+
Stefan Stillinger (von links), Simone Herrmann und Andreas Schaumaier im Olympiastadion.

Große Serie: Münchner Polizeiinspektionen

PI 43: Weltstars und Alltagsprobleme 

  • schließen

Der Münchner Merkur und die tz starten ihre große Serie über die Münchner Polizei. Brennpunkte, Schwerpunkte und kuriose Fälle: Wir haben das für jedes Viertel zusammengefasst. Diesmal: Die PI 43 Olympiapark.

München - Trubel im Olympiastadion, das Olympische Dorf mit etwa 15.000 Menschen, das Hasenbergl, das dörfliche Feldmoching und die ruhige Dreiseenplatte: der Dienstbereich der Polizeiinspektion 43 Olympiapark bietet den etwa 130 Beamten, die dort arbeiten, viel Abwechslung. Wir begleitete den Chef der Inspektion, den 49-jährigen Polizeidirektor Andreas Schaumaier, und seine beiden Kollegen Stefan Stillinger und Simone Herrmann bei einem Rundgang durch ihr 32,79 Quadratkilometer großes Revier. 

Muenchens Polizeireviere: Olympiapark

Als Michael Jackson im Sommer 1997 im Olympiastadion auftrat, jubelten ihm zehntausende Fans zu. Doch sein Konzert löste nicht nur Freudenschreie aus. „Uns hat damals sogar ein Bürger aus Starnberg angerufen“, sagt Polizeidirektor Andreas Schaumaier und lacht. „Er hat die Polizei aufgefordert, jetzt endlich mal die Musik leiser zu drehen.“ Je nachdem, wie der Wind steht, ist die Musik aus dem Olympiastadion weit zu hören. „Da gibt es immer wieder Beschwerden.“ Im Jahr 2016 meldeten sich insgesamt 718 erboste Bürger bei der Polizei, weil sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlten.

Videoüberwachung im Stadion: Massenpanik verhindern

Die Veranstaltungen im Olympiapark zu betreuen, gehört mit zu den aufwendigsten Einsätzen der etwa 130 Polizeibeamten der Inspektion 43. Bis zum Jahr 2016 fanden im 85 Hektar großen Park bereits mehr als 12 000 Veranstaltungen mit über 200 Millionen Besuchern statt. Bis zu fünf Beamte sitzen bei Veranstaltungen ganz oben im Stadion in der Regiekanzel, zusammen mit Mitarbeitern des Kreisverwaltungsreferats, der Feuerwehr, des Veranstalters und des Rettungsdienstes. In den Räumen, in denen noch immer der alte graue Teppich aus den 70er-Jahren die Tritte dämpft, beobachten die Polizisten, wo sich zu dichte Menschenansammlungen bilden. „Durch Anweisungen können wir die Leute frühzeitig so lenken, dass es sich nirgends zu sehr staut. Nicht, dass so etwas wie in Duisburg passiert“, sagt Schaumaier und spielt damit auf das tragische Unglück bei der Loveparade im Jahr 2010 an, bei dem im Gedränge 21 Menschen ums Leben kamen und 541 schwere Verletzungen davontrugen.

Um die Menschenströme im Olympiastadion zu lenken, haben die Beamten in der Regiekanzel Monitore, auch BMW liegt im Dienstbereich der PI 43.

Die Beamten können die Szenen auf den Monitoren in der Regiekanzel außerdem so stark heranzoomen, dass sie erkennen, ob jemand gerade etwas klaut oder zu randalieren anfängt. „Wichtig ist auch, die Abreise zu beobachten“, sagt Schaumaier, „wenn je nach Veranstaltung auch mal zu viel Alkohol im Spiel ist.“ 14 588 Stunden arbeiteten die Beamten im Jahr 2016 bei über 400 Veranstaltungen im Olympiapark.

Olympisches Dorf: Kleine Stadt in der Stadt

Zuständig ist die Polizeiinspektion 43 auch für das Olympische Dorf. Dort leben etwa 15 000 Menschen. „In dieser kleinen Stadt in der Stadt gibt es alles“, sagt der 34-jährige Polizeioberkommissar Stefan Stillinger. „Wenn man nicht will, muss man hier nicht raus.“ Kommt ein Kollege neu zur Inspektion, wird ihm erst einmal der Aufbau des Olympiadorfs erklärt. Stillinger: „Die Gefahr ist hier groß, dass man sich verläuft, gerade wenn es mal schnell gehen muss.“

Das Olympische Dorf.

