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Der Lastwagen erfasste das Mädchen beim Abbiegen. Die Stelle gilt als Unfallschwerpunkt.

Baubehörde lagen Vorschläge vor

Neunjährige von Laster erfasst: Nicht der erste tödliche Unfall an dieser Kreuzung

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Bei einem Abbiege-Unfall ist am Montag in Milbertshofen ein Mädchen tödlich verunglückt. Die Stelle gilt als Unfallschwerpunkt. Ein Verkehrsexperte der LMU fordert neue Konzepte, um solche Unfälle künftig zu vermeiden.

Milbertshofen - Ein weiß-blaues Kinderfahrrad liegt am Montag in der Früh auf der Kreuzung der Moosacher mit der Schleißheimer Straße. Loreeley wollte auf diesem Radl in die Grundschule fahren. Doch sie kam nie an. Ein Lastwagen erfasste das Mädchen. Das Kind erlag nur wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Loreeley fuhr gegen 7.40 Uhr auf dem Radweg der Schleißheimer Straße stadteinwärts. An der Kreuzung zur Moosacher Straße hielt sie an der roten Ampel an. Zu dieser Zeit fuhr auch der 43-jährige Fahrer des Lastwagens die Schleißheimer Straße in dieselbe Richtung. An der Moosacher Straße wollte er nach rechts abbiegen. Der Lkw-Fahrer war nach aktuellem Stand der Ermittlungen bei grüner Ampel schon zur Hälfte abgebogen, als der Verkehr ins Stocken geriet und der 43-Jährige anhalten musste.

Der Kipplaster erfasst das Kind

In diesem Moment schaltete die Ampel für Fußgänger und Radfahrer auf Grün und das Mädchen radelte los, um die Moosacher Straße zu überqueren. Zu dem Zeitpunkt löste sich auch der Verkehr auf und der 43-Jährige fuhr weiter um die Kurve.

Der Kipplaster erfasste Loreeley. Ein Reifen überrollte sie. Augenzeugen wählten sofort den Notruf und begannen, das Kind zu reanimieren. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und Notärzte übernahmen die Reanimation und brachten das Mädchen in eine Klinik. Doch die Ärzte konnten nichts mehr für Loreeley tun.

Der Lastwagen-Fahrer erlitt einen schweren Schock. Er wurde von Mitarbeitern des Kriseninterventionsteams betreut, ebenso wie Zeugen des Unfalls und Mitschüler.

Viele Anwohner stehen nach dem Unfall unter Schock. Sie sagen, dass die Kreuzung Schleißheimer- /Moosacher Straße sehr gefährlich ist. Zum einen sei die Ampelschaltung viel zu kurz und zum anderen gebe es keine Schülerlotsen. Eltern machen sich Sorgen, wenn sie ihre Kinder in die Schule radeln lassen. Eine Mutter meldete ihr Tochter sogar an einer anderen Schule an, bei der der Schulweg nicht so gefährlich ist. Sie sagt: „Die Autofahrer müssen mehr aufpassen. Alle sind immer so gestresst, wenn sie in die Arbeit müssen. Die Leute sollten lieber früher aufstehen, damit sie es nicht immer so eilig haben.

Video: Tödliches Rechtsabbiegen: Wo bleiben die Abbiegeassistenzsysteme?

Der Obersten Baubehörde lägen bereits Vorschläge vor

Wolfram Hell, Verkehrssicherheitsexperte der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), betont, dass die Stelle als Unfallschwerpunkt gilt. Bereits vor etwa drei Jahren gab es an dieser Stelle einen tödlichen Unfall. Der Obersten Baubehörde lägen bereits Vorschläge vor, wie man diese Stelle sicherer gestalten kann. „Radfahrer, Fußgänger und vor allem Kinder sind die Schwächsten im Straßenverkehr“, sagt Hell. Deshalb müssten sie vorausschauend agieren. Eltern seien in der Pflicht, ihre Kinder auf die Gefahren aufmerksam zu machen. „Man muss den Kindern ganz klar sagen: ‚Der Lkw-Fahrer sieht dich nicht’.“ Radfahrer sollten lieber einmal mehr an der Ampel warten, selbst wenn sie Grün haben, als einen Unfall zu riskieren.

Hell appelliert an die Stadt, sich ein Beispiel an Schweden zu nehmen. In Stockholm gab es seit der Umsetzung des „Vision Zero“-Programmes in den Jahren 2016 und 2017 kein einziges totes Kind im Straßenverkehr mehr. Vision Zero bezeichnet das Ziel, Straßen so sicher zu machen, dass es keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr gibt. Der Münchner Stadtrat hat sich in Stockholm bereits informiert und das Konzept ebenfalls beschlossen. Hell: „Jetzt muss man den Plan auch umsetzen.“

Beispiele für Verbesserungen sind etwa bauliche Veränderungen der Kreuzungen. Radfahrer müssen eine Kurve fahren und geraten so aus dem toten Winkel, Lastwagen haben durch Eckenverkehrsinseln einen kleineren Radius und müssen langsamer abbiegen. In England sind zudem Totwinkel-Erkennungssysteme, Piepser und Kameras an Lastwagen vorgeschrieben. Die Systeme kosten zwar Geld, seien laut Hell aber gut nachrüstbar und unbedingt notwendig.

S. Wegele, J. Ventker und J. Heininger

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