Hassan A. (41) versteckt sein Gesicht vor den Gerichts-Fotografen.

Großeinsatz im April 2016

Angeklagter gesteht: „Ja, ich habe geschossen“

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Mitten in der belebten Maxvorstadt streckte Hassan A. im April 2016 den neuen Partner seiner Ex-Frau nieder. Jetzt muss sich der 41-Jährige vor Gericht verantworten.

München - Was ihm lieb und teuer war, hatte Hassan A. (41) längst verloren: Seine Ex-Frau Lailan (25) verließ ihn im Oktober 2015 und nahm die beiden Kinder mit. Ihren neuen Freund, Mohammad R. (25), hatte er im April 2016 in der Maxvorstadt niedergeschossen. Jetzt steht er wegen versuchten Mordes vor Gericht. Und lächelt. Aus dem Publikum im Gerichtssaal grüßen ihn Freunde und Familien-Mitglieder. Hassan A. winkt zurück. Als wäre er im Café. Dabei geht es für ihn um Alles: Dem Iraker droht lebenslange Haft.

Anklage geht von Heimtücke aus

„Ja, ich habe geschossen“, ließ er gestern über seine Verteidigerin Ricarda Lang verlesen. Die Vorwürfe räumt er ein. Wie oft er aber geschossen hat: Das weiß Hassan A. angeblich nicht mehr. Im Prozess kommt heraus: Es waren drei Mal – mit dem Ziel, Mohammad R. zu töten. Laut Anklage hatte er heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt. Denn in dem neuen Freund seiner Ex-Frau habe Hassan A. „den Hauptverantwortlichen für das Scheitern seiner Ehe und den Verlust seiner Kinder“ gesehen, wie Staatsanwalt Laurent Lafleur ihm vorwarf. Hassan A. habe beschlossen, seinen Kontrahenten „zu töten, um reinen Tisch zu machen.“

Am 19. April 2016 lauerte der Angeklagte dem Paar zunächst vor einer Arztpraxis auf. Aber seine Ex-Frau, mit der um das Sorgerecht stritt, wollte nicht mit ihm sprechen. „Sie hatte mir die Kinder weggenommen und wollte noch Geld von mir“, sagt Hassan A. „Ich zahlte ihr 5000 Euro. Dafür wollte sie auf das Sorgerecht verzichten.“ Was sie aber nicht getan habe – und stattdessen angeblich mehr Geld forderte. Das wollte A. klären. In der Maxvorstadt wimmelte Mohammad R. ihn ab. Beide Männer vereinbarten aber ein Treffen in einem Café für den Nachmittag. „Ich ging heim und holte meinen Revolver, den ich mir Tage zuvor in der Stadt besorgt hatte“, sagt Hassan A. „Ich hatte Angst vor ihm, er hat mir ständig gedroht“, begründet er.

Unvermittelt soll er später die Waffe gezogen und auf Mohammad R. geschossen haben, der blutend zusammensackte, aber zu fliehen versuchte. Hassan A. holte ihn ein und soll noch weitere Male abgedrückt haben – aber sein Magazin war leer.

Am 19. April 2016 wurde Mohammad R. (25) in der Maxvorstadt niedergeschossen. Das versuchte Tötungsdelikt hatte einen Großeinsatz der Polizei provoziert. Erst nach Stunden konnte ein Sondereinsatzkommando den Angeklagten überwältigen, der jetzt vor Gericht gestanden hat

Lesen Sie hier: S chießerei in der Maxvorstadt - Protokoll eines Nervenkriegs

Die lebensgefährliche Szene beobachteten Polizisten, die mittlerweile eingetroffen waren. Denn zu Beginn des Treffens hatte Lailan A. auf ein Zeichen ihres Freundes hin den Notruf gewählt. Mohammad R. schien gewusst zu haben, dass etwas nicht stimmte. „Ich sah den Polizisten schon und hob sofort die Hände“, sagte er aus. „Dann gab es einen lauten Knall und ich spürte meinen Arm nicht mehr. Ich rannte los, aber verlor das Gleichgewicht. Dann sah ich Hassan über mir. Ich dachte, er bringt mich um.“ Zwei Schüsse fielen. „Ich habe ihn noch weggeschubst. Danach weiß ich nichts mehr.“

Eine Kugel verfehlte knapp sein Herz

Im Krankenhaus wird er später notoperiert. Denn auch ein Schuss der Polizei hatte ihn getroffen, die eigentlich auf Hassan A. zielte. „Eine Kugel traf nur Zentimeter neben mein Herz.“

Längst war in der Schleißheimer Straße ein Großeinsatz der Polizei im Gange. Erst nach Stunden bekam ein Sondereinsatz-Kommando die brenzlige Lage in den Griff. Denn Hassan A. hatte sich hinter einem Auto verschanzt und drohte, sich selbst zu richten. Spezialkräfte konnten ihn am Ende überwältigen. Auch er wurde mehrfach angeschossen.

Vor Gericht sah er seine Ex-Frau nun erstmals wieder. Die Trennung im Oktober 2015 hatte er nicht gut verkraftet. „Ich stand wochenlang unter Dauerstress“, sagt A. Auch, weil Mohammad R.s Freunde ihn eingeschüchtert hätten. Mit ihm war Lailan A. früher bereits zusammen.

Das Urteil soll am 2. Juni fallen.

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