Großeinsatz am Dienstagabend

Nach Schießerei: 24-jähriges Opfer in Lebensgefahr

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    Johannes Heininger
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München - Nach der Schießerei in der Maxvorstadt am Dienstagabend schwebt das 24-jährige Opfer in Lebensgefahr. Polizei und Staatsanwaltschaft gaben am Mittwoch neue Erkenntnisse bekannt.

Wie berichtet, hatte ein 40-jähriger Iraker kurz nach 18 Uhr mit einem Revolver auf den Syrer – den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau – geschossen. Dann saß er drei Stunden lang auf der Zentnerstraße und hielt sich die Waffe an den Kopf. Um 21 Uhr warfen Spezialeinsatzkräfte Blendgranaten, die den Mann ablenkten. So konnten sie ihn überwältigen. Hintergrund der Schießerei ist ein eskalierter Sorgerechtsstreit.

Spezialeinheiten waren in der Zentnerstraße im Einsatz.

Schon lange müssen sich Hassan A. und seine 24-jährige Ex-Frau um die beiden gemeinsamen Kinder gestritten haben. Seit 2011 lebten die beiden in München, sind Eltern einer vierjährigen Tochter und eines elf Monate alten Sohnes. Vom August 2015 ist laut Staatsanwaltschaft ein Vorfall häuslicher Gewalt aktenkundig. Im Oktober 2015 kam es erneut zu einer Auseinandersetzung wegen der Kinder, bei der ein Küchenmesser gezogen wurde. Wer wen angegriffen hat, konnte nach Angaben von Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch nicht eindeutig geklärt werden. Es habe zwei Anzeigen gegeben, beide Verfahren wurden eingestellt.

Nach dem Streit flüchtete die 24-Jährige mit den Kindern kurzzeitig ins Ausland, der gelernte Gebäudereiniger erstattete Anzeige wegen Entziehung der Kinder. Da das Jugendamt allerdings informiert war und die Mutter die Kinder jederzeit zurückbringen wollte, wurde auch dieses Verfahren eingestellt. Seit diesen Vorfällen im Herbst sind die Kinder in Obhut des Jugendamtes. Sie lebten vorübergehend nicht mehr bei den Eltern. Hassan A. ist zudem bereits wegen kleinerer Vermögensdelikte in Erscheinung getreten.

Nach der Schießerei in der Zentnerstraße: Die Spurensicheurng bei der Arbeit.

Die 24-Jährige war mit ihrem neuen Lebensgefährten, einem Flüchtling aus Syrien, nach Baden-Württemberg gezogen. Offenbar wegen des Streits um das Sorgerecht waren die beiden nach München gekommen. Am Dienstagabend trafen der 40-Jährige und Basel R., der neue Freund der Ex-Frau, offenbar zufällig aufeinander. Die getrennt lebenden Partner hatten unabhängig voneinander einen Termin bei einer Gutachterin. Dabei sollte es um das Sorgerecht für die beiden Kinder gehen. Da sich einer der Termine verzögert hatte, traf Hassan A. auf Basel R., der nach ersten Erkenntnissen in einem Café in der Nähe gewartet hatte. Es kam zum Streit. Der 24-Jährige verständigte offenbar die Syrerin, die die Polizei alarmierte. Als die Beamten gerade eintrafen, schoss der 40-Jährige auf den neuen Freund der Mutter seiner Kinder. Den Revolver hatte er illegal bei sich und offenbar in Tschechien besorgt.

Die Polizei versuchte, den 40-Jährigen zu stoppen. Während des Einsatzes gaben zwei Beamte 15 Schüsse ab. Ein Schuss traf Hassan A. am rechten Oberschenkel. Laut erster Einschätzung der Staatsanwaltschaft bestehen keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit des polizeilichen Schusswaffengebrauchs. Das Landeskriminalamt ermittelt.

Basel R. trafen zwei Schüsse am Oberkörper und einer am Oberarm. Eines der Projektile stamme möglicherweise aus einer Polizeiwaffe, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit – ein Querschläger. Die Staatsanwaltschaft will gegen Hassan A. Haftbefehl wegen versuchten Mordes aus niederen Beweggründen beantragen.

Die Polizei sucht nun vor allem Zeugen, die den Anfang des Streits mitbekommen haben (Hinweise an Telefon 089/29 10-0).

Am Mittwochvormittag informierte die Polizei in einer Pressekonferenz über die Ereignisse. Deren Verlauf finden Sie hier im Ticker zum Nachlesen und hier im Video.

Schießerei in der Maxvorstadt - Bilder

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