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Da schien die Welt noch in Ordnung: Beatrix Zurek und Architekt Daniel Schroeter im August 2016 vor dem gerade fertigen Gymnasium an der Knorrstraße.

Lokalpolitiker sind sauer

Gymnasium Nord: Erst ein Jahr alt und schon zu klein

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Das Gymnasium Nord an der Knorrstraße ist gerade ein Jahr lang in Betrieb – und schon zu klein. Lokalpolitiker und Schulreferat drängen auf eine Erweiterung.

München - „Wir haben Großes vor“, hat Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) vergangenen Sommer angekündigt. Das war bei der Vorstellung des damals noch nicht eröffneten Gymnasiums München-Nord an der Knorrstraße. Nicht ohne Stolz führte Zurek durch die modernen Lernhäuser mit verglasten Klassenzimmern, durch Fachräume und über die Sportanlagen der „Eliteschule des Sports“. Zurek bezog sich mit ihrer Aussage auf die fünf weiteren Gymnasien, die im städtischen Schulbauprogramm geplant sind. Jetzt, nach nur einem Schuljahr, kommt die neue Schule an der Knorrstraße zurück auf die To-do-Liste.

Das Gymnasium ist offenbar schon zu klein. Statt wie geplant jeweils vier fünften und sechsten Klassen haben heuer fünf fünfte Klassen ihr Schuljahr an der Knorrstraße begonnen. In der sechsten Jahrgangsstufe gibt es sogar sechs Klassen. 78 von 222 Bewerbern, die sich für einen Platz im Schuljahr 2017/18 angemeldet hatten, konnten trotzdem nicht aufgenommen werden. „Noch“, sagt Schulleiter Leonhard Baur, „sind wir zwar erst halb voll. Aber wir haben schon einen Bauch, den wir vor uns herschieben.“

„Zu klein geplant und gebaut“

In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Milbertshofen – Am Hart stand das Gymnasium Nord deshalb auf der Tagesordnung. In einem Antrag fordert die Grünen-Fraktion die Erweiterung der Schule um ein neues Lernhaus. Dafür soll der Lehrerparkplatz weichen und eine Tiefgarage entstehen. Das Gymnasium sei „zu klein geplant und gebaut“ worden, heißt es weiter. „Wir können jetzt schon ausrechnen, wann die Schule aus den Nähten platzt“, schimpft Bianca Hegmann (Grüne). Nämlich dann, wenn die Fünft- und Sechstklässler in die höheren Klassen kämen.

Eigentlich verfolgt das Gymnasium Nord ein modernes pädagogisches Konzept: In den drei Lernhäusern sollen jeweils 150 bis 180 Schüler eine Lerngruppe bilden. Die kleinen Gruppen sollen die Lernkultur fördern und die Anonymität in der großen Schulgemeinschaft aufheben. „Das pädagogische Konzept ist leider schon jetzt hinfällig“, sagt Hegmann. Angesichts mangelnder Schulplätze sei das allerdings ein Luxusproblem.

Lokalpolitiker sind sauer

So simpel sei das nicht, sagt Schulleiter Baur: „Einfach ein Lernhaus hinstellen und die Parkplätze in die Tiefgarage verschieben reicht nicht. Man braucht zusätzliche Fachräume, Sportanlagen, eine größere Aula und Mensa.“ Aus seiner Sicht wäre die beste Lösung, am Gymnasium Nord zur Vierzügigkeit zurückzukehren – dafür sei die Schule nämlich konzipiert worden. „Über eine Erweiterung kann man grundsätzlich reden, aber das muss auch Sinn machen.“

Die Lokalpolitiker im BA sind sauer. Sie hätten die Stadtverwaltung schon vor vier Jahren darauf hingewiesen, dass das Gymnasium zu klein werden würde. „Jetzt ist die Schule gebaut, und es wird schwieriger, sie zu erweitern“, sagt Thomas Schwed (CSU). Mehr Stockwerke und den Bau einer Tiefgarage lehnte die Stadt damals ab. Die Verantwortlichen bei der Stadt widersprechen: Die Schule sei nicht zu klein geplant worden, das Bevölkerungswachstum in München übertreffe schlicht die Prognosen von 2011, als das Gymnasium an der Knorrstraße geplant worden sei, heißt es aus dem Referat für Bildung und Sport (RBS).

Im Norden gibt es zu wenige Gymnasien

Im gesamten Münchner Norden gibt es zu wenige Gymnasien für zu viele Bewerber. Stadtschulrätin Zurek hat sich deshalb am Mittwochabend mit Vertretern der Initiative „Gym 24“ getroffen, um den Eltern die Pläne des Referats zu schildern. Die Initiative setzt sich für Schulplätze an weiterführenden Schulen im 24. Stadtbezirk Feldmoching–Hasenbergl ein. Das Viertel ist eines von dreien in München, in denen es noch kein Gymnasium gibt.

Zurek bekräftigte, dass ein Gymnasium im künftigen Siedlungsgebiet an der Bergwachtstraße geplant sei. Der Bau der Schule soll im zweiten Schulbauprogramm „höchste Priorität“ haben. Zudem soll bis 2022 ein sechszügiges Gymnasium auf dem Gelände der Bayernkaserne gebaut werden. Auch eine „dauerhafte Erweiterung“ des Gymnasiums an der Knorrstraße will Zurek prüfen lassen. Zunächst aber sollen in der Nähe der Schule behelfsmäßig Pavillons zum Schuljahr 2019/20 errichtet werden.

Wollen keine Container-Lösung

Das ist etwas, das die Grünen in Milbertshofen – Am Hart unbedingt verhindern wollen: „Wir wollen hier in ein paar Jahren keine Container haben“, sagt Hegmann. Das sehen wohl auch die übrigen Lokalpolitiker im BA so. Dennoch konnte sich das Gremium nicht auf einen gemeinsamen Antrag einigen. Die Streitpunkte: Legt man der Stadt einen konkreten Vorschlag vor oder nicht? Wie stellt man sicher, dass es keine Zwischenlösung mit Pavillons geben wird? Und wie bleiben die Parkplätze erhalten? Der Antrag wurde auf die Novembersitzung vertagt.

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