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Willkommen im grünen Paradies: Brigitte Uherek besitzt ihren Kleingarten seit 35 Jahren.

Besuch bei Kleingärtnern in Moosach

Münchner zeigen uns ihr grünes Paradies

Kleingärtner finden so richtig Freude an Frühling und Sommer. Wenn es wärmer wird, können sie in ihrem Garten werkeln. Wie sie das machen, zeigen uns Mitglieder des Kleingarten-Vereins München Nord-West 03.

München - Aus der Luft schaut sie erstmal riesengroß, verwinkelt und vor allem grün aus - eine beliebte Kleingartenanlage im Münchner Nordwesten. Hier gartelt der Kleingarten-Verein München Nord-West 03. Die 172 Besitzer haben unweit der U-Bahn-Station Westfriedhof ihr idyllisches Paradies. Diese kleine grüne Lunge sorgt für eine bessere Luftqualität, wirkt sich positiv aufs Klima aus - und mindert den Lärm.

Stadt-Oasen wie diese sollen noch viel mehr Schule machen: „Die Stadt von morgen braucht Kleingärten“, hat der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde vorgestern beim großen Treffen in Berlin gefordert.

Die tz hat die Gärtner besucht. Fünf Besitzer haben uns Einlass gewährt und uns verraten, wie der Alltag von unten ausschaut. 

Rudis Idyll - auch für Tiere

Rudi Enterrottacher ist schwer mit Werkeln beschäftigt: Derzeit baut er an einem neuen Teich für seine Goldfische. „Im Sommer haben wir vier Hasen hier“, weiß der 61-Jährige. Die bleiben allerdings im Gehege - bevor sie davonhüpfen…

Über Freunde seiner Tochter hat der ehemalige Schulreferatsmitarbeiter vor zehn Jahren die Anlage entdeckt. „Meine Frau und ich waren sofort in sie verliebt.“ Und bereut ein bisserl, das Idyll nicht früher entdeckt zu haben.

Bei der Gartenarbeit ist bei Familie Enterrottacher ganz klar Teamarbeit angesagt: „Ich bin fürs Grobe zuständig - und meine Frau macht die Feinheiten“, lacht der Rentner. Auch mit den Nachbarn klappt es hervorragend. „Wir hätten es nicht besser treffen können“, schwärmt der Münchner. Und werkelt weiter.

Tierlieb: Rudi Enterrottacher. 

Es gibt immer was zu tun

Brigitte Uherek läuft zu ihrem kleinen Gewächshaus. Die 82-Jährige sorgt sich um ihre erst kürzlich eingepflanzten Tomatensträuche: „Ich habe sie extra abgedeckt, damit sie keinen Frost bekommen.“ Seit 35 Jahren ist sie stolze Besitzerin eines Kleingartens. „Das zu werden, war gar nicht so einfach“, erzählt sie. Nach der Bewerbung musste sie zwei Jahre warten, bis ein Garten frei wurde.

Und der macht nicht nur fit und ist gleichzeitig Erholungsort, sondern auch ein Familientreffpunkt: Ihre Schwester ist Mitbesitzerin. Weiterer Pluspunkt: die Nähe zum eigenen Haus. „Ich wohne nur eine Haltestelle weiter, da komme ich jeden Tag. Ich liebe den Garten. Es ist ruhig und idyllisch, aber es gibt dort genügend Arbeit für mich“, lacht die Münchnerin.

Treffpunkt für den Appetit

Bier und Wein zwischen viel Grün: Das ist die Gartenlaube. Seit genau 30 Jahren gibt es die griechische Taverne. „Die meisten Gartenbesitzer hier kenne ich beim Namen“, sagt Inhaber Panagiotis Papachristou, der den Laden vor 17 Jahren von seinen Eltern übernommen hat. „Es läuft gut, unsere Gäste sind zufrieden“ sagt der 48-Jährige. „Viele unserer Stammgäste mittags kommen von den Stadtwerken gegenüber.“ Klar kriegt der Wirt vom Gartenleben einiges mit. „Es gibt momentan viel Wechsel in den Lauben. Vor allem junge Familien mit Kindern entdecken dieses Leben wieder neu.“

Führt die griechische Taverne: Panagiotis Papachristou

Ein Mann für jede Jahreszeit

Joseph Riedmaier (68) hat seine Laube gleich am Eingang der Anlage. Der ehemalige U-Bahnfahrer lebt her seit 1989 seinen grünen Daumen aus. „Ich pflanze hauptsächlich Blumen und ein bisschen Gemüse an. Ein großes Kräuterbeet habe ich auch.“ Was er erntet, gibt er teilweise ab. „So viel Schnittlauch kann ja kein Mensch verwenden, den verschenke ich deshalb oft.“ Er genießt die Zeit hier nicht nur im Sommer. „Daheim habe ich keinen eigenen Garten. Deswegen komme ich selbst im Winter jeden Tag her, um die Vögel zu füttern und die frische Luft zu genießen“, erzählt der Rentner.

Den Besitz des Gartens hat der Senior übrigens seiner Frau zu verdanken. „Es war immer ihr Traum, einen kleinen Garten mitten in der Stadt zu haben.“

Verschenkt seinen Schnittlauch: Joseph Riedmaier.

Hier kann man so richtig abschalten

Zwiebeln, Tomaten, Bohnen und viele Blumen wachsen derzeit in Christine Langhoyer-Kühns Garten. Seit acht Jahren ist die 56-Jährige hier. „Früher dachte ich immer, ein Schrebergarten wäre total spießig“, lacht die Münchnerin. Und heute? Ist sie mit Feuereifer dabei, auch als Schriftführerin im Vorstand des Vereins. Damit hat die Tagesmutter ein großes Mitspracherecht, was die Verteilung der Gärten betrifft. „Momentan sind etwa 20 unserer 172 Gärten auf der Warteliste. Das kann bis zu vier Jahren dauern“, erzählt sie. Die Pacht für 240 Quadratmeter Grün beträgt rund 400 Euro jährlich mit allen Versicherungen. „Ich komme oft hierher, um runterzufahren - und genieße auch die Geselligkeit.“

Hat sich überzeugt: Christine Langhoyer-Kühn.

Paulina Demmer

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