Viel Arbeit bescherte der Polizei vor etwa zehn Jahren die Abrissparty im Olympiadorf. Der Verein der Studenten im Olympiazentrum hatte zu einer Feier eingeladen, da alle 800 Einzimmerhäuschen, in denen Studenten wohnten, abgerissen werden sollten. Statt der erwarteten 300 Besucher kamen jedoch 2000 Partygäste. Als es kurz vor Mitternacht kein Bier mehr gab und die Musik ausgeschaltet wurde, kippte die Stimmung. Es kam zu schweren Ausschreitungen. Randalierer setzten zwei unbewohnte Bungalows in Brand und zerstörten mit Eisenstangen, Stöcken und Steinen etwa 250 weitere Häuschen. Die Polizei war mit 150 Beamten im Einsatz und riegelte die Siedlung ab. „So was ist seitdem nicht mehr passiert“, sagt Stefan Stillinger. „Das Olympiadorf ist eine gute, friedliche Wohngegend.“

Das sind die Probleme rund um den Olympiapark

Probleme rund um den Olympiapark gibt es immer wieder, weil viele Besucher der Veranstaltungen mit dem Fahrzeug anreisen und manchmal kreuz und quer parken. Im Jahr 2016 musste die Polizei 18 412 Verwarnungen aussprechen, zum Beispiel gegen Falschparker und gegen Autofahrer, die mit dem Handy am Steuer hantierten. 1803 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten wurden erstattet, 2604 Knöllchen verteilte die Polizei.

Verkehrsverstöße sind nicht nur rund um den Olympiapark ein Thema. „Auf der Schleißheimer Straße kommt es ab und zu auch spontan zu Autorennen“, berichtet Schaumaier. Den schnellsten Fahrer erwischte die Polizei 2016 mit 150 Sachen bei erlaubten 50 Stundenkilometern. Insgesamt registrierten die Beamten 350 Raser. 309 bekamen eine Anzeige, weil sie mehr als 21 Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs waren. Tödliche Unfälle gab es im Verbreitungsgebiet der Inspektion nicht, 26 Menschen verletzten sich bei Unfällen schwer, 350 leicht. Auch einen Schulwegunfall registrierte die PI 43. „Rund um Schulen ist ein Schwerpunkt unserer Verkehrsüberwachung“, sagt Simone Herrmann, die in der Inspektion auch für den Straßenverkehr zuständig ist.

Die Jugendbeamten Emre Yilmaz (26, links) und Sabine Schlamp (28) werden vom Nachwuchs akzeptiert.

Um die 9645 Schüler und die zahlreichen jungen Erwachsenen bis 21 Jahre kümmern sich bei der Inspektion Olympiapark die beiden Jugendbeamten Emre Yilmaz (26) und Sabine Schlamp (28). „Die Jugendlichen in unserem Dienstbereich akzeptieren uns“, sagen Yilmaz und Schlamp. „Wir sind die Guten von der Polizei“. Wichtig ist den beiden Beamten vor allem die Gewalt- und Suchtprävention – ganz besonders im Hasenbergl, das auch aufgrund vorangegangener demografischer Entwicklungen als sozialer Brennpunkt galt. In den 60er-Jahren entstand die „Siedlung am Hasenbergl“ für 18 000 Menschen. Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften errichteten Sozial- und Eigentumswohnungen für die einkommensschwache Bevölkerung. Es mangelte an wichtigen Infrastruktureinrichtungen. Durch neue Bauprojekte, unter anderem das Einkaufszentrum Mira und Studentenwohnheime, wurde die Lebensqualität verbessert. „Das Hasenbergl ist nicht mehr wie früher“, so Stillinger. In den vergangenen zehn Jahren ist die Kriminalität dort um 26 Prozent gesunken.

Feldmoching und Hasenbergl: Kriminalität gesunken

Im gesamten Bereich der Inspektion gingen die Straftaten um 7,2 Prozent zurück. 4257 Straftaten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr, 5674 waren es 2006. Die Aufklärungsquote liegt konstant bei knapp über 60 Prozent. „Und das, obwohl jetzt mehr Bürger in unserem Dienstbereich leben“, sagt Schaumaier. 2016 waren es 94 469, zehn Jahre zuvor noch 78 303. „Die Delikte verteilen sich recht gleichmäßig auf unseren gesamten Dienstbereich“, sagt der PI-Chef. „Bei den wenigen Raub- und Sexualdelikten gab es in den meisten Fällen Vorbeziehungen. Überfallartige Vergewaltigungen gab es gar keine.“

Bilder: Unterwegs zwischen Feldmoching und Olympiapark mit der PI 43

Anders als das Hasenbergl ist Feldmoching größtenteils landwirtschaftlich und dörflich geprägt. 2016 suchten sich Einbrecher häufig dieses Gebiet als Ziel aus: 62 der 96 Wohnungseinbrüche registrierte die Polizei im Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl. „Mit uniformierten und zivilen Streifen und auch der Pferdestaffel sind wir hier unterwegs. Und unsere Kontaktbeamten geben den Anwohnern Tipps“, sagt Schaumaier. „Denn gerade bei Einbrüchen ist die Mithilfe der Bürger essenziell. Je eher die Fahndung losgeht, desto eher werden Kriminelle gefasst.“

Feldmoching - hier die Mariensäule - ist dörflich und gehört auch zur PI 43.

