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Faruk Sazil erlebte den Amoklauf am OEZ aus nächster Nähe mit. Nun fürchtet er um seine Existenz.

KVR sucht nach Alternativen

Amok-Denkmal statt Obststandl: Händler fürchtet um Existenz

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Beim Amoklauf am OEZ konnte ein Obsthändler nur knapp sein Leben retten. Nun bedroht das geplante Denkmal für die Opfer seine Existenz.

München - Er schloss noch die Kasse ab - und rannte dann um sein Leben in den Saturn-Elektromarkt. Obsthändler Faruk Sazil (31) hat den Amoklauf vom OEZ aus nächster Nähe miterlebt. Täter Ali David S. († 18) hatte fünf Schüsse auf Sazils Obststandl vor dem Einkaufszentrum abgefeuert. Bis heute ist der Händler traumatisiert, kämpft wegen Umsatzeinbußen ums wirtschaftliche Überleben.

Seine große Hoffnung: „Ab April dachte ich, alles geht wieder aufwärts“. Dann wäre der Familienvater mit seinem Standl aus der Winterpause zurück vor das OEZ gekommen. Doch nun hat er große Sorgen: Der Platz zwischen McDonald’s und U-Bahnaufgang wird nicht mehr zur Verfügung stehen. Dort soll laut Beschluss des Ältestenrats zum Jahrestags des Amoklaufs ein Denkmal für die Opfer entstehen. Sazil sagt: Ihm sei von der Stadt mitgeteilt worden, er müsse irgendwo anders einen Platz finden - und dann bei der Stadt anfragen, ob er dort stehen dürfe. „Das war ein Schock für mich.“ Seit einem Jahr gehört Sazil das Obststandl, vorher hat er dort sieben Jahre als Verkäufer gearbeitet. Viele Menschen im Viertel schätzen Sazil, setzen sich bei Facebook für den Erhalt seines Standls ein.

Das Denkmal für die Opfer des Amoklaufes soll gegenüber des OEZ auf einer Grünfläche bei der U-Bahnhaltestelle OEZ aufgestellt werden. Es trägt den Namen „Für Euch“.

Sazil selbst hofft, eine Lösung zu finden, dass er doch in der Nähe seines einstigen Stellplatzes bleiben kann. Der Bayerische Landesverband der Marktkaufleute und Schausteller hilft ihm. Vergangene Woche habe eine Ortsbesichtigung mit dem Verband der Marktkaufleute, dem Kulturreferat und der Bezirksinspektion Nord des KVR stattgefunden, so KVR-Sprecher Johannes Mayer auf tz-Anfrage.

Er bestätigt: „Die Gedenkstätte für die Opfer des Amoklaufs soll so platziert werden, dass der dort befindliche Obststand und ein Maronistand weichen müssten.“ Federführend ist das Kulturreferat. Es gebe derzeit keine Lösung für das Obststandl, es würden aber neue Standorte mit Hochdruck geprüft, so ein Sprecher. „Uns ist klar, dass der Betreiber des Standls selbst ein Leidtragender des Amoklaufes ist. Jetzt ist es wichtig, dass wir eine möglichst ortsnahe Stelle finden, an der er seine Geschäfte wieder aufnehmen kann.“

So sieht das Modell des Kulturreferats aus.

Der Amoklauf vom OEZ

Dieser Tag hat sich ins Gedächtnis der Stadt eingebrannt. Am 22. Juli 2016 erschießt der 18-jährige Schüler Ali David S. neun Menschen im und am Olympia-Einkaufszentrum. Nach der Tat versteckt er sich etwa zwei Stunden in einer Tiefgarage einer Wohnanlage in der Henckystraße. Als er diese verlässt, wird er von einer Polizei-Funkstreife entdeckt - und tötet sich selbst. Der Ältestenrat gibt Mitte Februar 2017 der Münchner Künstlerin Elke Härtel den Zuschlag zur Gestaltung eines Denkmals für die Opfer des Amoklaufes, das am Jahrestag der Tat am OEZ eingeweiht werden soll. Zu sehen sein wird ein Ring aus poliertem Edelstahl, der einen Ginkgo-Baum umfasst. Der Baum soll bereits im April gepflanzt werden.

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