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Am 26. Februar ist Starkbieranstich im Löwenbräukeller.
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Bernhard Kliem, Christian Springer und Wirt Chirstian Schottenhamel freuen sich auf den Starkbieranstich.

Löwenbräukeller: Starkbieranstich mit Christian Springer

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München - Zum fünften Mal liest Christian Springer beim Triumphator-Anstich den Großkopferten die Leviten – erstmals nicht als „Fonsi“, sondern als kritisch-bissiger Privatmensch. Dessen Ankündigung, heuer besonders viel Optimismus verbreiten zu wollen, sollte man nicht zu ernst nehmen.

Besser kann es für einen Kabarettisten kaum kommen: „Man muss schauen, was man weglässt“, beschreibt Christian Springer bei der Pressekonferenz im Löwenbräukeller die Themenlage. Am 26. Februar wird er im Festsaal seine Rede halten – einen Tag nach Luise Kinseher auf dem Nockherberg und gut vier Wochen vor Django Asül beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus. Dieses Dreigestirn im Dunstkreis von Bier, Brauchtum und Kabarett stehe nicht in Konkurrenz zueinander, versichert Springer. Dazu seien die Veranstaltungen zu unterschiedlich. Er muss es wissen, er hat schließlich schon auf allen drei Hochzeiten getanzt und zählt die Kollegen allesamt zu seinen Freunden.

Während auf dem Nockherberg vorwiegend Bundes- und Landespolitiker vor geladenem Publikum durch den Kakao gezogen werden, finde im Löwenbräukeller „der Münchner Starkbieranstich“ statt. „Wir brauchen keine Untertitel, wir können bairisch reden“, sagt Wirt Christian Schottenhamel.

„Das ist schön“, sagt Springer und verspricht: „Es wird die optimistischste Rede, die ich jemals gehalten hab’, sonst woana uns langsam d’ Leit.“ Die Ursache des „großen Weltschmerzes“, den er beobachtet: „Im Moment kommt der Islamist. Und wenn der nicht kommt, kommt der Kosovare. Und wenn der nicht kommt, dann kommt der Grieche und nimmt uns das ganze Geld. Und wenn der Grieche nicht kommt, dann kommt auf jeden Fall die Grippe oder Ebola, irgendwas kommt immer.“ Da könne er nicht auch noch „neihaun“, versichert Springer und versucht Zweifler mit treuherzigem Blick zu überzeugen: „I bin a Sechzger, da ist man sowieso Optimist.“

Christian Springer engagiert sich seit vielen Jahren für Flüchtlinge in und aus Syrien. Kann er angesichts des Leids, das er dort sieht, hiesige Probleme überhaupt noch ernst nehmen? Der 50-Jährige nickt. „Wir leben hier zum Glück nicht im Krieg“, sagt er dann. „Aber die Schere zwischen Arm und Reich klafft auch bei uns immer weiter auseinander.“ Man müsse die Sorgen der Menschen „aus der Situation heraus sehen“. Und dann sei klar: „Gegen die Armut, die auch bei uns um sich greift, muss man was tun!“

Und dann ist da ja noch die Konzertsaal-Debatte, die er durchaus nicht nur als „Thema für die Großkopferten“ begriffen wissen will: „Hier geht es um eine ganz andere Frage: Wofür gibt eine Gesellschaft Geld aus?“, sagt Springer ernst. Man dürfe an der Kultur nicht am allermeisten sparen, selbst wenn „als Folge einer katastrophalen Finanzpolitik in der westlichen Welt das Geld hint’ und vorn fehlt“.

Springer ist drauf und dran, sich in Rage zu reden. Nein, bei allem Optimismus: Angst, dass seine Rede langweilig werden könnte, braucht niemand zu haben. Das zeigen auch die Textauszüge, die er vorab veröffentlicht hat (siehe Kasten rechts).

Fertig ist die Rede sowieso erst, „wenn sie gehalten wird“, sagt Springer grinsend. Er schreibt noch an ihr, ganz allein im stillen Kämmerlein, wie er versichert: „In meinem Büro hätte sowieso kein anderer Platz, weil es voller Zeitungen ist.“ Und wahrscheinlich wird er auch diesmal zehn Minuten vor dem Auftritt noch letzte Änderungen am Manuskript machen.

Luise Kinsehers Nockherberg-Rede am Tag zuvor werde er sich „definitiv“ anschauen, sagt Springer. Ob er sich davon letzte Anregungen erhofft? Der Bühnen-Profi hebt theatralisch abwehrend die Hände. „Hoffentlich nicht!“, sagt er und lacht. Ein bisserl Konkurrenz gibt es da – Kollege hin, Freund her – offenbar doch.

2014, im Wahlkampf, saßen die Opfer seiner scharfzüngigen Attacken allesamt drunten im Publikum. Springer hofft, dass sie auch diesmal zahlreich erscheinen, die Stadträte, und vor allem die Bürgermeister. Dann wird er ihnen ganz optimistisch einheizen und jenen alten Politikertrick durchkreuzen, der ihn ganz besonders wurmt: dass mit den großen Themen wie Griechenland, Islamismus und ähnlichem „von den lokalen Themen abgelenkt wird“. Und gerade die hat er reichlich auf Lager: „Wie an den Schulen gespart wird, ist eine Frechheit“, ruft er, und muss sich schon wieder bremsen, damit aus dem Gespräch kein Auftritt wird. Auch dass es noch immer kein Konzept zur Betreuung der „mehr als 3000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in München“ gibt, will er den Verantwortlichen vorhalten.

Dazu braucht es keinen „Fonsi“. Das kann Christian Springer selber. Im Grunde, so erzählt er, sei er schon bei den letzten Auftritten im Löwenbräu-Festsaal mehr er selbst gewesen als die Kunstfigur „Fonsi“, die er vergangenes Jahr beerdigt hat. Eine neue hat er nicht geschaffen, und er hat es auch nicht vor. Christian Springer genügt sich selbst. Nur eine Frage treibt ihn um, jetzt, da die immer ein wenig zu kleine Uniform des Kassenwarts von Schloss Neuschwanstein am sprichwörtlichen Nagel hängt: „Ich weiß nicht, was ich anziehen soll.“

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