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Keine Ruhe: Gertrud Bayer-Lasch auf ihrem Balkon.

Wenn Musik als Lärm ankommt

Anwohner kämpfen gegen Kulturhaus Milbertshofen

So geht’s nicht weiter! Das ist die Botschaft einiger Anwohner, die zur Bürgerversammlung in Milbertshofen-Am Hart gekommen sind. Ihr Ärger richtet sich gegen das Kulturhaus Milbertshofen.

München -  „Wir haben ein massives Lärmproblem“, sagt Wolfgang Lasch, der mit seiner Frau an der Piccoloministraße direkt gegenüber dem knallorangenen Gebäude wohnt.

Von der Terrasse der Laschs kann man über den Zaun in den großen Saal des Kulturhauses schauen. Seit einiger Zeit könnten sie auf dieser Terrasse nicht mehr sitzen, um ein Buch zu lesen, beklagen sie. Das Problem, so die Anwohner: Bei Veranstaltungen und Proben von Musikern im Kulturhaus stehen – vor allem jetzt im Sommer – Fenster und Türen offen. Dabei gäbe es eigentlich eine Vereinbarung, dass die Fenster geschlossen bleiben müssten. Daher müssten sich die Nachbarn tagtäglich alles anhören, was dort stattfindet.

„Sogar am Sonntagmorgen geht das schon um neun Uhr los bis nachmittags um 16 Uhr“, sagt Lasch. Ein Entrinnen sei nicht möglich, selbst in den Wohnungen höre man die Musik noch. Der Grund, warum die Fenster offenstehen, ist bekannt: In dem Gebäude gibt es bislang keine Klimaanlage. „Wir verstehen das ja auch“, sagt Gertrud Bayer-Lasch. „Wir haben das schon selber bei Konzerten gemerkt: Da drinnen ist es heiß.“

Das Ehepaar Lasch hat rund 40 Unterschriften von Nachbarn gesammelt, die fordern, dass etwas gegen die Lärmbelästigung unternommen werde. Konkret haben sie zwei Ideen: Entweder solle die Stadt eine Lärmschutzwand an der Ostseite des Gebäudes errichten oder im Kulturhaus eine Klimaanlage nachrüsten. Einen entsprechenden Antrag verabschiedete die Bürgerversammlung mit großer Mehrheit.

Die Vorsitzende des Kulturvereins Milbertshofen, Angelika Mocciaro, fordert einen Kompromiss: „Das Kulturhaus kann nicht vollkommen geräuschlos arbeiten. Unsere Aufgaben sind Musik, Tanz und Sprache.“ Sie signalisiert jedoch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Man werde in der Sache mit der Stadt und den Nachbarn zusammenarbeiten. Ob Lärmschutzwand oder Klimaanlage – das Kulturhaus werde sich nicht dagegen sperren, wenn die Stadt grünes Licht gibt. „Wir tun alles, was möglich ist. Niemand soll sich auf den Fuß getreten oder gestört fühlen.“ Das Haus am Curt-Mezger-Platz sei schließlich für alle offen und ein Mittelpunkt des Stadtteils.

Das Ehepaar Lasch und die anderen Nachbarn blicken dennoch sorgenvoll in die Zukunft: Direkt nebenan – sozusagen als Anbau des Kulturhauses – entsteht ein „riesen Klotz“, das neue Stadtteilzentrum. Über diesen Bau sei man nicht informiert worden, kritisiert Bayer-Lasch. Keiner wisse: Was kommt dort rein? Zumindest auf diese Frage konnten Vertreter der Stadt eine sofortige Antwort geben: Neben einer Kindertagesstätte im Erdgeschoss sollen dort der Verein für Stadtteilarbeit, die Schülerförderung der Arbeiterwohlfahrt und eine Gruppe einer Tagesmutter Platz finden.

Wie lange das Problem mit den offenen Fenstern noch bestehen bleibt, ist unklar. Im August können sich alle Parteien zurücklehnen: Das Kulturhaus Milbertshofen bleibt den ganzen Monat geschlossen.

Caspar von Au

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