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Mili Baumgartner (57) - verkauft Mode vergangener Zeiten

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München - Ich bin eine Mischung aus Rex Gildo und Maurice Chevalier. Ganz ehrlich! Sie fragen sich jetzt vielleicht, welche Rauschmittel wohl meinen dramatischen Realitätsverlust verursacht haben. Aber Drogen waren gar nicht nötig. Ich musste nur zu Mili Baumgartner gehen: in ihren Kleider-Laden "Memorys" an der Adalbertstraße.

Da schlüpfe ich in ein pfirsichfarbenes Schlagersänger-Hemd aus den 70ern, setze einen Kreissägen-Hut auf - schon spüre ich, wie Glamour mich umweht. Allerdings verblasst mein Aufzug gegen Milis todschickes 50-Jahre-Kostüm samt Doris-Day-Kappe. Sie weiß halt, was Stil hat. Mili handelt mit dem Stoff, aus dem Träume gemacht waren: Mode aus vergangenen Tagen. Als Eleganz noch zählte.

Zu ernst nimmt Mili das nicht. "Hier setzen wir uns gerne mal Hüte auf oder stecken Klunker an. Wir haben einen Riesenspaß dabei." Es gibt ja auch so viele Schätze zu entdecken in ihrem Reich: Hier hängen Smokings mit Spitzenrevers aus den 50ern. Dort prangt ein Tüllhut mit Schleier aus der Vorkriegszeit. Wer ein wenig kramt, findet Modeschmuck aus jeder Ära: Von schwarzen Glasjuwelen um 1900 bis zu Strass-Colliers, wie sie einst Audrey Hepburn erstrahlen ließen.

Ich fühle mich schon wie im Film! Mili lächelt. "Filmemacher kommen auch öfter." Helmut Dietl schaute schon bei "Memory's" rein und Christine Kaufmann. Oft verleiht Mili ihre Kleinodien an Film und Theater: Gaby Dohm trug einen ihrer Nerzmäntel in "SOKO", und die Oper in Tokio orderte schon mal zehn Kostüme bei ihr.

Und wer kauft bei Mili? "Die verschiedensten Leute." Oft sind es Studenten, die die Eleganz von einst wieder "total hip" finden. Mal kommt ein großer Fan Karl Valentins: "Er hat Frack und Melone gekauft - wollte aussehen wie sein Idol." Und mal kam eine junge Dame und verlangte: Zylinder, Corsage, kurzen Rock, Stiefel. Sie wollte ihren Freund zum Geburtstag überraschen: mit einem Strip zu Joe Cockers "You can leave your hat on".

Ich sehe schon: Die Fantasie kennt keine Grenzen in Milis Reich. Deshalb hat sie wohl ihren Beruf als Feinmechanikerin aufgegeben und ist Traum-Händlerin geworden. "Die Mode von früher war einfach eleganter als heute." Sie hat recht: Ich fühle mich seltsam ordinär als ich wieder zurück in meine Alltagskleidung schlüpfe. Jeans und Pulli sind OK. Allein der Glamour - der fehlt.

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