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Ein Meisterwerk der Nachkriegsarchitektur: Seit den 50er Jahren sitzt die Fakultät für Architektur der Hochschule München in diesem Gebäude an der Karlstraße.

Protest gegen Verlagerung

Studierende fordern: Architekturschule soll bleiben

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München - Die Architekturschule soll umziehen: aus ihrem traditionsreichen Gebäude an der Karlstraße in einen Neubau an der Lothstraße. Die Studierenden sind in heller Aufregung – und protestieren dagegen, den Standort aufzugeben.

Filigrane Säulen und eine mit Naturstein verkleidete Fassade, ein Lichthof und luftige Räume: Die Architekturschule an der Karlstraße gilt als Meisterwerk der Nachkriegs-Architektur. Noch dazu liegt sie eingebettet ins Kunstareal, zwischen Museen und Bibliotheken. Kein Wunder, dass auch junge Leute von heute gerne dort studieren. Doch weil sie das wohl nicht mehr lange können, regt sich Protest.

Hochschulleitung und Kultusministerium haben große Pläne: Die drei Fakultäten für Architektur, Bauingenieurwesen und Geoinformation der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München (HM) sollen von ihrem angestammten Platz umziehen – und mit anderen HM-Fakultäten auf dem Campus an der Lothstraße zusammengeführt werden: Im angrenzenden Kreativquartier sollen dazu Neubauten entstehen.

HM-Präsident Michael Kortstock erklärte, ein Ziel sei, „den Austausch zwischen den Fakultäten“ zu fördern. Er hoffe auch auf „Synergieeffekte“, also gegenseitige Bereicherung von Studenten und Dozenten, Kunst- und Kulturschaffenden im Kreativquartier. Fakt ist zudem, dass das denkmalgeschützte Gebäude an der Karlstraße umfassend saniert und ertüchtigt werden müsste. Ohne Sanierung könne es „nur noch wenige Jahre genutzt werden“, so Kortstock.

Doch die rund 400 Studierenden wollen hier nicht weg, und darum laufen seit dem Sommer Protestaktionen. Eine Internetpetition zum Verbleib an der Karlstraße haben mehr als 4300 Münchner unterzeichnet. Das Studentische Parlament der HM votierte einstimmig für den Erhalt des traditionsreichen Standorts, wie Studierendenvertreter Markus Mießlinger sagt. Auch der Freundeskreis der Architekturschule, die Leiter der Institutionen des Kunstareals und Experten für Architektenausbildung unterstützten das Anliegen. Ihr Argument: An diesem Standort könne man eine bessere Architekturausbildung gewährleisten als in einem Neubaugebiet – auch wegen der „Nähe zu herausragenden Zeugnissen der Architekturgeschichte in Bayern“. Mießlinger kritisiert zudem, im Neubau fielen womöglich die studentischen Arbeitsplätze weg, die aber für angehende Architekten – die dort an Modellen basteln – unverzichtbar seien.

Im Dezember, sagt er, habe eine Expertenkonferenz aufgezeigt, wie eine nachhaltige Modernisierung möglich wäre: indem man Studierende mitwirken lässt, die so Praxiserfahrung sammeln. Errichtet wurde das Haus Mitte der 50er-Jahre nach den Plänen der Architekten Franz Ruf, Adolf Peter Seifert und Rolf ter Hearst. Sein leichtes Erscheinungsbild kontrastierte die Monumentalität der Nazi-Bauten und signalisierte damit auch den demokratischen Neuanfang. Dass die Schule an diesem Standort gebaut wurde, hatten Studenten erkämpft. „Diesem demokratischen Engagement der Nachkriegsjahre fühlen wir uns verpflichtet“, teilt Professor Karl Kegler aus dem Freundeskreis der Schule mit.

Der Münchner Architekt Wolfgang Jean Stock schrieb in der Zeitschrift „Bauwelt“ zum Thema: „Es ist schlicht ein Jammer, wie München schon seit längerem mit seinen relativ wenigen bedeutenden Bauten aus der Nachkriegszeit umgeht.“ Auch Mießlinger versteht nicht, warum sich Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) gegen den Abriss des Hauptbahnhofs stark macht, „aber die Architekturschule leichtfertig aufgeben will“.

Die Studierenden bemühten sich seit Monaten, mit Spaenle zu reden, sagt er – vergebens. Er befürchtet nun, „dass auf diese Weise ein wichtiges Anliegen abgebügelt werden soll, während in der Hochschulleitung Fakten geschaffen werden“. Und er fragt sich, warum sich nicht längst der Stadtrat eingemischt hat. Am Mittwoch trifft sich Spaenle mit der HM-Leitung, um über die Aufgabe des Standorts zu reden. Auf Anfrage war der Minister am Sonntag nicht zu erreichen.

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