Milbertshofen wird nachts von getunten Sportwagen heimgesucht. Vor allem auf dieser Strecke.

Anwohner klagen

Illegale Straßenrennen: Das ist der Raser-Ring

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Im Münchner Norden klagen Anwohner, vor lauter Lärm können sie nicht mehr schlafen, es gehe zu wie in der Formel 1. Die Polizei wiegelt ab. 

München - Dröhnende Motoren, quietschende Reifen, aggressive Fahrer – Anwohner in Milbertshofen klagen über illegale Straßenrennen. Seit Jahren gehe das so. Die Behörden seien eingeschaltet – allein: Es tue sich nichts. Rund um die Schleißheimer Straße und Ingolstädter Straße habe sich eine Art Rennszene etabliert, sagen Anwohner. Sie raube ihnen den Schlaf und den letzten Nerv. Sudetendeutschestraße, Knorrstraße, Lieberweg, Weyprechtstraße, Schleißheimer Straße, Neuherbergstraße, Ingolstädter Straße – das sei eine beliebte Rennstrecke.

„Porsche, Ferrari, Lamborghini – hier liefern sich die Sportwagen ein Rennen der Oberklasse“, sagt Alvis Schönerger. Er steht am Mittwoch am Tresen des „Galarie Stüberls“ in der Knorrstraße. „Die brettern den Lieberweg lang wie auf der Rennstrecke, ohne Rücksicht auf Verluste.“ Er habe einmal einen weißen Maserati gesehen, der sei fast ins Lokal gerast. „Der Fahrer, kaum über 20, ist einfach weitergefahren. Bei Rot über die Ampel – und weg.“

„Rennen der Oberklasse“: Alvis Schönberger (links) und Robert Lechner in einem Lokal in der Knorrstraße.

Auch andernorts im Viertel heißt es: Autorennen sind hier keine Seltenheit, sondern an der Tagesordnung. Ein Rentner hat mit einer App auf seinem Smartphone bereits mehrmals die Lautstärke gemessen. Über 100 Dezibel habe das Gerät angezeigt. Das entspräche in etwa der Lautstärke eines Presslufthammers.

„Nachts fahren die Raser hier mit geschätzten 120 Sachen lang“, sagt Thomas Horn, Wirt vom Weyprechthof in der Max-Liebermann-Straße. „Wer da nicht schnell genug ausweicht, hat ein Problem. Die Jungs denken gar nicht daran, vom Gas zu gehen. Mit ihren Sportwagen führen die sich auf wie bei der Formel 1.“ Frei nach dem Motto: „Wer bremst, verliert.“ Einmal habe es ihn auf dem Rad fast selbst erwischt. „Wenn das so weitergeht, wird es hier bald einen Unfall geben.“

Auch Katharina Paschking aus der Metzgerei Kollmer in der Sudetendeutschestraße klagt über schlaflose Nächte. Jede Samstagnacht kämen die Raser mittlerweile. „Da kann man nicht mehr schlafen. Da ziehen die Raser ihre Kreise und beschallen das ganze Viertel.“ Wer mit dem Auto mal so richtig Gas geben wolle, solle doch bitte auf den Nürburgring gehen, sagt sie. „Und nicht mitten in ein Wohnviertel!“.

„Rennen sind schon normal“: Katharina Paschking beobachtet die Raserei immer häufiger auch am hellichten Tag.

Die meisten Anwohner sagen: Ja, bei der Polizei fände man schon Gehör. Aber verbessern würde sich nichts. Eine intensivere und flächendeckende Überwachung der Brennpunkte sei wegen des Personalmangels nicht möglich, heiße es. Die leidgeplagten Anwohner wären hingegen schon mit fest installierten Blitzern und Radarfallen zufrieden. „Die Polizei müsste einfach mehr Präsenz zeigen, uns hier nicht im Stich lassen“, sagen die Anwohner.

Der Polizei, heißt es, seien schon häufiger überhöhte Geschwindigkeiten in dem Gebiet gemeldet worden. Offiziell aber heißt es aus dem Polizeipräsidium: „Uns ist dazu nichts bekannt.“

Die Anwohner können darüber nur lachen. Rentner Hugo Wolf (74) wohnt an der Knorrstraße und sagt: „Ich habe schon mal die Polizei angerufen, als ein Raser hier rumfuhr. Der Polizist sagte mir, dass da leider nichts zu machen sei.“ Metzgerin Katharina Paschking sagt: „Bei Sonnenschein kann man den Autos schon regelmäßig beim Rennen fahren zugucken, so normal ist das hier inzwischen.“

Johannes Heininger, Vincent Tschirpke

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