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Die Gleise des alten Olympia-S-Bahnhofs laufen auf etwa zwei Kilometern vom Sapporobogen bis zum Nordring.

Neues Nutzungskonzept

Olympia-S-Bahnhof: Was die Stadt jetzt damit plant

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Er gilt als Gespensterbahnhof, jetzt soll ein neuer Geist Einkehr halten. Der Olympia-S-Bahnhof wird mit Leben erfüllt, die Gleistrasse zur Nord-Süd-Verbindung für Radler und Fußgänger ertüchtigt. Am Dienstag entscheidet der Stadtrat.

München - Er war schon immer sportlich, der Olympia-S-Bahnhof. Eigens für die Sommerspiele errichtet, ging er am 28. April 1972 in Betrieb. Danach wurde der Bahnhof erst sporadisch und ab dem 8. August 1984 regelmäßig bei allen Fußballspielen im Olympiastadion angefahren. Nach der Fußball-EM 1988 wurde er geschlossen. Seitdem liegt der Bahnhof brach. Doch nicht mehr lange.

Geht es nach dem Baureferat, soll das Gebäude bald mit Leben erfüllt werden. Und wieder ist es der Sport, der die Gleistrasse aus dem Schattendasein erlöst. Geplant ist eine Nord-Süd-Grünverbindung für Radler und Fußgänger mit einer Trockenbiotop-Verbundachse sowie Räumen für Naherholung.

Projektgebiet umfasst 14 Hektar Fläche

Auf 2,5 Kilometern Strecke von der Dachauer Straße bis zum DB-Nordring soll der Radweg ausgebaut werden. Mittendrin liegt der alte Olympiabahnhof.

Die Verwaltung hat dazu ein umfangreiches Nutzungskonzept aufgestellt, über das der Stadtrat am Dienstag abstimmen soll. Das Projektgebiet reicht vom Sapporobogen im Süden bis zum Eisenbahn-Nordring. Insgesamt umfasst es 14 Hektar Fläche, inklusive der an die Straße angrenzenden Grünflächen, die zu sanierenden Bahnbrücken über den Georg-Brauchle-Ring sowie westlich und östlich der Triebstraße. Zwei davon sollen als Grünbrücken für die Biotope genutzt werden, die östliche über die Triebstraße dient dem Radverkehr.

Der durchgängig beleuchtete Weg soll von Bänken gesäumt werden. Die Ebene für die Gleise zwischen den Bahnsteigen wird zu einem naturnahen Park umgestaltet. Im Norden und Süden des Bahnhofs verlaufen Fuß- und Radweg gemeinsam auf einer 4,50 Meter breiten Trasse. Die wird im Bereich der Bahnsteige getrennt. Per pedes geht es westlich auf einer Promenade weiter. Auf Höhe des Bahnhofs werden die Wege wieder vereint bis zum Südende der neuen Grünverbindung.

Im Norden müssen für den Anschluss an die vorhandene Unterführung im Bereich der Kleingartenanlage voraussichtlich sechs Parzellen umgesiedelt werden. Gespräche laufen. Zusätzlich zum bestehenden Kusocinskidamm sollen zwei weitere Verbindungen zum westlich gelegenen Stadtteil Moosach entstehen. Eine im Norden des Berufsschulzentrums an der Riesstraße und eine weitere im Norden der Olympia-Pressestadt zum Werner-Friedmann-Bogen. Die Anbindung an den Olympiapark erfolgt nördlich des Kusocinskidammes.

Schwerpunkt Jugendkultur im Bahnhofsumfeld

Das alte Empfangsgebäude des S-Bahnhofs Olympiastadion.

Im Bahnhofsumfeld wird mit dem Schwerpunkt Jugendkultur geplant. Zeitweise kann der Vorplatz für Kunstprojekte genutzt werden, aber auch für kleinere Stadtteilfeste oder Events aus der Jugendszene. Die Innenräume im Untergeschoss sollen vorwiegend als Musikübungsräume ertüchtigt werden. Zudem bekommt der Bahnhofsplatz eine öffentlich Toilette.

Somit bleibt der Bahnhof erhalten, das gilt auch für die Gleise. Zum einen steht die ganze Anlage unter Denkmalschutz, zum anderen wäre es auch recht teuer, die Einbauten allesamt zu entfernen. CSU-Bauexpertin Evelyn Menges weist aber noch auf einen anderen Grund hin: „Die Planungen sollten schon so offen gestaltet werden, falls wir in München einmal eine Ringbahn brauchen.“ Das sei jedoch nur eine Anmerkung, denn die Planungen der Stadt seien das, „was wir uns schon lange wünschen“.

Eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich, da auch die Opposition frohlockt. Sabine Krieger (Grüne): „Wir sind sehr zufrieden. Das ist eine sehr gute Vorlage, weil auch der Naturschutz berücksichtigt wird.“ Stimmt der Bauausschuss am Dienstag zu, soll die Detailplanung europaweit ausgeschrieben werden. Die Verwaltung spricht in der Vorlage von drei bis fünf Planungsteams aus Landschaftsarchitekten, Bauingenieuren und Architekten. Die Vergabe könnte noch in diesem Jahr erfolgen, bis Anfang 2018 sollten gestalterische Lösungen erarbeitet werden. Dann entscheidet wiederum der Stadtrat.

Lesen Sie auch: Endstation: Geisterbahnhöfe in München und Umgebung im Video

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