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Abrissreif: Das Haus an der Norderneyer Straße ist aber noch bewohnt. Nachbarn und Lokalpolitiker zeigen sich solidarisch mit den verbliebenen Mietern.

Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart

Lokalpolitiker setzen Signal: Gegen Bauherrn, für Bedürftige

München - Der Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart lehnt Abrisspläne an der Norderneyer Straße ab – schon aus Prinzip. Was dahinter steckt...

Der Bezirksausschuss (BA) Milbertshofen-Am Hart lehnt ein Bauvorhaben an der Norderneyer Straße 10 ab. Die Lokalpolitiker senden damit ein deutliches Signal: So geht’s nicht. Denn noch immer wohnen in dem Abrisshaus Menschen, denen nicht ordnungsgemäß gekündigt wurde.

Nein, überrascht hat es ihn nicht, sagt Michael Hübsch von der Interessengemeinschaft (IG) Norderneyer Straße 10. Er hat fest mit einem klaren Statement des BA gerechnet. Das hat er bekommen: Das Wohnhaus an der Norderneyer Straße 10 wird nicht abgerissen, bis alle Bewohner eine andere Unterkunft gefunden haben. Das haben die Lokalpolitiker in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Sie folgen damit einem Bürgerantrag der IG, in dem die Anwohner eine Ablehnung des Bauvorhabens gefordert hatten.

Das Wohnhaus an der Norderneyer Straße 10 ist so baufällig, dass es eigentlich keinen anderen Weg gibt, als es wegzureißen. Das möchte der Eigentümer auch. Er möchte Grundstück und Haus verkaufen. Ein Investor aus Niederbayern plant, anstelle des maroden Hauses eine Unterkunft für wohnungslose Familien zu errichten. Der Bauantrag liegt der Lokalbaukommission (LBK) bereits seit Monaten vor. Im April sollte eigentlich mit den Abrissarbeiten begonnen werden. Nur: Noch immer wohnen Menschen in dem Haus. Und: Noch immer wurde den meisten von ihnen nicht rechtmäßig gekündigt.

Im vergangenen Sommer sollen bis zu 45 Menschen in dem Gebäude gelebt haben – sozialschwache Familien verschiedener Herkunft. Knapp die Hälfte soll noch heute dort hausen. Das Problem: Manche Bewohner haben wohl gar keinen schriftlichen Mietvertrag, zahlen teils die Miete in bar.

So wie die Interessengemeinschaft es sieht, versucht der Eigentümer deshalb mit allen Mitteln, die aktuellen Bewohner aus dem Haus zu bekommen. Michael Hübsch sagt: „Da wird an die Türen geklopft, an die Fenster geklopft, gebettelt: Bitte, geht raus.“ Seit beinahe einem Jahr setzt sich Hübsch für seine Nachbarn aus der Norderneyer Straße 10 ein. Den Zustand des Hauses empfindet er als katastrophal: Die Tür sei kaputt, im Eingangsbereich seien die Scheiben eingeschlagen, das Licht gehe seit Jahren nicht mehr. Obendrein soll der Vermieter die Heizung abgestellt haben. „Die Mieter beschweren sich, das hat aber nichts zur Folge“, sagt Hübsch.

„Wir sind nicht gegen das neue Gebäude, wir wollen bis zum Neubau nur die jetzigen Mieter schützen“, sagt Georg Forchhammer, ebenfalls von der IG. Er ergänzt: „Wir wollen ein Gebäude schaffen, mit dem die Nachbarn und alle anderen auch leben können.“

Stadträtin Jutta Koller (Grüne) bedankte sich auf der Ausschusssitzung für das Engagement der IG für den Stadtteil und sagte zum Zustand des Hauses: „Das ist nichts mehr, wo man sagt: Mei, das passiert mal. Das ist kriminell.“ Die Lokalpolitiker im Stadtteilgremium sind sich weitgehend darin einig, dass man – allein, um ein Signal zu senden – dem Bauvorhaben nicht zustimmen könne. „Ein Vermieter, der das Haus über 20 Jahre hinweg total vergammeln lässt, so dass am Ende gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als das Gebäude abzureißen“, so etwas gehe nicht, monierte Thomas Schwed (CSU).

Einen weiteren Antrag der IG zu Änderungen in dem Bauantrag vertagten die Lokalpolitiker auf die Ausschusssitzung im März. Bis dahin sollen Eigentümer und Investor in den Unterausschuss eingeladen werden.

Caspar von Au

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