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Freiraum mit Potenzial: Die Wiese zwischen der Pinakothek der Moderne und der Alten Pinakothek als Vision mit Wegverbindungen.

Verbindendes Areal zwischen den Museen

Das soll mit der Grünfläche zwischen den Pinakotheken passieren

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Selten waren Zuschauerplätze in einer Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Maxvorstadt so knapp wie am Dienstagabend.

Schließlich ging es um die Kunst – oder besser gesagt: den Ort, wo man sie in München geballt findet. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) präsentierte dem Gremium und den zahlreichen Interessierten den lang unter Verschluss gehaltenen „Masterplan Freiflächengestaltung“ für das Kunstareal rund um die Pinakotheken.

Welche Maßnahmen Freistaat und Stadt vorsehen, um die wahllos scheinende Anordnung von Architektur verschiedenster Epochen zu einer gemeinsamen Identität zu führen, war mit Spannung erwartet worden. Wer jedoch einen Schritt-für-Schritt-Plan mit konkret budgetierten Aktionen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Vielmehr lieferten Spaenle und der Landschaftsarchitekt Ralf Voss vom beauftragten Gestaltungsbüro Vogt in Zürich theoretische Ideen, auf deren Basis das Areal weiter entwickelt werden kann.

Bestuhlung und Fußballflächen

Aufgrund der gewachsenen Struktur brauche man statt schneller Durchführung eine organische Entwicklung, sagte Voss. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, wie ein Beispiel zeigt: Unter den 1144 alten Bäumen der Anlage, so ein Ergebnis seiner umfangreichen Bestandsanalyse, befänden sich neben Eschen und Robinien vor allem Rosskastanien, allesamt anfällig für Schädlinge, denen bei Befall nur durch Abholzung im großen Radius beizukommen sei. Daher sei eine sukzessive Auffrischung der Bepflanzung nötig, um den Bestand gesund zu halten, den Freizeitwert der Fläche zu garantieren und sie leicht nachvollziehbar zu strukturieren.

Freiraum mit Potenzial: Die Wiese zwischen der Pinakothek der Moderne und der Alten Pinakothek im Ist-Zustand.

Da es sich beim Kunstareal nicht um einen klar begrenzten Raum wie die Museumsinsel Berlin handle, laufe die gesamte Vernetzung der Institutionen über den Außenraum, erklärte Voss. Hierzu sei ein einheitliches Konzept von Wegebelag und -führung über Beleuchtung und Hinweisschilder bis hin zu vordergründig Banalem wie Papierkörben und Sitzbänken nötig. Spielerisches wie freie Bestuhlung und Fußballflächen sowie gemeinsames Kuratieren auch von Außenprogrammen trage darüber hinaus zur besseren Wahrnehmung der „Marke Kunstareal“ (Spaenle) bei.

Es soll ein „Platz von Weltgeltung“ geschaffen werden

Mit dem Masterplan will der Minister laut eigener Aussage die Gestaltung der „intellektuellen Strahlkraft des Areals anpassen“ und einen „Platz von Weltgeltung“ schaffen. Um den Plan weiter zu entwickeln, würden Freistaat und Stadt unter Mitwirkung „eng zusammenarbeiten“.

Bis es konkreter wird, muss Symbolik reichen: Ralf Voss bezeichnet die künftige Einbettung der Museen, Galerien und Hochschulen als „Konglomeratsgestein“ mit vielen unabhängigen Einzelmineralien. Dass der Prozess einer solchen Verbindung dauern kann und Ergebnisse nicht immer vorhersehbar sind, bestätigte ein lebenslanger Maxvorstadt-Bewohner: „Vor 30 Jahren stand genau hier der Zirkus Roncalli“, sagte der BA-Vorsitzende Christian Krimpmann (CSU).

So lange soll es freilich nicht dauern – ab kommendem Frühjahr soll ein Leitsystem in der Innenstadt Münchenbesuchern den Weg in das 500 mal 500 Meter große Areal weisen. Außerdem steht laut den beteiligten Partnern eine gemeinsame Eintrittskarte für die Museen kurz vor dem Durchbruch – wohl der wichtigste Baustein für die gemeinsame Wahrnehmung. Die Karte soll in zwei Varianten kommen: Als Teil eines „München City Passes“, mit dem man freien Eintritt in alle städtischen Museen, aber auch in große Häuser des Freistaats wie das Deutsche Museum oder das Haus der Kunst erhält und die öffentlichen Verkehrsmittel im Innenraum benutzen kann. Und als Bestandteil der „München Card“, die neben der MVV-Nutzung Rabatt-Angebote der verschiedenen Museen beinhaltet. Man sei in „finalen Vertragsverhandlungen“, heißt es auf Anfrage bei der Stadt. Noch im ersten Halbjahr 2018 sei mit einer Einigung zu rechnen.

Von Christina Raftery und Johannes Löhr

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Maxvorstadt – mein Viertel“.

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