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Soll vorerst bleiben: die Villa an der Luisenstraße.

Bezirksausschuss gegen Teilabriss-Pläne

Der Streit um die Paul-Heyse-Villa geht weiter

München - Was passiert mit der Paul-Heyse-Villa? Der Bezirksausschuss lehnt möglichen Kompromiss ab, dass Teile des Ensembles einem Wohnhaus weichen sollen.

Der Maxvorstädter Bezirksausschuss (BA) stemmt sich gegen den Teilabriss des Denkmalensembles. Einen sich abzeichnenden Kompromiss zwischen Stadt, Denkmalschutzbehörde und Eigentümer lehnen die BA-Mitglieder kategorisch ab. Konkret: Die Paul-Heyse-Villa bleibt ein Zankapfel in der Maxvorstadt. Der BA 3 wehrt sich gegen einen möglichen Teilabriss des Gebäudekomplexes nahe der Glyptothek.

Gebäude wie die denkmalgeschützte Villa seien „Teil unserer Seele“, sagte Gesche Hoffmann-Weiss (SPD) am Dienstag in einer Sitzung des Gremiums. Svenja Jarchow-Pongratz (Grüne) prophezeite, irgendwann werde man in der Stadt nur noch das Gleiche sehen, wenn weiter Denkmal um Denkmal falle.

Aktueller Anlass für die emotionalen Auslassungen ist ein Termin, der Ende November vor dem Verwaltungsgericht stattfand. Die Stadt, die Denkmalschutzbehörde und der Eigentümer der Immobilie hatten sich dabei über die Zukunft der Villa an der Luisenstraße ausgetauscht und Kompromissbereitschaft signalisiert. Mitte Januar soll es wohl zu einer Einigung über das 1300 Quadratmeter große Areal kommen, um das seit Jahren ein heftiger Streit tobt.

Die Vorstellungen über die einstige Wohnstätte des Literaturnobelpreisträgers Paul Heyse (1830-1914) gehen weit auseinander, in der Vergangenheit war bereits der Komplettabriss für ein neues fünfstöckiges Wohnhaus im Gespräch gewesen. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass als neuer Eigentümer Carlos Graf Maltzan fungiert, der mit seinem Vater Mortimer Graf Maltzan in Bogenhausen ein Architekturbüro betreibt.

Neue Pläne für das vom Verfall bedrohte Gebäude waren in diesem Sommer öffentlich geworden: Nun sollen nach Willen des Eigentümers lediglich Teile des Ensembles – darunter die Grundstücksmauer sowie der Anbau mit Weinhandlung und Café – einer Tiefgarage und einem Wohnhaus weichen. Mit drei Stockwerken würde dieses die dahinter gelegene und unberührt bleibende Paul-Heyse-Villa nicht überragen.

Auch diese Pläne lehnte der Bezirksausschuss ab, sie bilden nun aber die Grundlage für den sich abzeichnenden Kompromiss zwischen Stadt, Denkmalschutzbehörde und Eigentümer. Auf Antrag der SPD-Fraktion forderte der BA mit großer Mehrheit nun erneut den Erhalt des gesamten Ensembles ohne Einschränkungen, lediglich die FDP-Fraktion stimmte dagegen.

Lesen Sie hier: Geschichtsträchtig aber dem Abriss geweiht - wegen Nachverdichtung

Katharina Blepp (SPD) sagte, wenn man jetzt nachgebe und im Zweifel weitere Luxuswohnungen ermögliche, drohe auch der eigentlichen Villa möglicherweise irgendwann der Verlust des Denkmal-Status. „Was ist das für ein Signal an Investoren?“, fragte Blepp. „Kauft unsere Denkmäler, ihr könnt sie ja eh zerstören?“ Valentin Auer (CSU) sagte, er sehe an der Einigung zwar auch positive Aspekte, da der Blick auf die Villa teilweise freigegeben werde. Doch man dürfe auf keinen Fall zulassen, dass der Bauherr zu viel ändere, gerade im Hinblick auf das Gesamtensemble mit Königsplatz und Glyptothek.

Denkmalschutz greift nicht - viele Fälle

Die ist nicht der einzige Fall denkmalgeschützter oder denkmalwürdiger Bauten, der in letzter Zeit die Gemüter erregt. Erst vor kurzem fiel die Entscheidung, dass große Teile der historischen Gebäude der Tierklinik am Englischen Garten einem Neubau weichen sollen, auch eine Petition im Landtag konnte dies nicht verhindern. In der Schwabinger Sailerstraße  soll außerdem eine ganze historische Häuserzeile weichen, wegen mangelhafter Kommunikation der Behörden. Ein möglicher Abriss und Neubau eines Seitenflügels am Nymphenburger Schloss ist ebenfalls sehr umstritten.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Philipp Nowotny

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