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Links: Nicholas S. (27) hatte bei seiner Tat 2,6 Promille im Blut. Rechts: Hassan A. (41) hatte auf sein Opfer geschossen.

Richter spricht gleich zwei Urteile

Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen

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Dieses Pensum ist außerordentlich! Zwei Urteile an einem Tag hat Richter Norbert Riedmann am Dienstag gesprochen.

Richter Norbert Riedmann hat am Dienstag am Landgericht zwei Urteile gesprochen. Am Vormittag schickte er Hassan A. (41) ins Gefängnis, der eine Schießerei in der Maxvorstadt angezettelt hatte. Nachmittags sprach Riedmann Nicholas S. (27) schuldig: Er hatte in der Kultfabrik einen Musiker geschubst, der unglücklich starb. Wochenlang hatte Riedmann verhandelt, am Dienstag verurteilte er zwei Täter auf einen Streich!

Haft für Schützen

Er weinte und wütete. Seine Schuld wollte Hassan A. (41) auch nach dem Urteil nicht wahrhaben. Aber die Strafe muss er hinnehmen: Zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilte Riedmann ihn – wegen versuchten Totschlags. Am 19. April 2016 hatte Hassan A. fünf Mal auf Basel R. (25) geschossen, weil der ihm die Ehefrau ausgespannt hatte. Zweimal wurde das Opfer getroffen. Laut Riedmann „quer durch den Oberkörper“, dazu ein Streifschuss.

Es war ein Eifersuchts-drama, das mit einer Schießerei in der Maxvorstadt geendet hatte! Nur mit viel Glück überlebte Basel R. In ihn hatte sich Lailan A. verliebt, trotz zweier Kinder verließ sie ihren Ehemann. Das hatte Hassan A. tief verletzt. Am Tattag sollte es zur Aussprache zwischen den Männer kommen. Doch dafür besorgte A. sich einen Revolver.

Schon eine Stunde vor dem Treffen in der Zentnerstraße schrieb Hassan A. auf Facebook: „Wenn es so weit ist, habe ich alles getan, was ich tun musste.“ Laut Riedmann wollte er seinen Kontrahenten töten. Doch als Basel R. die Waffe sah, bat er Lailan A. per SMS die Polizei zu rufen. Innerhalb von Minuten trafen die Beamten ein. Dann der Schock: Als Basel R. zu ihnen rannte, schoss Hassan A. hinterrücks auf ihn. 14 Mal feuerten die Beamten zurück. Trotzdem verfolgte er sein schwerverletztes Opfer, hielt ihm die Waffe an den Kopf. Doch als er erneut abdrückte, war sein Magazin leer. Während er nachlud, konnte Basel R. flüchten – und die Polizisten schossen dem Täter in den Schenkel. Drei Stunden lang verschanzte er sich blutend hinter einem Auto. Dann klärte ein Spezialkommando die Lage.

„Er wusste, dass er Frau und Kinder nicht zurück bekommt. Deshalb schoss er, als die Polizei eintraf - um selbst getötet zu werden“, erklärte Riedmann. Die Mordmerkmale der Heimtücke und niedrigen Beweggründe sah er nicht erfüllt.

Bewährung für Schubser

Sein Aufatmen war durch den ganzen Saal zu hören! Nicholas S. (27) kam Dienstag mit einer Bewährungsstrafe davon. Richter Riedmann verurteilte wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die Strafe von zwei Jahren muss der Angeklagte aber nicht im Gefängnis verbringen – sondern durfte nach der Verhandlung nach Hause gehen.

Der Fall war ebenso kompliziert wie tragisch. Am 18. Dezember 2015 hatte Nicholas S. in der Kultfabrik gefeiert. Nach stundenlanger Sauftour traf er nachts auf Manuel R. und geriet in Streit. Nicholas S. schubste den Gitarristen, laut Riedmann „mit beiden Händen gegen die Brust“. Manuel R. verlor das Gleichgewicht, fiel gegen die Wand der Tempel Bar und sackte zu Boden. Bitter: Sanitäter versorgten den Verletzten und teilten auch den Ärzten ihren Verdacht auf ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma mit. Aber erst am Tag später wurde Manuel R. eingehend untersucht – denn er wachte nicht mehr auf und war durch Hirnblutungen ins Koma gefallen. Laut Riedmann lag kein Kunstfehler vor. Grund: Nicht jeder Betrunkene, der aus der Disco eingeliefert wird, könne sofort in den Computer-Tomografen geschoben werden. Am Ende habe die Mutter mit den Ärzten entschieden, dass Manuel R. nicht weiter therapiert wird. Er starb am 2. Januar 2016, wäre sonst schwerstbehindert gewesen.

Riedmann urteilte milde und sah den Fall auch durch die unglücklichen Umstände als minderschwer an – sonst hätten dem Täter bis zu 15 Jahren Haft gedroht.

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