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Das Studio Isabella an der Ecke Neureuther-/Isabellastraße.

Lange Tradition in München

Nach 100 Jahren in der Maxvorstadt: Gehen in diesem Kino bald die Lichter für immer aus?

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Erst im Frühjahr musste mit dem Gabriel Filmtheater das älteste Lichtspielhaus Münchens seinen Betrieb einstellen, jetzt hat auch das Studio Isabella in der Maxvorstadt zu kämpfen.

Stolz und unbequem saßen die Cineasten der ersten Stunde auf harten Hockern vor der Leinwand. „Wie im Theatiner gab es hier Filmkunst pur“, sagt Kinobetreiber Louis Anschütz. Das ist immer noch so. Doch die Zeiten sind härter geworden. Das Studio Isabella muss kämpfen, wie alle kleinen Häuser. Seit 12. Juli 1919 – also seit genau 100 Jahren – hält sich das heutige Kultkino tapfer in einem versteckten Winkel der Maxvorstadt.

Maxvorstadt: Das Studio Isabella zeigt Filme auf Spanisch

Anschütz trat das Erbe des großen Kino-Pioniers Fritz Falter 1980 an. Falter hatte bereits mit dem Occamkino (heutiges Lustspielhaus) für großes Aufsehen gesorgt. „Das Occam war wohl das erste Programmkino in Deutschland“, sagt Anschütz. Gezeigt wurden ausländische Filme in Originalfassung mit Untertitel (OmU). Heute ist das Isabella an der Ecke Neureuther-/Isabellastraße eine der Top-Adressen für Fans ausgesuchter Filme in der OmU-Fassung. „Wir haben viele Stammgäste.“ Großen Anklang finde die Reihe Cine Espanol: Jeden Mittwoch läuft ein Film aus Spanien oder Lateinamerika im Original mit Untertitel.

Der US-Kultfilm „Harold und Maude“ war Anfang der 1970er-Jahre der erfolgreichste Film des Isabella. Das war noch zu Zeiten von Fritz Falter, aber auch Anschütz kannte noch volle Kassen. Zum Jubiläum lässt er alte Zeiten aufleben – und bringt Harold und Maude im Rahmen der Filmkunstwochen ins Kino zurück (28. Juli, 20.30 Uhr). Am 24. Juli findet von 17 bis 22 Uhr ein Straßenfest statt.

Der Kampf der kleinen Kinos begann in den 1980er-Jahren, als sich immer mehr „Schuhschachtelkinos“, Vorläufer der großen Multiplexe breit gemacht haben. Die Digitalisierung tat ihr Übriges. Seither nimmt das Kinosterben seinen Lauf. Erst im April hat das „Gabriel Filmtheater“ nach 112 Jahren als ältestes Kino der Stadt dicht gemacht.

Programmkinos in München: In der Nische einzigartig 

Heute gehören Einsaalkinos zum Auslaufmodell, wirtschaftlich schwierig zu betreiben: „Wir können nur zwei bis drei Filme am Tag zeigen. Keine 20.“ Nischen gebe es kaum mehr: „Der Mainstream hat sich totgelaufen. Heute spielen jeder nur noch Arthouse-Filme.“ Filme, die außerhalb der großen Studios mit geringem Budget und ohne große Spezialeffekte gedreht werden. Am besten passen die aber immer noch zu dem leicht verkommenen Charme des kleinen Kultkinos in einem versteckten Winkel der Maxvorstadt...

Das Kinosterben

Das Gabriel war das älteste Kino der Stadt.

Es ist ein Kampf ums Überleben. Und er sieht in Zeiten von Streamingplattformen wie Netflix nicht gut aus. Im April hat das älteste Kino Münchens, das 112 Jahre alte Gabriel Filmtheater an der Dachauer Straße dicht gemacht. Vor drei Jahren schloss das Eldorado in der Sonnenstraße seinen Vorhang für immer – wo früher 45 Jahre lang eine Leinwand war, lagern seit drei Jahren Shampoos und Co. einer großen Drogeriekette. 2012 ist das Atlantis an der Schwanthalerstraße untergegangen. Ein Jahr zuvor haben sich die Kultkinos Tivoli und das Filmcasino verabschiedet. 2001 das Stachus Kinocenter. Und wie die Münchner kürzlich erfuhren, steht ein weiteres Münchner Kultkino vorm Aus: Das Filmspielhaus Münchner Freiheit geht in Isolvenz.

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Kinosterben in München: Betreiberin Alexandra Gmell istim Gabriel Kino in der Dachauer Straße aufgewachsen - was sie über die deutsche Kinokultur zu sagen hat, erschüttert.  Warum das einzige Kino am Tegernsee überlebt hat, verrät seine Betreiberin im Gespräch mit unserer Zeitung. 

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