+

Baggern wie die Profis

Vom „Schandfleck“ zur  Beachvolleyball-Anlage auf internationalem Niveau

  • schließen

Die neue Beachvolleyball-Anlage im Olympiapark ist die größte in Bayern und wird gut angenommen. Ende Juni war sie eröffnet worden.

Der Ball zischt knapp über die Netzkante. Für einen Moment stoppt Oliver Bauer in der Bewegung, blickt seinem Aufschlag hinterher. Dann macht er vier, fünf schnelle Schritte in die Mitte des Sandfelds, um den Ball abzuwehren, der schon wieder zurückgeflogen kommt. Die neue Beachvolleyball-Anlage des Zentralen Hochschulsports (ZHS) ist gut besucht. Die Sonne steht heute über den Baumwipfeln im Westen des Olympiaparks. Zehn der 13 Felder sind besetzt. Hobby-Volleyballer aller Altersklassen spielen hier – zwei gegen zwei, so wie es die offizielle Regel vorsieht, aber auch mal drei gegen drei oder vier gegen vier.

Bauer, schlaksig, grüne Badehose, Sportsonnenbrille, und seine sechs Freunde spielen „King of the Beach“. In dem Spiel treten Zweierteams gegeneinander an. Nur: Die Teams spielen nicht in Sätzen um Punkte, sondern wechseln nach jedem Ballwechsel durch. Immer das Team, das einen Fehler macht, muss das Feld verlassen. So können mehr als nur vier Personen mitmachen, ohne ewig warten zu müssen.

Bauer ist gerade in einen spektakulären Ballwechsel verwickelt. Der Ball fliegt hin und her, beim fünften Anlauf baggert Bauer den Ball zielgenau zu seinem Partner, dieser stellt gekonnt vors Netz. „Töten!“, schreit er. Bauer springt ab, steigt Richtung Netzkante und schmettert den Ball im steilen Winkel ins Feld. Die Gegner können nur zusehen, wie der Sand aufspritzt. Oliver Bauer darf für den nächsten Ballwechsel bleiben.

Ende Juni wurde Bayerns größte Beachvolleyballanlage eröffnet. Zwischen BMW-Welt und dem Campus der Technischen Universität München (TUM) im Olympiapark, wo zuvor Büsche auf den brachliegenden Tennisplätzen wucherten, steht nun eine Sportanlage von internationalem Niveau. Zuvor sei das ein „Schandfleck“ gewesen, sagt Michael Hahn, Leiter des ZHS, der sich für den Bau eingesetzt hat.

Nicht ohne Stolz verweist er auf die Eckdaten: 50 Zentimeter Sandaufbau, darunter Dränage, fünf Meter Auslauf rund um die Felder. Der Sand hat eine etwas gröbere Körnung, „damit er nicht immer wegweht“, wie Hahn erklärt. Täglich wird zudem bewässert. Mehr als eine Million Euro hat der Zentrale Hochschulsport, der offiziell zur TUM gehört, investiert. Aber die Investition soll sich lohnen: Die deutsche Hochschulmeisterschaft im Beachvolleyball wurde bereits Mitte Juli auf den 13 Feldern ausgetragen, 2018 wird anlässlich des 150. Geburtstages des ZHS die Studenten-Weltmeisterschaft (WUC) für Beachvolleyball in München zu Gast sein. Natürlich hätte man die Plätze für das Turnier auch aufschütten und anschließend wieder wegräumen können. „Das hätte mir in der Seele wehgetan“, sagt Hahn. So wurde – auch dank der WM – nachhaltig gebaut.

Die Anlage kommt bei den Nutzern gut an: „Alles super“, sagt Oliver Bauer. „Nur die Bälle rollen ab und zu noch in Richtung Tennisanlage, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.“ Seine Mitspieler schließen sich an. „Solange der Platz gut ist“, sagt Bernd Lause, „ist es auch nicht so wichtig, was es kostet.“

Die neuen Felder gegenüber der BMW-Welt kann man stundenweise mieten. Jeder darf dort spielen, auch wer nicht Student oder Uni-Mitarbeiter ist. Je nachdem, wie viele Spieler eine ZHS-Marke haben, kostet eine Stunde zwischen zwölf und 20 Euro. Hahn stellt klar: „Es soll keine Eventanlage werden. Das ist nicht das Ziel als Universität.“ Deshalb werden die Felder immer für alle zugänglich sein. Auch die sieben alten Beachvolleyballfelder, die es schon seit den Neunzigern gibt, werden noch einige Jahre bespielbar sein. Im Gegensatz zur neuen Anlage ist das Spielen dort kostenlos. Allerdings, sagt Hahn: „Das eine ist halt Erste-Klasse-Beachvolleyball, das andere ist zweite Klasse.“

Im Vergleich zu anderen Anlagen in München sei die Miete angemessen, findet Corina Meyer. Die 27-Jährige trainiert mit Mannschaftskollegen der Volleyballmannschaft des TSV Neuhausen. Je nach Wetter kommen sie mehrmals pro Woche hierher. Sie spielen zwei gegen zwei auf Punkte – bis 21 geht ein Satz. Satzball. Meyers Spielpartner, kurze braune Haare und grünes Tanktop, schlägt auf. Der Ball segelt lange durch die Luft und landet schließlich mit einem kurzen Zischen auf der blauen Linie, die das Spielfeld begrenzt. Satz gewonnen.

Geöffnet ist die Anlage am Kohlemainenweg noch bis 10. Oktober. Telefon: 089 / 351 91 88. Die Platzbuchung ist auch online möglich.

Von Caspar von Au

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Milbertshofen – mein Viertel“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tür blockiert: Aggressive Männer behindern Abfahrten von ICE und Nachtzug 
Zwei Männer blockierten am Wochenende die Abfahrten von zwei Fernzügen. Die Gründe sind unklar. 
Tür blockiert: Aggressive Männer behindern Abfahrten von ICE und Nachtzug 
Starnberger spuckt in S6 ständig auf den Boden – seine Erklärung ist seltsam
Ein 19-Jähriger hat in der S6 ständig auf den Boden gespuckt, obwohl ein uniformierter Beamter (35) der Bundespolizei in der Nähe saß und das mitkriegte. 
Starnberger spuckt in S6 ständig auf den Boden – seine Erklärung ist seltsam
Total betrunken: Olchinger (47) schlägt Ehefrau und will sie ins Gleis stoßen
Völlig betrunken ist ein Olchinger (47) am Pasinger Bahnhof auf seine Frau losgegangen und hat sogar versucht, sie ins Gleis zu stoßen. Nur ein Polizeihund konnte den …
Total betrunken: Olchinger (47) schlägt Ehefrau und will sie ins Gleis stoßen
Wurde Feuer im Keller absichtlich gelegt? Polizei sucht Zeugen
Es ist nicht auszuschließen, dass jemand absichtlich das Feuer in einem Keller eines Appartementwohnhauses in der Zwillingstraße gelegt hat. Ein technischer Defekt sei …
Wurde Feuer im Keller absichtlich gelegt? Polizei sucht Zeugen

Kommentare