Der Skatepark am Geisterbahnhof München-Olympiastadion wurde abgerissen.
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Der Skatepark am Geisterbahnhof München-Olympiastadion wurde abgerissen.

Gefahr für Leib und Leben

„Bin wütend und traurig“: Stadt reißt beliebtes, von Freiwilligen gebautes Skater-Paradies ohne Vorwarnung ab

  • Christoph Gschoßmann
    vonChristoph Gschoßmann
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Der Geisterbahnhof im Olympiapark hatte einen Nutzen - für Skater war er ein Paradies. Nun hat die Stadt den Skaterpark ohne Ankündigung abgerissen. Die Reaktionen fallen heftig aus.

  • Im verlassenen U-Bahnhof Olympiapark in München ist der Skate-Park abgerissen worden.
  • Die Skater sind sauer auf die Stadt - es gab keine Ankündigung.
  • Nun soll Ersatz gefunden werden.

München - Er sollte einst die Besucherströme zu den Olympischen Spielen 1972 bringen – heute aber ist der Bahnhof Olympiastadion ein verlassener Ort, nur Beton, Schotter und Graffiti. Nun aber gibt es Ärger um den Geisterbahnhof: Junge Leute hatten dort in Eigenregie einen Skatepark gebaut – dieser wurde jetzt von der Stadt entfernt.

Schon seit Jahren hatten sich Münchner zum Skateboarding am Geisterbahnhof getroffen, erzählt Celina Lucas, Vorsitzende des Vereins Skateboarding München, der tz. „Dieser Spot wurde bisher von der Stadt auch geduldet.“ Vor Kurzem hatten Skater dort selbst Rampen gebaut. Am Donnerstag letzter Woche plötzlich der Schock: Die Rampen seien „zerstört“ worden. Angeblich ohne die Skater zu informieren. „Wir als Verein und Sprachrohr der Münchner Skateszene wurden nie diesbezüglich kontaktiert.“

Reaktionen auf den Abriss des Skateparks in München: „Wütend und traurig“

Bilder vom Abriss verbreiteten sich in den sozialen Netzwerken. Eine Münchnerin schrieb an die tz, sie sei „wütend und traurig“: „Ich finde, dieses Verhalten zeugt nicht davon, dass München eine Kulturstadt ist, in der die verschiedenen Szenen unterstützt werden.“

Eine Sprecherin des Kommunalreferats München betont jedoch: Der Geisterbahnhof sei schlicht zu gefährlich, um sich dort aufzuhalten. „Das Gebäude ist potenziell einsturzgefährdet und schadstoffbelastet. Die Bausubstanz wird deshalb gerade untersucht. Da Gefahr für Leib und Leben nicht ausgeschlossen werden kann, darf das Gelände nicht betreten werden“, heißt es aus dem Kommunalreferat. Der Landeshauptstadt obliege die Verkehrssicherungspflicht für den Bahnhof. Die Rampe habe sich in einem mit Bauzäunen abgesperrten Gelände mit „Betreten verboten“-Schildern befunden. Und weiter: „Die Bauzäune wurden dem Anschein nach aufgebrochen.“

München: Skater fordern seit Jahren eine eigene Skatehalle

Das Problem: Die Münchner Skater fordern schon seit Jahren eine eigene Skatehalle, sagt Lucas. „Seit 2006 das Euro Skate geschlossen hat, gibt es im Winter oder bei Regen keine Möglichkeit mehr, Skateboard zu fahren – und das, obwohl Skateboarding mittlerweile eine olympische Sportart ist und es in München über 3000 aktive Skater gibt.“ Oft blieben den Skatern dann in der Stadt nur Parkplätze oder Unterführungen – oder selbst gebaute „Spots“ an abgelegenen Orten.

Nun kommt Hilfe aus der Stadtpolitik. Laut Melanie Staudinger, Sprecherin der SPD/Volt-Stadtratsfraktion, stehen Vertreter der Fraktion in engem Kontakt mit der Skater-Szene. „Wir versuchen schnellstmöglich, einen Ersatzstandort zu finden.“ Kathrin Abele, sportpolitische Sprecherin der SPD: „In München hat nicht nur die Hochkultur Platz. Uns sind auch die Subkulturen wichtig, die unsere Stadt so vielfältig machen.“

Und es könnte schnell gehen: Die Stadtratsfraktionen SPD/Volt und Die Grünen-Rosa Liste haben am Freitag den Antrag gestellt, den Münchner Skateboardern für diesen Winter eine überdachte, nicht räumlich geschlossene Örtlichkeit zur Verfügung zu stellen. Man wolle die geeignete Fläche gemeinsam mit der Szene entwickeln. Eine Nachricht, die die Münchner Skater sicher positiv aufnehmen werden. - Andrea Stinglwagner - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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