschätzung eines Gutachters vor Gericht. Dass Elvira G. zwar, gemäß ihrer ärztlichen Verpflichtung, während der Behandlung nach eventuellen Unverträglichkeiten gefragt hatte, half ihr im Strafprozess wenig. Angeblich hätten sowohl die Patientin als auch deren Sohn darauf nicht geantwortet. Der Sohn sagte aber vor Gericht: „Ich erinnere mich nicht an diese Frage.“ Und gab der Ärztin die Schuld.

Ihr drohen nun bis zu fünf Jahre Haft. Ob Elvira G. durch ihr mutmaßlich fahrlässiges Handeln tatsächlich schuld am Tod ihrer Patientin ist, muss sich aber erst noch herausstellen. Im Prozess sollen noch weitere Gutachter zur genauen Todesursache aussagen und klären, ob die Medikamente dafür ursächlich waren.

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