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„Mein Herzensprojekt“ nennt Julia Schönfeld-Knor den Bücherschrank an der Bunzlauer Straße.

Serie: „Der perfekte Tag in meinem Viertel“

Kultur, Geschichte und Oasen der Ruhe: Sie hat den Durchblick in Moosach

In unserer Serie zeigen wir allen Dahoamgebliebenen, was es in den 25 Münchner Stadtbezirken zu entdecken gibt. Einheimische führen uns durch ihr Stadtviertel. Diesmal: Moosach.

„Das ist mein Herzensprojekt“, strahlt Julia Schönfeld-Knor, Geschäftsführerin des Kultur- und Bürgerhauses Pelkovenschlössl in Moosach. Der Bücherschrank an der Bunzlauer Straße hinter der Trambahnhaltestelle ist Schönfeld-Knors erster Stopp auf der Reise durch Moosach. Kultur zum Mitnehmen für Menschen, die sich vielleicht keine Bücher leisten können, nennt das die seit rund 25 Jahren in Moosach lebende Schönfeld-Knor: „Bücher werden immer noch als etwas sehr Besonderes wahrgenommen - niemand stiehlt alle Bücher oder beschädigt den Bücherschrank“, sagt sie.

Das Wohnprojekt Borstei

Mit Kultur unter dem Arm geht es weiter zur Borstei, einer der bekanntesten denkmalgeschützten Wohnsiedlungen in Deutschland. Das Ensemble, das Architektur mit einem gesellschaftspolitischen Entwurf verband, wurde in den 30er- Jahren des 19. Jahrhunderts von Bauunternehmer Bernhard Borst gebaut. Anfangs wurde die Borstei vor allem von der gehobenen Münchner Gesellschaft bewohnt. „Heute ist es eines der größten sozialen Wohnungsprojekte in München“, erklärt Schönfeld-Knor. „Und das schönste - auch für die Besucher, die gerne durch die wunderschön angelegten Gärten wandern.“

• Borstei, Dachauer Str. 140

Märchenhafte Gärten

Wer in einer der 773 begehrten Wohnungen lebt, dem liegen sieben liebevoll gestaltete Innenhöfe zu Füßen, die mit Brunnen, Statuen und einem Teich teils wie das Abbild einer italienischen Piazza anmuten, teils wie der verwunschene Garten aus dem Märchen „Der Froschkönig“. „Eines der Ziele von Borst war es, dass die Menschen rausgehen, sich in den Höfen treffen und miteinander reden“, berichtet Schönfeld-Knor. Das geht besonders gut im zentralen Innenhof: Im Rund des ansprechend gestalteten Areals finden sich klassische Ladenfassaden im Stil der 30er, dahinter arbeiten vom Friseur über einen selbstständigen Metzger bis hin zum Feinkostladen Einzelhändler mit einem besonderen Angebot. „Ich liebe die Architektur, vor allem die Bogendurchgänge“, sagt Schönfeld-Knor. „Und das Café Borstei ist auch etwas ganz Besonderes.“ Klassische Einrichtung, eine ausladende Tortentheke und die Terrasse laden zum Verweilen ein. Eine gute Idee also, ein Buch für ein entspanntes Stündchen mitzubringen – umgeben von viel grüner Ruhe und schöner Architektur: „Auch der Cappuccino ist sehr lecker“, sagt Schönfeld-Knor.

• Café Borstei, Franz-Marc-Str. 9, Tel. 089 / 92 28 81 11, geöffnet Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag 10 bis 17.30 Uhr, Samstag/Sonntag 9 bis 18 Uhr, Dienstag Ruhetag.

Klassisch eingerichtet ist das Café Borstei, dessen Cappuccino es Julia Schönfeld-Knor angetan hat.

Vom Hofmarksschloss zum Kulturzentrum

Gestärkt geht es weiter zum Wirkungskreis der 48-Jährigen, die in Sendling geboren und aufgewachsen ist: „Das Pelkovenschlössl mit Hacklhaus hat eine lange Geschichte“, referiert Schönfeld-Knor. Als Hofmarksschloss, Wirtshaus, Schulhaus und heute Kulturzentrum des Stadtteils war und ist das Haus eine der baulichen Landmarken Moosachs. „Wir bringen uns mit vielen Kulturangeboten in den Stadtteil ein“, sagt die zweifache Mutter, die sich auch als Stadträtin für die Belange der Moosacher Bürger einsetzt. Besonders im Sommer ist das historische Gebäude der Ort für entspannende und spannende Erlebnisse: „Historischer Markt mit Mittelaltermusik, Boule-Turnier oder einfach nur in der Sonne spazieren gehen, den schönen Garten und die Umgebung genießen“, sagt Schönfeld-Knor. Wenn sie ihre begrenzte Freizeit nicht Klavier, Saxophon und Querflöte spielend verbringt, gibt es für sie nichts Schöneres.

 Kultur- und Bürgerhaus Pelkovenschlössl, Moosacher St.-Martins-Platz 2, Tel. 089 / 143 38 18 21, www.pelkovenschloessl.de

Julia Schönfeld-Knors Reich: Das Kultur- und Bürgerhaus Pelkovenschlössl.

Idyll mit Verfallsdatum

Das Botanikum ist auch so ein Idyll. „Aber das wird es leider bald nicht mehr geben“, erklärt die Wahl-Moosacherin. Die Nutzung sei bisher zwar geduldet, aber nie genehmigt gewesen. „Doch in diesem Sommer kann es jeder noch einmal besuchen“, so Schönfeld-Knor. In dem Gärtnereibetrieb seines Großvaters setzte Eigentümer Heinrich Bunzel mit seiner Frau Bettina ein kreatives Konzept aus Kunst, Mensch und Natur um. Das sogenannte Kunst-Biotop, in das sich Künstler in den vergangenen drei Jahrzehnten einmieten konnten, zeigt nicht nur riesige Sofas aus dichtwachsendem Gras, sondern ist auch als Veranstaltungsadresse bei den Münchnern sehr beliebt. Gerade Hochzeitspaare schätzen den im Sommer tropisch anmutenden Charme der offenen Gewächshäuser, Zitronenbäume und Palmen.

 Botanikum,Feldmochinger Straße 75 - 79, Telefon 089 / 141 17 15, www.botanikum.de

Grün, wohin man schaut: Im Botanikum sind Kunst und Natur in Symbiose zu bewundern.

Käse und Kaffee

Zum Abschluss eines Tages in ihrem Viertel macht Julia Schönfeld-Knor gerne noch einen kleinen Zwischenstopp im Lädchen „Käse und mehr“. „Die Käseauswahl ist wirklich toll“, begeistert sie sich. Für viele Moosacher, die in der Nähe wohnen, ist der vor einem Jahr neu eröffnete Laden bereits zu einem Nachbarschafts-Treffpunkt geworden. Italienische Kaffeespezialitäten, eine feine Wein-, Wurst- und Käseauswahl und günstige, kleine warme Mittagsspeisen, verbunden mit einem Schwätzchen, ziehen nicht nur die Moosacher an. Gut gelaunt verabschiedet sich Julia Schönfeld-Knor: „Den Käse und Wein genieße ich abends ganz in Ruhe.“

 „Käse und mehr“,Pelkovenstraße 50, Tel. 089 /  92 28 5420

„Käse und mehr“ gibt es in dem kleinen Laden an der Pelkovenstraße 50.

Nicole Zobel

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