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Hobby-Stadtführer Christian Ertl hat miterlebt, wie Milbertshofen zum Olympia-Viertel wurde.

Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Milbertshofen

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - Glasscherbenviertel? Von wegen! Der Münchner Norden mausert sich. Und wer das nicht glaubt, soll gefälligst mal vorbeischauen, sagen viele Bewohner. Aber wie in allen Stadtteilen gibt es auch in Feldmoching-Hasenbergl Herausforderungen: Schulnotstand. In Moosach treibt der geplante Neubau einer ganzen Siedlung die Bewohner um. Und in Milbertshofen muss eine weltberühmte denkmalgeschützte Veranstaltungsstätte profitabel gehalten werden. Wie sich der Norden wandelt, was gut läuft und wo es Unsicherheiten gibt, lesen Sie hier.

Wenn Christian Ertl darüber nachdenkt, was sein kleines Viertel im Norden der Stadt schon gesehen hat, gerät er ins Schwärmen. Spitzensportler wärmen sich 1972 für den 100-Meter-Lauf der Olympischen Spiele auf. „Wir haben uns Autogramme geholt.“ Fußballweltmeisterschaft 1974: „Wir haben die Autokolonnen im Fernsehen gesehen. Und fünf Minuten später fahren sie auf der Straße an uns vorbei.“ Im selben Jahr Tina Tuner in der Olympiahalle. Ertl als Kartenabreißer mitten im Getümmel.

Der Marktstandlbetreiber und Hobby-Stadtführer wohnt seit frühester Kindheit in Milbertshofen. „Früher war die Gegend hier nicht gerade ein Vorzeigeeck.“ Schon immer sei der Ausländeranteil hoch gewesen im Viertel, auch bedingt durch die vielen Fremdarbeiter von BMW. „Ich habe die bunte Mischung bei uns immer gemocht“, sagt der 57-Jährige.

Nach dem Krieg sei Milbertshofen ein einfaches Bauern- und Arbeiterviertel gewesen. Mit Beginn der Bauarbeiten für die Olympischen Spiele sei ein Ruck duch München gegangen. „Es herrschte Aufbruchstimmung. Die U-Bahn wurde sehr schnell gebaut, vorher war es zum Grünwalder Stadion eine Tagesreise“, sagt der 60er-Fan.

Absperrungen habe es damals kaum gegeben. „Während das Olympische Dorf gebaut wurde, sind wir dort spazieren gegangen.“ Auch beim Probelauf drei Monate vor Beginn der Spiele war Ertl mittendrin. „Die haben noch Publikum gebraucht, deshalb gab es für die Schüler Freikarten.“ Die Spiele: weltoffener, freier. „Heute ist leider vieles überwacht und reglementiert.“ Umso mehr weiß Ertl sein Milbertshofen zu schätzen. Denn hier ist er den Stars ganz nah. Konzerte sah der Rockfan früher in überschaubarem Kreis in der Alabamahalle an der Schleißheimer Straße. Bands wie die Pogues, die Toten Hosen oder die Ramones spielten vor 400 Gästen. Die alte Alabamahalle gibt es heute nicht mehr. Auch Ertl ist ruhiger geworden. Rockigen Klängen lauscht er noch immer – bei günstigem Wind auf seinem Balkon.

Sie rockt den Park

Marion Schöne (Foto) bewahrt das olympische Vermächtnis – und entwickelt es laufend weiter. „Wir haben zwei große Bauvorhaben in den nächsten Jahren, die aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern sind“, sagt die Olympiapark-Chefin. Auf einem guten Weg sei man mit der neuen Sporthalle für Eishockey und Basketball. Ein längerer Weg stehe mit der Sanierung des Olympiastadions bevor. „Wir hoffen, dass wir vom Stadtrat nach der Kostenermittlung grünes Licht bekommen.“ Es sei eine große Herausforderung, eine fast 50-jährige, unter Denkmalschutz stehende weltberühmte Veranstaltungsstätte im operativen Geschäft profitabel zu betreiben. Etwa vier Milionen Leute besuchen jährlich rund 350 bis 400 Veranstaltungen auf dem Gelände. Die Highlights 2018: Ed Sheeran, Munich Mash, Sommernachtstraum und viele mehr. 

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Daniela Schmitt

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