Auch im Viertel: Münchens beliebtestes Erholungsgebiet

Friedlich geht es an der Dreiseenplatte zu, einem der beliebtesten Naherholungsgebiete Münchens. Zum Grillen, Baden und Sonnen fahren viele Erholungssuchende an den Feldmochinger, den Lerchenauer See und den Fasaneriesee. „Im Sommer ruft uns die Wasserwacht, wenn Kinder vermisst werden“, berichtet Schaumaier. „Wir stehen ständig im Austausch, die Zusammenarbeit ist gut.“

Vom Trubel im Olympiastadion bis zu den ruhigen Seen – der Dienstbereich der PI 43 bietet den Kollegen viel Abwechslung. „Ich wollte unbedingt in dieser Inspektion arbeiten“, sagt Simone Herrmann. „Und ich bin sehr froh, dass es geklappt hat.“ 

Die PI 43 in Zahlen 

Der Dienstbereich der PI 43 umfasst das Hasenbergl, Feldmoching, die Lerchenau, Teile von Harthof, die Fasanerie, einen Teil von Milbertshofen und Schwabing West. Auf einer Fläche von 32,79 Quadratkilometern betreuen etwa 130 Beamte 94 469 Bürger. Im Zuständigkeitsbereich liegen der Olympiapark und die angrenzenden Hochhäuser des Olympischen Dorfes. Zudem sind hier Firmen, darunter BMW und Siemens, angesiedelt. Darüber hinaus liegen drei Badeseen im Bereich der PI 43.

Der Fall aus dem Viertel: Vierfache Mutter getötet

Am Frühlingsanger im Hasenbergl hat im März 2010 ein 48-jähriger Zimmermann seine 46-jährige Frau erschossen – mit einer Maschinenpistole in der Waschküche der Wohnanlage. Auslöser für den Mord war offenbar ein Streit ums Geld. Die 46-jährige Nusreta K. hinterließ vier Kinder im Alter zwischen elf und 18 Jahren. Das Schwurgericht verurteilte Avdurahman K. wegen Mordes zu lebenslanger Haft.

Das sind die weiteren Folgen

Maxvorstadt: Das Studentenviertel kämpft mit Dieben und Rasern.

Sendling: Der starke Verkehr beherrscht den Arbeitsalltag der Beamten.

Pasing: Einbrecher und der Verkehr prägen die Polizeiarbeit.

Bogenhausen: Einbrüche machen einen Löwenanteil der Straftaten im Nobelviertel aus.

Ramersdorf-Perlach: Streitereien, Ruhestörungen und Ladendiebstähle kommen hier oft vor.

Au-Haidhausen: Tag und Nacht Einsätze in Haidhausen, am Ostbahnhof und in der Kultfabrik.

Trudering-Riem: In der Messestadt trifft sich die Welt. Auch ein Ort sozialer Spannungen

Westend, Ludwigs- und Isarvorstadt: Das Südliche Bahnhofsviertel und der Gärtnerplatz halten die Beethoven-Wache auf Trab.

Giesing: Das Viertel der Geschichte und Geschichten. Fußball ist allgegenwärtig - auch bei der Polizei.

Altstadt: Touristen, Taschendiebe und die Feierbanane machen der Polizei Arbeit.

Neuhausen: Einbrüche, Trickdiebstähle und das Strafjustizzentrum sind hier Schwerpunkte.

Planegg: Grüne Idylle mit schwarzen Fleckchen. Einbrüche sind im Würmtal das Problem.

Grünwald: Die Isar und ihre zahlreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten bestimmen den Arbeitsalltag der Polizei.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brandmelder schlägt an: Nachbarn holen Ehepaar (90 und 93) aus der Wohnung
Der Rauchmelder hat am Dienstag in der Wohnung eines hochbetagten Ehepaar ausgelöst - und den beiden so wohl das Leben gerettet. Nachbarn wurden aufgeschreckt und …
Brandmelder schlägt an: Nachbarn holen Ehepaar (90 und 93) aus der Wohnung
Münchner (53) brutal zusammengeschlagen - Täter flüchtig
Scheinbar aus heiterem Himmel ist ein Münchner (53) im Westend auf offener Straße angegriffen worden. Der Täter schlug brutal auf sein Opfer ein, trat mehrmals zu, als …
Münchner (53) brutal zusammengeschlagen - Täter flüchtig
Oktoberfest 2017: Welche Biersorten gibt es in welchem Zelt?
Die Münchner Brauereien bereiten sich auf das Oktoberfest 2017 vor. Welches Bier gibt es in welchem Festzelt? Das zeigt unsere Übersicht der Biersorten auf der Wiesn. 
Oktoberfest 2017: Welche Biersorten gibt es in welchem Zelt?
Angetrunkener Radlfahrer (42) beinahe von Lkw überfahren
Glück im Unglück hatte ein Fahrradfahrer in Milbertshofen am Dienstag. Ein Lkw-Fahrer übersah ihn beim Abbiegen, der Radler stürzte.  
Angetrunkener Radlfahrer (42) beinahe von Lkw überfahren

Kommentare