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„Man ist hilflos“: Nach 70 Jahren hat die Postbank das Konto von Ludwig F. aufgelöst.

Moosacher verzweifelt

Konto-Schock nach 70 Jahren: Bank dreht Rentner Geldhahn zu - dann beginnt eine beispiellose Odysee

Als sich der Moosacher Ludwig F. am 7. August in sein Postbank-Konto einloggen wollte, funktionierte das nicht. „Zugriff gesperrt“, stand auf dem Bildschirm. Der Beginn einer Odyssee.

München - Vor 70 Jahren eröffneten Ludwig F. und seine Frau ein Konto bei der Postbank. „Das Konto lief auf uns beide“, sagt F., der 50 Jahre bei der Post angestellt war. Als seine Frau im Mai 2016 starb, forderte ihn die Postbank auf, innerhalb von sechs Monaten die Sterbeurkunde seiner Frau beizubringen und einen Antrag auf Weiterführung des Kontos zu stellen. „Meine Frau war gerade verstorben. Ich hatte damals andere Sorgen und hab es vergessen“, sagt der 86-Jährige heute.

Zwei Jahre später, am 4. Juni 2018, bekam der Rentner erneut einen Brief: Er muss bis 6. August das Konto auf sich umschreiben lassen, ansonsten würde das Konto zu diesem Tag gekündigt. Der Moosacher reagierte – und stellte am 26. Juni bei der Postbank in Moosach den Antrag auf „Weiterführung eines Postbank-Girokontos nach dem Tod einer Kontoinhaberin“. Am 13. Juli habe er per Post einen Finanzstatus erhalten. „Ich konnte ersehen, dass ich jetzt der alleinige Kontoinhaber war.“

Alles gut. Dachte er. Einen Tag nach dem erfolglosen Online-Banking erhielt er am 8. August wieder einen Finanzstatus: „Mein Konto wurde gelöscht, mein gesamtes Guthaben ist auf einem Verwahrkonto! Eine Mitteilung über die Löschung oder wie ich wieder zu meinem Geld komme – Fehlanzeige!“, klagt F.

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Eine beispiellose Odysee beginnt

Verzweifelt versuchte er, über die Hotline der Postbank sein Problem zu schildern, scheiterte diverse Male an der elektronischen Bandansage. Endlich – eine Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung. „Ich habe ihr alles erklärt. Aber sie hat nur gesagt, dass sie mich nicht versteht und ich Hochdeutsch reden soll.“ Statt Hilfe bekam F. eine weitere Telefonnummer.

„Ich bin noch am selben Tag zu meiner Filiale in Moosach.“ Ohne Erfolg. „Der Berater führte ein Telefongespräch. Am 14. August war mein Konto immer noch nicht aktiviert.“ F. rief die Postbank in München an. „Ich habe an zwei Tagen sechsmal vormittags und nachmittags angerufen.“ Die Bandansage – stets die gleiche: „Sie rufen außerhalb der Geschäfstzeiten an.“ Seine letzte Hoffnung: die Kundenbetreuung am Bahnhofplatz. „Der Stellenleiter nahm meine Beschwerde auf.“ Und entließ F. wieder. „Man ist hilflos. Wenn die ersten Mahnungen eintrudeln, muss meine Familie einspringen. Am 20. August war mein Konto immer noch geschlossen.“ 

Auch in seiner Bankfiliale in Moosach suchte Ludwig F. Hilfe – erfolglos. Dass sein Konto versehentlich gesperrt worden war, stellte sich erst später heraus.

Das sagt die Postbank

Eine Sprecherin der Postbank bestätigt den Fall auf tz-Anfrage. Als man Ludwig F. am 4. Juni gebeten habe, sein Konto umschreiben zu lassen, sei gleichzeitig für das Girokonto eine „bankseitige Kündigung“ zum 6. August vorgemerkt worden, falls der angeforderte Auftrag bis zu diesem Tag nicht eingehen sollte. Er sei am 26. Juni eingegangen. 

Aber: „Bedauerlicherweise wurde die bereits vorgemerkte Kündigung des Kontos nicht gelöscht. Somit wurde das Girokonto zum angekündigten Termin aufgelöst und das Guthaben auf ein internes Verwahrkonto gebucht.“ Die Sprecherin sagt, dass das Girokonto „noch am Freitag“ reaktiviert worden sei und man versucht habe, Herrn F. anzurufen. Man bedauere die Unannehmlichkeiten.

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