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Kabarettistin Martina Schwarzmann ist gerade nicht zum Lachen zumute: Vor Gericht streitet sie gerade um die Urheberschaft einer Redewendung.

Streit um boarischen Spruch

Spruch von Martina Schwarzmann geklaut? Jetzt soll ein Gutachter Licht ins Dunkel bringen

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Weil ein Versandhändler aus Lenggries T-Shirts mit einem flotten Spruch in bayerischer Mundart verkaufte, steht er nun vor Gericht. Die Kabarettistin Martina Schwarzmann beansprucht die Redewendung als ihr geistiges Eigentum. Nun soll ein Gutachten helfen.

Update vom 9. Juli 2019: Der Urheberrechtsstreit um den Satz „Mir langts, dass i woas, dass i kannt, wenn i woin dad“ geht weiter. Ein Experte für bayerischen Dialekt soll nun klären, ob der Spruch wirklich alt oder neu erfunden ist. „Es wird ein schriftliches Sachverständigengutachten eingeholt“, sagte eine Gerichtssprecherin am Dienstag. Den entsprechenden Beweisbeschluss habe die Zivilkammer des Landgerichts München I gefasst.

Um den Ursprung des Satzes streiten sich seit Ende Mai ein T-Shirt-Hersteller und eine Münchner Plattenfirma. Der Unternehmer hatte den Spruch auf T-Shirts gedruckt. Er behauptete zum Prozessauftakt, der Satz sei eine bestehende Redewendung, die er von seiner Mutter kenne - und diese habe sie von ihrem Vater übernommen. Außerdem könne er „Hunderte von Zeugen nennen, die den Spruch aus der Kindheit und Jugend kennen“.

Die Plattenfirma will den Abdruck des Satzes verbieten. Sie hat den T-Shirt-Hersteller wegen Urheberrechtsverletzung verklagt. Der Spruch sei erst 2008 mit dem Lied „Mia glangt, dass i woaß, dass i kannt“ der Kabarettistin Martina Schwarzmann bekanntgeworden, argumentiert die Plattenfirma. Das Angebot des Beklagten, die Kabarettistin mit einem Euro pro T-Shirt am Verkauf zu beteiligen, lehnte die Gegenseite beim Prozessauftakt ab.

Erstmeldung: Plattenfirma verklagt Modelabel wegen Spruch

München - Mei, die Martina. Die bringt seit Jahren die Menschen zum Lachen. Doch auch bei der Kabarettistin hört der Spaß auf – spätestens dann, wenn ein Spruch, den sie für ihr geistiges Eigentum hält, auf ein T-Shirt gedruckt und verkauft wird. Urheberrecht – darum geht es jetzt in einem Zivilprozess am Landgericht: Dort verklagt Schwarzmanns Plattenfirma einen Versandhändler, der den Satz aus ihrem Liedtext auf das Oberteil schreibt. „Mia glangt dass i woaß dass i kannt“, heißt der Hit im Original. Im Refrain singt Schwarzmann: „Na mir glangt dass i woaß dass i kannt wenn i woin dad.“ Ein starker Song – und ein Plädoyer für Entschleunigung in unserer hektischen Zeit. 

Beschuldigter verkauft T-Shirts mit Statements auf Boarisch 

Fabio C. betreibt seit 2012 ein Geschäft, bei dem bairischer Dialekt auf T-Shirts gedruckt steht: Darunter auch eines mit dem nun umstrittenen Spruch „Mir langts dass i woas dass i kannt wenn i woin dad“. Leicht abgewandelt vom Orginal – und originell. Findet die Plattenfirma aber nicht – und will den Verkauf unterbinden. 

Gegenstand des Gerichtsstreit ist dieser Spruch. Martina Schwarzmann will dessen Verwendung als Druck auf T-Shirts der Firma Oberlandla verbieten lassen. 

Der Schwarzmann glangt’s – denn sie wurde vor dem Verkauf nicht um ihr Einverständnis gefragt. Im Prozess geht’s um eine Unterlassungserklärung und Folgeansprüche. Streitwert: 30 000 Euro. Vor Gericht argumentiert die Plattenfirma, dass Schwarzmann den Spruch erfunden habe – und die Rechte besitze. 

Martin Schwarzmann: T-Shirts sollen ihren Geschirrtüchern Konkurrenz machen

Zudem wolle die Künstlerin nicht, dass Fans mit den T-Shirts ihre Auftritte besuchen. Sie hat ihre eigene Werbung und vertreibt Geschirrtücher mit dem Spruch „Mia glangt dass i woaß dass i kannt wenn i woin dad.“ Fabio C. hält dagegen: Der Spruch sei allgemeiner Sprachgebrauch. „Ein Dialekt ist nicht urheberrechtlich geschützt“, sagt sein Anwalt Urs Verweyen. Fabios Mutter, eine Ur-Bayerin, habe den Spruch früher schon gesagt. Kläger-Anwalt Franz Erlmeier glaubt das aber nicht: „Ich habe einen 100-jährigen Bayern gefragt, der kannte die Redewendung nicht.“ Zur Einigung kam es am Dienstag nicht – beide Parteien lehnten einen Vergleich ab. Jetzt muss wohl ein Sachverständiger aussagen.

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