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Führt eine der letzten Bücher-Bastionen in der Maxvorstadt: Bernhard Kitzinger.

Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich die Maxvorstadt

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - Sagenhafte Bücher schlängeln sich auf Holzregalen durch verwinkelte Räume. Im Hintergrund klappert eine Schreibmaschine. Willkommen im Antiquariat J. Kitzinger, der wohl ältesten Bücher-Bastion Münchens an der Schellingstraße. Mehr als 60.000 Werke warten auf interessierte Leser. Nur kommen kaum noch welche. Denn gelesen würde im Univiertel immer weniger, bedauert Inhaber Bernhard Kitzinger.

Seit 1892 gibt es die Traditionsbuchhandlung an der Schellingstraße. Kitzinger kennt das Geschäft von Kindesbeinen an, wuchs über der Buchhandlung auf. Seit 1994 ist er Teilhaber, 2013 übernahm der ausgebildete Sortimentsbuchhändler das Familienjuwel von seinem Vater. „Die Anfangsjahre waren gut. Wir hatten viele Kunden, die uns über ihre akademische Laufbahn hinweg treu waren. Vom Schüler, der bei uns sein erstes Reclam-Heft kaufte über die Studentenzeit bis hin zum Doktor oder Professor. Doch unsere Stammkunden werden immer älter, viele sind schon gestorben.“ Je spezieller die Kundenwünsche, desto mehr Freude bereitet es dem Literaturliebhaber, das gewünschte Werk zu finden. „Als Antiquar hat man das Sherlock Holmes-Gen in sich“, sagt er.

Doch heute gibt es nicht mehr viel aufzuspüren für Kitzinger. Heute gibt es ja Smartphones und Internet – Informationen häppchenweise präsentiert, bekömmlich aufbereitet. Die Studiengänge sind verschult, gestrafft, verkürzt. „Heutzutage liest ein Bachelor-Student in drei Jahren Studium keine Goethe-Gesamtausgabe mehr. Langzeitstudenten gibt es so gut wie keine mehr. Viele junge Leute haben gar nicht mehr die Konzentration, schwierige Texte zu lesen.“ Gründe, warum jetzt zum Semesterbeginn das Antiquariat leer sei – und die Kneipen voll.

Viele kleine Läden und Hinterhof-Handwerker wurden im Laufe der Jahre raussaniert. Auch Kitzinger muss bangen: Seit der alte Eigentümer des Gebäudes gestorben ist, ist die Zukunft ungewiss. Beispiele für den Abriss eines Altbaus und anschließender Errichtung eines schicken Neubaus mit gesalzenen Mieterhöhungen gibt es in der Nachbarschaft genug.

Hektische Studenten

Geschwister-Scholl-Platz vor der Uni. Das ist seit 35 Jahren Didis Platz. So lange schon verkauft Dieter Schweiger, wie er mit richtigem Namen heißt, Obst und Gemüse an Maxvorstädter, Passanten und Studenten. „Die Studenten sind nach wie vor nett, aber viel hektischer, zielstrebiger und erfolgsorientierter als früher.“ Die Jungen bräuchten heute schnelle Infos: „Wo kann man gut wandern gehen? Was ist der beste Biergarten? Kaufen tun sie eher selten bei mir.“ Aus der „Kramerladen-Klientel“ sei eine „Supermarkt-Klientel“ geworden.

Dieter Schweiger.

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Daniela Schmitt

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