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Im Karee angeordnet ragt das Hotel als höchstes Gebäude mit 67 Metern empor.

67 Meter hoch

Hier Münchens nächstes Hochhaus entstehen

München - Lange Zeit gab es Diskussionen, doch nun hat sich der Bezirksausschuss doch für den Bau des nächsten Münchner Hochhauses entschieden. 67 Meter soll es in den Himmel ragen.

Hochhäuser in München sind rar. Fünf der zwanzig höchsten Hochhäuser Münchens stehen bereits im Münchner Nord-Westen: Das Hochhaus Uptown (146 Meter), der BMW-Vierzylinder (101 Meter), der Olympia Tower (88 Meter), die Wohnhochhäuser an der Riesstraße (83 Meter) und am Helene-Mayer-Ring (76 Meter). Nun bekommen sie einen kleinen Bruder. Am nordwestlichen Zipfel des Stadtbezirks Milbertshofen-Am Hart soll bis 2018 ein Gebäudekomplex entstehen, der das Stadtbild im Norden nachhaltig prägen wird.

Unmittelbar neben der U-Bahn-Station Oberwiesenfeld, auf dem ehemaligen Firmengelände von Knorr Bremse, werden auf einer Geschossfläche von 38 000 Quadratmetern Mikro-Apartments, Studentenwohnungen, Büros, eine Tiefgarage, ein sogenanntes Boardinghouse und ein Hotel gebaut. Letzteres ragt als höchstes Gebäude mit 67 Metern aus dem Karree empor. Das Bauprojekt trägt den Namen „MO82“, benannt nach seiner zukünftigen Hausnummer, der Moosacher Straße 82.

Im Herbst hatte der Bezirksausschuss noch Bedenken

Die Entwickler, das „Grundkontor Projekt“, werben damit, dass der Gebäudekomplex „Münchens neue Adresse für Wohnen auf Zeit“ sein wird – der wachsende Bedarf an „temporärem und kleinem Wohnraum“ solle so bedient werden. Nach Auskunft der Projektentwickler sind die geplanten Bürogebäude und das Boardinghouse bereits verkauft. Das Hotel mit 1200 Betten auf 21 Stockwerken sei seit Juli 2015 langfristig vermietet, heißt es auf der Webseite des Projekts MO82.

Sonnige Aussicht: Die Simulation zeigt die Perspektive von der Dachterrasse des Apartmenthauses; rechts das Hotel.

Als der Bezirksausschuss (BA) im Herbst des vergangenen Jahres erstmals über die Bestandteile des Großprojekts an der Moosacher Straße abstimmen sollte, zeigte sich die Mehrzahl der Lokalpolitiker wenig begeistert. „Das ist ein ziemlich hässlicher Klotz“, schimpfte Wolf Mattern (SPD), der selbst Architekt ist. Vor allem die Fassade empfanden die BA-Mitglieder als langweilig und wenig ansprechend. „Eigentlich stelle ich mir vor, dass Architekten etwas anderes in puncto Ästhetik einreichen“, sagte Freie Wähler/ÖDP-Fraktionssprecher Leo Meyer-Giesow. Der vorgelegte Entwurf sei „Copy-Paste-Architektur“.

Da nach Ansicht der Lokalpolitiker auch noch bei der Anzahl der veranschlagten Parkplätze nachgebessert werden sollte, vertagte der BA seine Entscheidung über den Bau im November – und abermals im Dezember.

Inzwischen habe das mit dem Bau des Hotels und des Boardinghouses beauftragte Architekturbüro „Himmler Sattler Architekten“ die Fassade „für einen siebenstelligen Bereich aufgepeppt“, sagte Bianca Hegman (B90/Grüne). Bei der jüngsten Ausschusssitzung konnten die Anwesenden anhand eines Modells und einer Simulation (siehe oben) die Weiterentwicklung des Konzepts begutachten.

Eine Sache muss noch verbessert werden

Während der leicht veränderte Entwurf einen Teil der Bezirksausschuss-Mitglieder überzeugte, hatten andere noch immer etwas daran auszusetzen. Selbst innerhalb der Fraktionen herrschte Uneinigkeit: „Für mich sind das einfach nur Schuhschachteln“, sagte Rosemarie Buchner. „Ich finde es schade, dass in einer so schönen Stadt wie München so etwas Hässliches gebaut werden soll“. „Im Modell schaut es schon besser aus“, findet dagegen Leo Meyer-Giesow (beide FW/ÖDP).

Die Mehrheit des Bezirksausschusses zeigte sich insgesamt jedoch zufrieden: „Ich denke, dass das, was hier präsentiert wurde, sehr gut in die Umgebung passt. Architektur ist eben Geschmackssache“, sagte CSU-Fraktionssprecher Erich Tomsche.

Direkt an der U3-Station Oberwiesenfeld soll das MO82 entstehen.

Noch nicht zufrieden ist der BA allerdings mit dem Parkplatzkonzept von MO82. Einstimmig fordern die Lokalpolitiker, dass auf dem Gelände Platz für mindestens ein bis zwei Reisebusse geschaffen werden solle. „Der lokale Ein- und Ausstieg bei Bussen ist auf dem eigenen Gelände geplant“, sagte Johannes Ernst vom Architekturbüro „Steidle Architekten“ dazu. Wo die Reisebusse anschließend zwischengeparkt werden, das müsse die Stadt München beantworten. Ferner wünscht sich der Bezirksausschuss eine ausreichende Anzahl von Fahrradabstellplätzen.

Im Mai soll mit dem Bau begonnen werden, bis Ende 2018 rechnet Uhlmann mit der Fertigstellung. Dann sammeln sich sechs der zwanzig höchsten Gebäude Münchens um den Olympiapark.

Caspar von Au

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