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Immer wieder bleiben Busse in der Unterführung stecken. Der Neubau wird höher.

„Wir haben keine andere Möglichkeit“

Brückenabriss: Dachauer Straße wird zweieinhalb Jahre gesperrt

Sie ist ein Unfallmagnet Münchens: Die Unterführung in der Dachauer Straße, deren Höhe schon so mancher Busfahrer falsch einschätzte. Nun soll die Brücke abgerissen und neu gebaut werden. Dafür wird die Straße teilweise gesperrt.

München - Das Bauwerk, das die Dachauer Straße unter den Gleisen der Flughafen-Linie S 1 hindurchführt, ist der Albtraum vieler Lkw- und Busfahrer. So mancher scheint die Höhe falsch einzuschätzen und übersieht die Warnschilder. Immer wieder bleiben hohe Fahrzeuge stecken. Auch Verletzte hatte es bei Unfällen mehrmals gegeben. Zudem ist das Bauwerk marode. Eine Studie des städtischen Baureferats hat nun ergeben, dass eine bloße Sanierung nicht mehr ausreichend ist.

Nicht die dringendste Unterführung in München 

Eigentümer der Unterführung ist die Deutsche Bahn Netz AG. Auf einer Liste des Eisenbahn-Bundesamts rangiert der bauliche Zustand der Unterführung in der schlechtesten Kategorie vier. Das heißt: Neubau innerhalb der nächsten sieben Jahre. Einen genauen Zeitplan gibt es allerdings noch nicht. Auf der Dringlichkeitsliste für München steht die Unterführung auf Platz drei, den ersten Platz belegt die Unterführung an der Lindwurmstraße.

Insgesamt wurden drei Varianten für den Neubau geprüft. Die Experten entschieden sich für eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Metern. Beim Neubau die alte Durchfahrtshöhe von 3,40 Metern beizubehalten, wie vom Bezirksausschuss (BA) Moosach gewünscht, hätte nicht den neuesten technischen Standards genügt und auch die Unfallhäufigkeit nicht verringert. Die Mehrheit der Stadtviertel-Politiker hat bisher eine höhere Röhre abgelehnt – aus Sorge, dadurch noch mehr Lkw-Verkehr in den Stadtteil zu bekommen.

Der Neubau soll drei Fahrspuren bekommen, heißt es im Beschlussentwurf für den Stadtrat. Zwei Spuren, davon eine für Linksabbieger, werden stadtauswärts führen und eine stadteinwärts. Um die neue Höhe zu erreichen, muss die Straße tiefergelegt werden, was eine Grundwasserwanne notwendig macht. An beiden Seiten werden für den Fuß- und Radverkehr separate Röhren eingebaut, die jeweils zwei Meter höher liegen und deshalb ohne Grundwasserwanne auskommen.

40 Schüler aus Dänemark sind im Juni 2013 teils schwer verletzt worden, als ihr Doppeldecker-Bus in die Unterführung raste. Der Fahrer hatte die Höhenbegrenzung übersehen, das Dach wurde meterweit abrasiert.

Bauzeit ohne Winterpause: 30 Monate

Das Baureferat schätzt die Bauzeit ohne Winterpausen auf ungefähr 30 Monate. In diesen wird die Unterführung für den Autoverkehr gesperrt sein. Für den Fußgänger- und Radverkehr will man den Bau der westlichen Röhre vorziehen, sodass die Sperrung für diese Verkehrsteilnehmer möglichst kurz gehalten wird.

Fast alle bisherigen Erschließungen und Verkehrsbeziehungen können nach Angaben der Planer aufrechterhalten werden. Einzig die Anbindung der Holledauer Straße an die Dachauer Straße entfällt wegen der verlängerten Rampe; die Zufahrt ist dann nur noch über die Moosburger Straße möglich. Die Parallelstraße zwischen Breslauer Straße und dem Moosacher Stachus soll entfallen, die Linksabbiegerspur in die Pelkovenstraße wird verkürzt.

Bus kracht in Bahnunterführung und bleibt stecken

Im Bezirksausschuss stießen die neuen Pläne am Montagabend nicht auf große Begeisterung. Doch die Vorsitzende des Unterausschusses (UA) Verkehr, Angelika Bueb (CSU), fasste zusammen: „Wir haben keine andere Möglichkeit, als dieser Variante zuzustimmen.“ Und so stimmten die Stadtviertelvertreter, wenn auch widerwillig, dem Beschlussentwurf einstimmig zu – mit einer Forderung: Der geplante Ausbau der nördlichen Dachauer Straße solle mit der Erneuerung der Brücke koordiniert werden, um so „zweimal Verkehrschaos zu vermeiden“. Außerdem verlangt das Gremium ein Umwelt- und Lärmkonzept sowie die Erstellung eines Verkehrskonzeptes für den Zeitraum der Baumaßnahmen. Um nicht zu viele Lkws nach Moosach zu bekommen, fordert der BA die Stadt auf zu prüfen, ob die Dachauer Straße in ihrer Kategorisierung als Wirtschaftsverkehrsader zurückgestuft werden könnte.

Lisa-Marie Birnbeck

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