+
Das siebenstöckige Gebäude (re.) steht in Teilen leer, viele Räume sind ungenutzt. Am 8. Juni waren 15 Menschen untergebracht.

Youth Refugee Center an der Marsstraße

Ende des Vorzeigeprojekts? Flüchtlingsheim wird zu teuer

  • schließen

Das Young Refugee Center an der Marsstraße wird für die Stadt München zum Problem. Es kostet viel Geld, momentan sind aber zu wenige Flüchtlinge vor Ort. Das plant die Stadt.

München - Sogar Uli Hoeneß gab sich die Ehre zur Einweihung des Vorzeigeprojektes. Mit dem Young Refugee Center (YRC) hatte die Stadt am 18. April 2016 das bundesweit erste Zentrum für die Erstversorgung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge geschaffen. Dazu hatte das Rathaus einen siebenstöckigen Bürobau an der Marsstraße 19 angemietet. Dieser bietet Platz für 180 junge Menschen, die dort registriert, ärztlich untersucht sowie pädagogisch und psychologisch betreut werden. So lange, bis geklärt ist, wo sie im Anschluss aufgenommen werden. Denn der Bedarf war damals groß in der Landeshauptstadt. Im Jahr 2013 waren in München 550 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gestrandet, im Jahr 2015 waren es sogar 10 300.

Doch jetzt wird das Vorzeigeprojekt zunehmend zu einem Problem. Denn es kommen immer weniger Flüchtlinge nach München. So waren am 8. Juni lediglich 15 unbegleitete Flüchtlinge an der Marsstraße untergebracht. Am 24. März waren es sogar nur acht, im August zuvor aber auch schon mal 70. „Die Zahlen unterliegen permanenten Schwankungen“, sagt eine Sprecherin des städtischen Sozialreferates.

Hohe Mietkosten

Gleichwohl ist der Verwaltung durchaus bewusst, dass die Kosten verhältnismäßig hoch sind. Für die Miete zahlt die Stadt monatlich 131.000 Euro kalt. Die Gesamtkosten der Einrichtung variieren je nach Auslastung. Für den Monat Mai (24 bis 38 zu betreuende Personen) ergaben sich zusätzlich Fixkosten für Personal, Hausmeister und Reinigung von rund 271.900 Euro. Etwa 35 Stellen sind für das YRC vorgesehen, die Mitarbeiter übernehmen aber auch noch andere Aufgaben. Diese Ausgaben erhält die Stadt zwar von der Regierung zurück. Steuergelder sind es aber dennoch. „Die Ankunftszahlen haben sich in den letzten Monaten entgegen aller Prognosen stark minimiert“, sagt die Sprecherin des Referates.

Zur Eröffnung des Young Refugee Centers spielte die Trommelgruppe „Get Together“. OB Dieter Reiter freute sich im April 2016 über das Vorzeigeprojekt an der Marsstraße 19.

Das belegen auch neueste Erhebungen des Landesamtes für Statistik. Demnach ist die Zahl der unbegleitet eingereisten Kinder aus dem Ausland bayernweit um 70 Prozent zurückgegangen. Freilich sei schwer zu sagen, ob dieser Trend anhält, sagt die Sprecherin des Sozialreferates. „Dennoch halten wir die Kosten der Liegenschaft mit Blick auf die aktuellen Ankunftszahlen für zu hoch und arbeitet daher mit Hochdruck an einer kostengünstigeren Konzeption für die Einrichtung.“

Im Wesentlichen hat die Stadt zwei Möglichkeiten. Zum einen die Verkleinerung des Centers an der bestehenden Adresse, zum anderen wäre auch ein Umzug denkbar, etwa an die Nailastraße in Perlach. Die Einrichtung dort ist für 160 Personen ausgelegt, aber derzeit nur zur Hälfte belegt. In Perlach würde sich die Stadt nicht unerheblich Mietkosten einsparen.

Stadt bevorzugt Ort an der Marsstraße

Bleibt das Young Refugee Center an der Marsstraße, müsste es verkleinert werden. „Um wohl zwei Drittel“, sagt Marian Offman, sozialpolitischer Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion. Die übrigen Räume könnten als Büros und für die städtische Kinder- und Jugendhilfe genutzt werden.

Offman würde diese Variante auch bevorzugen. „Wir haben da schon sehr viel Geld investiert. Außerdem liegt das YRC nahe an Bahnhof, Polizei, Kreisverwaltungsreferat und Gesundheitsamt.“ Gegen einen Umzug spräche ferner, dass es gegen den Standort Nailastraße Widerstände aus der Bevölkerung und dem Bezirksausschuss gibt. „Die haben da andere Vorstellungen über die Nutzung.“

Egal ob Umzug oder nicht: Die Stadt muss weiter Plätze für unbegleitete Minderjährige vorhalten. Ob 180 oder 60, ob Mars- oder Nailastraße – darüber soll der Stadtrat in der Sitzung am 22. Juni entscheiden.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite Maxvorstadt – mein Viertel.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neuer Service: Kostenlose Fahrradpumpen für Radler
Damit Münchens Zweiradfahrern nicht mehr so schnell die Luft ausgeht, will die Stadt öffentliche Fahrradpumpen installieren. An zehn Standorten werden Radler künftig den …
Neuer Service: Kostenlose Fahrradpumpen für Radler
Mann entblößt sich im U-Bahnhof - dank Videoüberwachung erwischt 
Durch die Videoüberwachung fällt ein Mann auf, der sich im U-Bahnhof Odeonsplatz vor Frauen entblößt. Er wird noch vor Ort geschnappt. Die Polizei sucht Zeugen - und die …
Mann entblößt sich im U-Bahnhof - dank Videoüberwachung erwischt 
NS-Dokuzentrum: Neue Direktorin in den Startlöchern
Der Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums geht in den Ruhestand. Der Stadtrat hat sich am Mittwoch auf eine Nachfolgerin geeinigt. Die Historikerin Mirjam …
NS-Dokuzentrum: Neue Direktorin in den Startlöchern
Fußgänger läuft vor Bus: Jetzt ist er verstorben
Tragischer Ausgang eines Verkehrsunfalls: Ein Münchner (98) ist Ende September von einem Bus erfasst worden. Nun erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. 
Fußgänger läuft vor Bus: Jetzt ist er verstorben

Kommentare