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Frisch saniert: An der Marsstraße 19 entsteht ein Ankunftszentrum.

"Young Refugee Center"

Marsstraße: Erstes Zentrum für junge Flüchtlinge eröffnet im April

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München - Das neue „Young Refugee Center“ (YRC) nimmt am 18. April seinen Betrieb auf. Das Gebäude an der Marsstraße 19 löst den Standort Bayernkaserne ab. Künftig könnten das Zentrum mehr als 10.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge pro Jahr durchlaufen.

Es ist die bundesweit erste zentrale Anlaufstelle dieser Art: Der Stadtrat hatte bereits im Vorjahr beschlossen, das siebenstöckige Bürogebäude in der Nähe des Hauptbahnhofs anzumieten und umzubauen. Hier landen künftig alle jungen Flüchtlinge, die ohne erwachsene Verwandte in München stranden. Das Sozialreferat verspricht sich in dem zentralen Anlaufpunkt eine bessere Betreuung, Unterbringung und Versorgung der jungen Menschen. Mehr als 5000 Quadratmeter Mietfläche stehen zur Verfügung. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Hauptbahnhof und Busbahnhof sowie zum Gesundheitshaus an der Dachauer Straße eignet sich der Standort nach Dafürhalten des Sozialreferats hervorragend als Aufnahmezentrum für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Die gesetzlichen Vorgaben schreiben ein solches Konzept vor

Alle wichtigen Aufgaben werden hier zentralisiert: Die Registrierung der jungen Flüchtlinge, zudem sollen Pädagogen, Psychologen und Ärzte ins Haus kommen. Pools von Dolmetschern und Fachkräften sollen eingerichtet werden, um flexibel auf Notsituationen reagieren zu können. Im sechsten und siebten Stock des Gebäudes wird überdies ein Teilbereich vom Stadtjugendamt genutzt. Aufgrund seit 1. November 2015 geltender, neuer gesetzlicher Vorgaben zur Inobhutnahme Minderjähriger bedarf es dieser grundlegenden organisatorischen und konzeptionellen Ausgestaltung im YRC.

Die Stadt München wird entlastet

Letztlich bedeutet diese Novelle mittelfristig aber auch eine Entlastung für die Landeshauptstadt. Denn seit der Gesetzesänderung werden Minderjährige bundesweit verteilt. Dies zu organisieren, könnte nun erleichtert werden. Für 2016 rechnet das Sozialreferat damit, dass etwa 11.100 Jugendliche das Center durchlaufen werden. 2015 kamen 10.300, die Hälfte wurde verteilt. Das bedeutet: Aktuell leben rund 5100 junge Flüchtlinge in der Stadt. Im Jahr 2013 waren es erst 550 und 2014 etwa 2610. Damit liegt München weit über dem Soll: Sobald die Verteilung nach Königsteiner Schlüssel ausgeglichen ist, müssten in München nach Einschätzung des Sozialreferats weniger als 1000 Jugendliche verbleiben. Die Verweildauer im YRC beläuft sich in der Regel auf maximal vier Wochen, bis die jungen Flüchtlinge in eine dauerhafte Einrichtung wechseln oder in einer anderen Kommune unterkommen. Doch auch im Center selbst gibt es mehr als 200 Plätze.

Die Frage des Sicherheitsdienstes wird noch geklärt.

Der Ausschuss für Standortangelegenheiten für Flüchtlinge befasst sich morgen noch mit dem Sicherheitsdienst. Zunächst soll der Vertrag mit dem bestehenden Dienstleister Jonas Better Place, der derzeit auch in der Bayernkaserne zuständig ist, bis zum 31. August fortgeführt werden. Die Laufzeit des neu zu vergebenden Vertrages wird für weitere fünf Jahre ausgeschrieben. Die Vergabe ist für Juli geplant. Der Stadtrat hatte Ende Februar den Einsatz von 30 Sicherheitskräften bewilligt. 20 sollen im Tagesdienst eingesetzt werden, 16 in der Nachtschicht – mit einer optionalen Aufstockung auf 25 beziehungsweise 21 Sicherheitskräfte in der Nachtschicht. Auf alle Fälle sollen rund um die Uhr Sicherheitskräfte vor Ort sein. In der Beschlussvorlage heißt es: „Die Sicherheitskräfte sollen über gute Deutsch- und Englischkenntnisse, gegebenenfalls Arabisch- oder Französischkenntnisse, über ausgeprägtes interkulturelles Verständnis und konfliktarme Kommunikationstechniken verfügen.“

Der Bedarf basiert auf den Erfahrungen in der Bayernkaserne. Die Präsenz von Sicherheitskräften sei von maßgeblicher Bedeutung, schreibt das Sozialreferat. Viele der Kinder und Jugendlichen hätten Gewalterfahrungen gemacht oder in anderer Weise extrem fordernde Situationen durchstehen müssen. „Sie sind auf sich alleine gestellt und zum Teil schwer traumatisiert. Die psychischen Belastungen führen zu großen Spannungen in den Gruppen, die sich unvermittelt entladen können.“

Ferner würden die zum Teil sehr großen kulturellen Unterschiede zu Spannungen zwischen Bewohnern führen. In der Bayernkaserne kam es laut Sozialreferat häufig zu Streitigkeiten und Handgreiflichkeiten unter den Bewohnern sowie zu Übergriffen auf das Dienstpersonal. Zu sensiblen Bereichen zählen die Abschnitte für die Alterseinschätzung und insbesondere die Warteräume für die Abschiebung. Gemäß den Erfahrungen des Stadtjugendamtes ist hier das Aggressionspotenzial sehr hoch. Der Mädchenbereich im YRC soll in Form einer Zutrittskontrolle durch den Sicherheitsdienst überwacht werden.

Klaus Vick

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