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Leben auf der Baustelle: Abt Johannes Eckert im Keller von St. Bonifaz.

Gastfreundschaft wird weiter gepflegt

Für 20 Millionen Euro: Kloster St. Bonifaz vor umfangreichster Sanierung seit dem Krieg

Auf das Münchner Kloster Sankt Bonifaz kommen die aufwendigsten Sanierungsarbeiten seit 70 Jahren zu. Die Mönche müssen zweimal umziehen, erfreuen sich aber weiter ihrer Gäste.

München - Aus ist es mit der himmlischen Ruhe im Kloster Sankt Bonifaz: Bei den Mönchen in der Abtei wird es die kommenden drei Jahre laut und dreckig. Die umfassendste Sanierung seit dem Wiederaufbau des Klosters nach dem Zweiten Weltkrieg steht bevor. Damals zerstörten Bombeneinschläge die Basilika zu großen Teilen. Saniert wurde seitdem nur notdürftig.

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„Unser Ziel ist es, dass wir hier wohnen bleiben dürfen“, sagt Abt Johannes Eckert und lacht. Dann wird er wieder ernst: Angerostete Blechdächer, undichte Kanalisation und Mängel im Brandschutz machten die Sanierung „bitter notwendig“.

Der Schein trügt: Hinter der Fassade ist St. Bonifaz eine Baustelle.

Umbau wird 20 Millionen Euro verschlingen

Der gesamte Gästetrakt soll erneuert werden. 21 moderne Zimmer wird es dann für Besucher geben. Auch die Küchen- und Lagerräume für die Obdachlosenarbeit werden saniert. 20 Millionen Euro soll der Umbau kosten. Elf Millionen decken Zuschüsse und Fördergelder ab. „Wir sind unseren großzügigen Unterstützern sehr dankbar“, sagt Abt Johannes. „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft.“

Für die Benediktiner ist es eine wichtige Aufgabe, ihre Gastfreundschaft weiter zu pflegen. „Deswegen der Gästebereich“, erläutert Eckert. „Studierende, Mönche oder Urlauber, die sich zurückziehen wollen, sind bei uns herzlich willkommen.“ Tagtäglich werden in der Abtei 250 Obdachlose bekocht, und das bleibt auch während der Bauarbeiten so. „Wir wollen den Menschen ein kleines Stück Heimat erhalten“, sagt Frater Emmanuel Rotter, Leiter der Obdachlosenarbeit.

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Eine der Gästezellen, die von Grund auf saniert werden.

15 Benediktiner nennen Abtei ihr Zuhause

Und was ist mit den Mönchen? Immerhin wohnen 15 Benediktiner in der Abtei. „Wir werden zweimal umziehen müssen“, sagt Abt Johannes. Zuerst in den Westtrakt, dann zurück in den Osttrakt. Abgesehen von Lärm und Dreck müssen sich die Benediktiner auch an viele Überraschungen gewöhnen: „Wir hatten mal ein paar Tage kein warmes Wasser, einen ganzen Nachmittag keinen Strom und die Heizung ist auch ab und zu ausgefallen“, erinnert sich Abt Johannes. „Und wir müssen uns wohl noch auf einiges einstellen.“ Die Mönche nehmen es aber locker: Immerhin hat nun jeder von ihnen ein eigenes kleines Badezimmer. Das haben sie sich vorher zu siebt teilen müssen.

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Im Zellengang haben Arbeiter den Fußboden herausgerissen.

Von der Baustelle ist zwar keiner richtig begeistert, trotzdem freuen sich die Benediktiner über die längst überfällige Sanierung. „2005 ist aus der oberen Etage Wasser durch die Decke gerauscht“, erinnert sich Frater Emmanuel Rotter. Die Klosterküche hätte demnächst wegen Hygienemängeln schließen müssen, der Keller war unbenutzbar und die Stadt hat schon gedrängt, die Abwasserkanäle zu sanieren. Weil der Brandschutz längst nicht mehr modernen Anforderungen genügte, hätte es sogar gefährlich für die Mönche und ihre Gäste werden können - das wollten die Benediktiner nicht länger dulden. „In den nächsten Jahren ist alles ein bisschen provisorisch“, sagt Abt Johannes. „Aber für mich ist es eine spannende Zeit.“

Bekommt eine neue Küche: Emmanuel Rotter, Leiter der Obdachlosenarbeit.

Kathrin Braun

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